Schnee in Zürich

Schnee gehört in die Berge. Schnee gehört auf’s Land. Schnee gehört aber nicht in die Stadt. Schnee in der Stadt ist nicht lustig. Meine Rede, seit je her.

Nach diesem Wochenende muss ich diese Aussage allerdings etwas relativieren. Schnee gehört noch immer nicht in die Stadt. Zumindest nicht unter der Woche. Da muss man mit arbeitssalonfähigen Schuhen rumtippeln können ohne sich die danach für den ganzen Tag nassen Füsse abzufrieren. Man läuft Gefahr, auf den aufgrund Salzmangels äusserst rutschigen Gehsteigen einen doppelten Rittberger hinzulegen – ohne Punkte dafür mit blauen Flecken und hämischen Blicken. Auch die Alternative Moonboots mit Tippelschuhen in der Tragetasche zwecks Schuhwechsel im Büro ist keine mir beliebte Alternative.

Also komme ich zum Schluss, dass Schnee unter der Woche nichts, aber auch wirklich nichts in der Stadt zu suchen hat. Am Wochenende hingegen geht das klar. Es ist herrlich, durch’s verschneite Zürich zu schlendern und sich danach bei einer heissen Schokolade Mélange aufzuwärmen. Fazit: Zürich mit Schnee ist wunderschön. Am Wochenende…!

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Brief an Jess Jochimsen

Lieber Jess Jochimsen

Als uns zu Augen kam, dass du dich für zwei Vorstellungen in Zürich niederlässt, war die Vorfreude gross. Umgehend bestellten wir Tickets und lebten fortan in einem emotionalen Vorfreudenrausch. Dann endlich war der lang ersehnte Tag da und wir pilgerten ins Millers Studio. Vollgepumpt mit Glücksgefühlen und voller Bewunderung lauschte ich deinen Worten, hing förmlich an deinen Lippen, tauchte in deine bunte Wörterwelt ein, deine Botschaften bohrten sich in meine Hirnwindungen und lösten reinstes Entzücken aus.

Und dann, dann der Schlag in die Magengrube. Was sagst du da, meine Güte! Nicht – nein, red nicht weiter. Doch du hast dich dem Thema voll hingegeben, bist darin aufgegangen, hast dich festgebissen. Du hast gesagt Nordic Walking sei kein Sport, sei eigentlich “Gehen am Stock” und – nein, ich kann nicht alles wiedergeben, der Schmerz sitzt noch so tief.

Wie ein verwundetes Tier bin ich in meinem Stuhl zusammengesunken. Gestern, im Millers Studio. Konnte dem Programm nicht mehr folgen. Hinterfragte mich, mein Leben, mein Sein. Sass auf meinem Stuhl und das Leben hielt einfach an. 47 Minuten, die Zeit wäre da gewesen. Doch ich blieb. Schaffte mich zurück, brachte es fertig, wieder Mut zu fassen. Für dieses Leben. Das Leben als Nordic Walker.

Denn es ist gut. Es ist immerhin Bewegung und man kann schicke Sportkleider tragen. Im Ernst, es hat viele Vorteile, fürwahr. Was bitte unternimmt ein Jogger, der im Wald einem Alien begegnet? Hä? Ich, mit meinen zwei Stöcken, spiesse das Teil einfach auf und die Sache ist gegessen (abgesehen von der glubbriggrünen Masse, die an den Stöcken zurückbleibt). Mit meinen Stöcken kann ich zum Beispiel auch mit geschlossenen Augen dastehen und mir vorstellen, dass ich eigentlich auf der Skipiste stehe und gleich losfahre (das ist ohne Stöcke auch möglich aber fühlt sich nicht gleich gut an). Ich kann, wenn ich in bärenverseuchten Gegenden unterwegs bin, laut mit den Stöcken aufeinanderschlagen und die Bären so vertreiben (echt, die Kenner sagen, Lärm machen hilft). Ich fühle mich gut, mit meinen Stöcken. Und weisst du, Dr. House hätte eigentlich auch zwei, aber der ist tatsächlich mal einem Alien begegnet (was vieles erklärt) und der eine Stock steckt noch da drin, in dem Ding. Echt wahr, kannste mir ruhig glauben.

Und überhaupt – ich fordere dich zu einer Runde Nordic Walking am Zürich-See entlang auf! Und dann, danach, wenn du dich so richtig gut fühlst, Fan geworden bist, diesem Sport den Rest deines Lebens fröhnen willst und mich auf Knien um Verzeihung bittest…. dann kann auch ich diesen schrecklichen Moment, gestern im Millers Studio, vergessen, damit abschliessen und mich auf deine hoffentlich noch in grosser Anzahl kommenden Wortkünste freuen…

Mit kurz verlorener aber rasch wieder zurückgewonnener Nordic-Walking-Lebensfreude grüsst dich herzlich
Frau W.

www.jessjochimsen.de

Bett

Heute habe ich mein Bett nicht gemacht.

Richtig! Ich bin aufgestanden, liess die verwurstelte Bettdecke zurück und das war’s. Ja, mein Güte, Damen und Herren – das ist tatsächlich etwas aussergewöhnliches. Das ist schon so etwas wie eine kleine Revolution!

Ich mache mein Bett sonst immer. Ich gehe nicht aus dem Haus, ohne das Bett gemacht zu haben. Bett machen ist wie Zähne putzen. Oder duschen. Oder die Küche am Abend noch aufräumen. Das ist Teil des Plans. Ein gemachtes Bett steht für Ordnung und Struktur. Ist das Bett gemacht, ist das Leben in Ordnung. Rain Man weiss, was ich meine.

Aber heute, heute hatte ich keine Lust. Ich habe noch kurz über die Schulter geblickt und wusste: Heute mache ich mein Bett nicht. Ich stolzierte durch die Wohnung wie Che Guevara (“seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche”) durch Kuba. Möglicherweise auch wie Pippi Langstrumpf (“lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar”) durch Taka-Tuka-Land.

Egal. Vive la révolution!

Kontoeröffnung

Heute habe ich ein Sparkonto eröffnet. Auf einer Bank meines neuen Vertrauens. Ein Umweltschutz-Sparkonto. Gibt weniger Zins, dafür buttert die Bank die Differenz zum normalen Sparkontozins  in Umweltschutz-Aktionen. Was dazu führt, dass Kunde, Bank und Umwelt sich besser fühlen. Prima!

Spannender als die Erläuterungen zum Umweltschutz war allerdings das Gespräch an einer benachbarten Beratungsinsel. Der Berater dort empfing seine Kundin freudenstrahlend und mein Berater äugte eifersüchtig zu seinem siegesgewissen Kollegen. Denn die Kundin war gross, schlank, langhaarig, blond, grossbusig, jung, supergeschminkt und modisch. Das wars dann aber auch, wie ich sofort und der Berater erst etwas später feststellen durfte. Ich liebe Chlichés.

Mein Berater äugte zwar noch kurz, besann sich dann aber mit leichtem Augenverdrehen auf seine Professionalität und vertiefte sich ins Tippen irgendwelcher schampar wichtiger Kontoeröffnungsvorgänge. Somit hatte ich die Gelegenheit, die Unterhaltung von Berater Nr. 2 mit Blondie zu belauschen.

- Sie möchten also gerne ein Konto eröffnen. Lächel.
- Ja genau. Augenklimper.
- Wissen Sie denn schon, was für ein Konto Sie möchten?
- Ja, ein Bankkonto.
- Ah, ja. Hm. Räusper. Gut. Haben sie denn schon eines?
- Ja. Kopfschräglächel.
- Dann schaue ich am Besten gleich einmal im System nach.
- Ah, das geht?
- Ja, schon… Irritiertblinzel.
- Lustig, dass sie das sehen.
- Ehm, wissen Sie, ich sehe alle Angaben von unseren Kunden.
- Aber ich bin doch gar nicht Kunde bei Ihnen.
- Ach so, ehm, Räusper, ich dachte…
- Ich hab ein Konto bei der xxBank. Aber hier noch nicht.
- Ach so, Hüstel, äh – dann schauen wir jetzt doch einmal, welches Konto für Sie am Besten wäre.

Ich wandte mich wieder ab. Grinsend. Ich bin auch gross. Aber nur mittelschlank, mittellanghaarig, mitteldunkelhaarig, mittelgrossbusig, mitteljung, mittelgeschminkt und mittelmodisch…. Dafür aber… nun, lassen wir’s gut sein für heute…

Mein Shop

Bei Frau W. purzeln die Worte – das steht fest. Aber wohin? Na, klarer Fall. Auf T-Shirts. Wohin sonst. Und diese kann Mann und Frau jetzt endlich kaufen. Für einen supergünstigen Freundschaftspreis. Echt wahr!

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Kinderpost

Die Kinderpost war der helle Stern am Horizont meines ansonsten reichlich unordentlichen Kinderlebens. Wirklich, ich war ziemlich unordentlich als Kind. Aber nicht, wenn es um die Kinderpost ging. Das war eine Oase, in welcher ich Ordnung schaffen konnte.

Bei den kleinen Briefmarken, Couverts, Postkarten und Express-Klebern. Jööh, so härzig so minzig-minzig kleine Briefmarken, Couverts, Postkarten und Express-Kleber. Sortieren, zählen, einteilen, gruppieren. Cool! Ich denke, dies war der Moment, in welchem ein Teil meines inneren Strukturfreaks geboren wurde!

Nur den Pappkarton-Klapp-Kundenschalter selber fand ich nicht so toll, den ganzen Bürokram aber sehr wohl. Es ist schon eine Ecke her und darum gab es damals als einziges Spielzeug in diese Richtung die Kinderpost.

Ich liebte sie heiss und das einzige, was mich störte, war das Gelb. Die gelben Autos, die gelben Pöstler – wem bitteschön steht schon dieses schreckliche Gelb. Es war so… Gelb halt. Nun, es wurde in meinem Geschmacksempfinden als “nicht schön” deklariert. Definitiv.

Neulich stand ich in der Post und wartete. Mein Blick blieb fasziniert an der neusten Version der Kinderpost hängen. Und daneben, kaum zu glauben, gab es ein Ersatz-Set für die Kinderpost – das Kinderpost-Zubehör. Ohne diesen ollen Pappkarton-Klapp-Kundenschalter. Das wäre die perfekte Lösung in meiner Kinderheit gewesen. Aber wie gesagt – das ist schon eine Ecke her…

Hunde-Parking

Guten Tag und willkommen in unserem schönen Naturpark!

Dies ist eine Hunde-Parking-Station. Das Parkieren des Hundes erfolgt auf eigene Gefahr. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Parkanleitung oder fragen Sie Ihren Tierarzt oder den Jäger.

Bitte versichern Sie sich zudem, dass die Hundeleine ordentlich eingeklickt und nicht verdreht ist. Der Hund hat sich direkt vor dem Pfosten in “Platz”-Position niederzulassen. Aufenthalte links und rechts des Pfostens sowie auf der Rückseite sind nicht gestattet. Besonders kleinen Hunden ist es untersagt, auf dem Pfosten zu parken. Es ist den Hunden nicht erlaubt, an den Pfosten zu pinkeln. Bellen, winseln, hecheln, sabbern, fressen, trinken oder gähnen ist unerwünscht. Sollte sich aus dem Wald ein wildes Tier nähern, hat der Hund sich ruhig zu verhalten und den Parkwächter mittels diskretem Zublinzeln zu informieren. Das sammeln von Laub mit der Schnauze oder den Pfoten sowie das entfernen und ankauen von Holzästen ist verboten. Die kostenlose Parkingdauer ist abhängig von Ihren Konsumationen im Parkrestaurant. Pro hundert Franken Umsatz erhalten Sie 15 Minuten Hundeparkzeit. Restguthaben verfallen nach 8 Stunden. Bitte beachten sie abschliessend, dass das Fotografieren des Hundeparking-Pfostens untersagt ist.

Und nun wünschen wir Ihnen einen schönen, entspannten Aufenthalt in unserem Naturpark und freuen uns auf Ihren nächsten Besuch!

Oh Tannenbaum

Da liegen sie wieder. Wie immer, Anfangs Jahr. Tannenbäume. Weihnachtsbäume. Ausgedient, weggeworfen – danke und auf Nimmerwiedersehen.

Auch Frieda liegt da. Neben den Abfallbergen. Ein kleines Stück Lametta glitzert noch zwischen ihren Nadeln, hie und da findet sich noch ein Tröpfchen getrocknetes Wachs und wenn man ganz gut hinhört, tönen noch die letzten Klänge der traditionell vor der Geschenkeschlacht in die Familienrunde geschmetterten Weihnachtslieder aus ihrem Geäst.

Ist es wirklich so traurig, das Weihnachtsbaum-Dasein? Müsste uns nicht ein schlechtes Gewissen plagen? Ein Herz für Weihnachtsbäume? Jeder Weihnachtsbaum zählt?

Blenden wir ein paar Jahre zurück. Frieda, die kleine Tanne, kämpfte sich Zentimeter um Zentimeter hoch, reckte sich der Sonne entgegen, liess Nadel um Nadel sorgfältig wachsen und wurde immer kräftiger, schöner und mächtiger. Sie fühlte sich wohl, in der Gruppe. Baumschule, nannten dies die Menschen, die ab und an vorbeikamen und mit den Händen über ihre Nadeln fuhren und edlen Dünger zu ihren Füssen legten. Diese ist besonders schön, sagten sie, wenn sie bei ihr standen und sie reckte stolz die Äste ‘gen Himmel. Jahre vergingen und Frieda lebte ein friedliches Tannenbaumleben.

Eines Tages, es war schon ordentlich kalt und der erste Schnee stand bevor, waren mehr Menschen da, als sonst. Sie trugen Motorsägen und machten viel Lärm. Frischer Harzduft lag in der Luft und vermischte sich mit dem Benzindampf der Motorsägen, mit welchen die Menschen Baum um Baum absägten. So auch Frieda. Bevor sie wusste, wie ihr geschah, wurde sie abgesägt. Ihre schönen Äste wurden in ein Netz gezwängt und sie wurde zusammen mit den anderen auf einen Lastwagen gelegt und weggefahren. Von der Aufregung erschöpft schlief sie ein und als sie wieder aufwachte griff gerade eine Hand nach ihr. Das ist ein besonders schönes Exemplar, sagte eine Stimme und die Menschen begutachteten sie von allen Seiten und griffen in ihre Äste. Die nehmen wir, sagte eine sonore Männerstimme und die Kinder jauchzten. Frieda wusste nicht, ob sie auch jauchzen oder eher weinen sollte. Sie wusste gar nicht, was das alles sollte. Aber ihr bliebt keine Zeit, nachzudenken. Schwups, schon wurde sie wieder gepackt und erneut in ein Netz gezwängt.

Nach kurzer Fahrt wurde sie in ein Haus getragen. Dort steckte man ihre Füsse in einen am Boden stehenden Ständer mit Wasser und gierig trank sie ein paar Schluck. Es war warm, in diesem Haus. Wie im Sommer, dachte sie, nur ohne Sonne. Es war ein schönes Haus und die Familie war nett. Aber sie vermisste ihre Tannbaumfreunde und die frische Luft. Und sie wusste nicht, was mit ihr geschah. Nach einer langen Nacht ohne Schlaf und ein paar kummervollen Tränen spürte sie am nächsten Morgen, das Etwas in der Luft lag. Die Menschen trugen grosse Kisten zu ihr hin und die Kinder flitzten aufgeregt umehr. Hey, was soll das, rief sie irritiert. Doch die Menschen reagierten nicht und beschwerten ihre Äste mit irgendwelchen Dingen. Sie blickte an sich herunter und stellte fest, dass sie immer bunter behängt wurde, mit glitzernden, schönen Kugeln und Figuren und langen glänzenden Streifen. Autsch, das zwickt, brummte sie, als ihr die Menschen auch noch Kerzen auf die Äste klemmten. Aber eigentlich, dachte Frieda, eigentlich sieht das sehr schön aus. Immer noch leicht irritiert aber auch stolz ob des schönen Schmucks schlief sie, nachdem wieder Ruhe eingekehrt war, zufrieden ein und holte den Schlaf nach, nach welchem sie sich in der Nacht so gesehnt hatte.

Als sie aufwachte war es dunkel und die Menschen standen in schönen Kleidern um sie herum. Zu ihren Füssen lagen viele bunte Geschenke und sie dachte an die vielen Jahre zurück, in welchen immer nur Dünger zu ihren Füssen gelegen hatte. Oder ab und an auch eine kleines Waldtier, welches eine Pause einlegte. Die Kerzen auf ihren Ästen wurden angezündet und ihr wurde ganz warm. Wie schön, dachte sie und fühlte sich einfach nur wohl. Plötzlich drangen seltsame Laute durch den Raum. Die Menschen sangen. So, wie der Mensch in der Baumschule, der ihr jeweils den Dünger zu Füssen legte. Aber irgendwie klang dieses Singen anders. Die Töne waren nicht so schön aber sie bekam trotzdem Gänsehaut, weil die Stimmung so schön war. Ab und an tropfte etwas Wachs auf ihre Äste und sie erschrack jeweils kurz, fand es dann aber gar nicht schlimm, weil sonst alles so schön war. Das ist der schönste Abend in meinem Leben, dachte Frieda zufrieden. Später, als alle Kerzen wieder ausgelöscht waren und sie wieder alleine im dunklen Raum stand, dachte Frieda über das Erlebte nach. Vielleicht, dachte sie, ist das der Sinn meines Lebens. War es das, nachdem sie so lange Jahre gesucht hatte? Die Sehnsucht, die sie gespürt hatte und sich nicht erklären konnte? Frieda fühlte sich von einer inneren Last befreit, ruhig und glücklich.

Die Tage vergingen und der schöne Abend wiederholte sich noch einmal, dieses Mal waren noch viel mehr Menschen im Raum und es wurde länger gesungen. Frieda genoss jede Minute und spürte aber auch, wie sie immer müder wurde. Sie hatte nicht mehr die Kraft, das Wasser aus dem Ständer am Boden bis in die obersten Äste zu pumpen. Tag für Tag schwanden ihre Kräfte und die Äste trockneten langsam aus. Aber sie hatte keine Angst. Denn sie hatte das Glück gefunden. Und wenn ich jetzt gehen muss, dachte Frieda, wenn der Sinn meines Lebens in diesen wenigen wunderschönen Tagen gelegen hat, dann ist das für mich in Ordnung. Und dann schloss sie zufrieden die Augen und schlief ein.

Sie bekam nicht mehr mit, wie die Menschen all den schönen Schmuck von ihren Ästen entfernten und sorgsam in die Kisten zurück legten. Sie bekam auch nicht mehr mit, wie sie nach draussen getragen und neben den Abfall gelegt wurde. Sie schwebte in anderen Sphären und war zufrieden. Da war Licht und Wärme. Und sie traf alle anderen Tannenbäume aus ihrer Baumschule wieder. Sie war glücklich.

Die Frage also, ob ein Weihnachtsbaum-Dasein traurig ist, kann zumindest in diesem Fall getrost mit Nein beantwortet werden. Früher dachte ich, wie sinnlos es doch ist, jahrelang einen Baum wachsen zu lassen, ihn dann brutal zu fällen um ihn für wenige Tage aufzustellen und dann als belanglosen Abfall wieder zu entsorgen. In vielen Jahren gewachsen, in wenigen Tagen zerstört. Aber Frieda hat uns das Gegenteil bewiesen. Frieda war ein glücklicher Weihnachtsbaum. Danke. Ja wirklich, danke Frieda…

Neujahrs-Telefonat

Ring-ring. Ring-ring. Ring-ring.

Frau W.: Hallo?

Am anderen Ende: Ja, hallo, ich bins.

Halli Hallo.

Hey, alles Gute für das neue Jahr!

Ach so ja, neues Jahr… Danke, dir auch.

Habt ihr schön gefeiert?

Meinst du Silvester?

Logisch, was sonst. Da feiert man doch!

Ach so, feiert man da…?

Ja klar, wir waren auf ner super Party, war echt viel los. Und ihr?

Wir waren in den Bergen, schön ruhig und gemütlich.

Und, viele SMS erhalten?

Ja.

Und, viele SMS geschrieben?

Keins.

Witzbold. Und, seid ihr gut gerutscht?

Ich denke schon, war um halb 12 im Bett.

Nicht wahr, oder?

Doch. Es ist doch eigentlich ein Tag wie jeder andere. Und ich war müde.

Haha, fast hätte ich es dir geglaubt, du Scherzkeks.

Tja, ist aber wirklich so.

Du bist komisch.

Ja. Möglicherweise.

Naja… Und, Vorsätze gefasst?

Für was?

Fürs neue Jahr, du Hirni!

Ach so. Nö.

Wie, nö?

Nö, keine Vorsätze.

Glaub ich nicht. Jeder fasst neue Vorsätze.

Ich bin nicht Jeder. Und warum Vorsätze fassen?

Naja, ein neues Jahr. Da fasst man doch Vorsätze.

Ach so, fasst man die…?

Ja klar, zum Beispiel mit dem Rauchen aufzuhören.

Ich rauche nicht.

Na, du nicht. Aber andere.

Was interessieren mich in diesem Fall Andere?

Du wieder…  Ich zum Beispiel werde zweimal wöchentlich ins Fitnesscenter gehen.

Ach ja?

Ja.

Du meinst das gleiche Fitnesscenter, in welches du schon Anfang des letztes Jahr gehen wolltest?

Genau. Und dieses Jahr tue ich es auch.

Na dann viel Spass.

Danke. Es wird hart, aber ich ziehs durch. Habe ich mir vorgenommen.

An Silvester.

Genau.

Schön.

Ja, es fühlt sich gut an.

Prima.

Und du, wirklich keine Vorsätze?

Nö.

Komisch. In meinem Umfeld haben alle Vorsätze.

Schön.

Naja, es gehört halt dazu.

So so.

Finde ich zumindest.

Prima.

Naja. Hm. Und sonst, keine Neuigkeiten?

Nööö. Ich geniesse die Ferien. Alles Super. Bei dir auch?

Ja. Weisst du….

Ist ja super.

Ja. Hm, also, dann bis bald.

Klar, bis die Tage. Freue mich.

Ich auch. Tschüss.

Tschühüss.

Anfangen

Es war einmal… der Buchanfang. Der Anfang einer Geschichte. Der magische erste Satz. Die magischen ersten Worte. Der Anfang, welcher mitunter entscheidet, ob man das Buch liest oder wieder weglegt. Es gibt gute und schlechte Anfänge. Aber wer entscheidet schlussendlich darüber, was gut oder schlecht ist? Eben! Jeder einzelne Leser selber. Und der Moment, die Situation, die Umstände. Des einen Lieblingsanfang ist des anderen Grauen. Mein heutiger Lieblingsanfang purzelt morgen vielleicht schon wieder aus meinen top ten. So ist es. Und das ist gut so.

Ich finde anfangen einfach. Einfacher als weiterschreiben, wobei weiterschreiben fast so toll ist, wie anzufangen. Zumindest ist beides einfacher als abzuschliessen. Wobei abzuschliessen manchmal auch einfach ist. Egal. Anfänge einfach anfangen ist super. Da schiessen mir Ideen und Bilder und Geschichten in Sekundenschnelle durch den Kopf. Und weil ich Anfänge so liebe, fange ich einfach einmal mit ein paar Anfängen an. Vielleicht schreibe ich dann ja auch einmal den einen oder anderen weiter.

  • Plötzlich schoss ein Auto aus der Dunkelheit und Maggie erstarrte. Der Regen prasselte auf ihren Schirm und sie klammerte ihre Hand noch fester um den Griff. War der Moment nun tatsächlich gekommen? Sie hatten sie gewarnt.
  • Das Haus sah gross und stattlich aus. Ein typisches Vorstadthaus mit grosser Veranda und einem gepflegten Garten. Hier soll ich aufgewachsen sein? Ich erinnere mich einfach nicht, seufzte sie leise und schüttelte leicht den Kopf. Dann hob sie die Hand und drückte die Klingel.
  • Der rote Blumenstrauss war riesig und sah teuer aus – dabei hasste sie rote Blumen. Sie nahm den frischen Strauss und steckte ihn kopfüber in den Abfalleimer. Die Karte warf sie ungelesen dazu. Wenn die Blumen von ihm waren, wollte sie die Karte gar nicht lesen. Was aber, wenn nicht? Sie zögerte, nahm die Karte wieder aus dem Abfall, drehte sie langsam um und las den Text. Ihr blieb die Luft weg.
  • Fred sass da und wartete, er wartete schon seit Stunden. Er konnte gut warten. Ihm wurde nie langweillig. Wenn er wartete geschahen manchmal seltsame Dinge. Dinge, von denen er niemandem erzählte. Aber genau jetzt, jetzt geschah es wieder. Über Freds Gesicht huschte ein Lächeln.
  • Noch bevor sie ganz in den Raum getreten war, prallte die Duftwelle mit voller Wucht auf die wartenden Menschen. Dieses Parfum war grässlich, so grässlich wie sie selber. Der Fluchtreiz war gross. Aber Johan war fest entschlossen, dieses Mal durchzuhalten.
  • Ach, was für ein tolles Sofa, sagte Manuel. Irma dachte sich, dass dies eine reichlich unpassende Bemerkung war – aber was sollte er denn auch sagen, die Situation war ja alles andere als alltäglich. Auch sie hatte so etwas noch nie erlebt.

Ach, ich könnte ewig weiteranfangen. Versucht’s doch auch mal… macht echt Spass! Oder schickt mir einen Anfang und ich mache eine Story daraus. Oder drei Wörter für einen Anfang. Oder auch nur zwei. Oder eins…

0800 87 07 07

Jeder Rappen zählt. Und zählt. Und zählt.

Die Rappen purzelten eine Woche lang. Es klimperte. Und wie!
Die Schweiz solidarisierte sich. Es berührte. Und wie!
Rappen um Rappen wurde gespendet. Es rockte! Und wie!

Die Schweizer standen Stunden an. Bewundernswert. Und wie!
Unsere Moderatoren starteten durch. Beeindruckend. Und wie!
Auch die Crew gab Vollgas. Verdankenswert. Und wie!

Nun ist es zu Ende. Schade. Und wie!
Aber die gute Sache geht weiter. Glücklicherweise. Und wie!
Schön, dass so etwas möglich ist. Befriedigend. Und wie!

Jeder Rappen zählte. Und zählte. Und zählte.

7 Millionen Franken! www.jrz.ch

Vier-Stufen-Geburtstagsplan

Ich bin alt. Jetzt bin ich fast richtig alt. Wirklich fast richtig alt. Beziehungsweise ein Jahr vor richtig alt. Sprich: Die letzte 3 ist angebrochen. Mist aber auch. Neun-und-dreissig. Mann-o-mann. Brrrr….

Mein ganz persönlicher Vier-Stufen-Geburtstagsplan:

Phase 1: Früh aufstehen, Qi-Gong-Übungen durchführen, Müesli essen, Kaffee trinken. Ich notiere: Die Übungen flutschen, keine zusätzlichen Altersbeschwerden zu verzeichnen.

Phase 2: Intensiv-speditiver Arbeitstag von Zuhause aus. Richtig früh Feierabend machen (17.30). Ich notiere: Um 17.30 Abends ist ja richtig was los auf der Strasse, da tobt der Bär. Wow. Sollte ich öfters mal machen.

Phase 3: Shopping. Schliesslich schreiben wir heute Geburtstag. Erste Station: Navyboot (ohne Beute). Zweite Station: Orell Füssli (mit Beute). Dritte Station: Jelmoli (mit Beute). Vierte Station: Globus (mit Beute). Ich notiere: Zufriedener Zustand nach erfolgreichem Beutegang. Man gönnt sich ja sonst nichts. Happy Birthday.

Phase 4: Lukullische Beute schön anrichten, Genuss-Position einnehmen, geniessen. Ich notiere: Es tut gut, sich gut zu tun und hey, es ist gar nicht so schlimm, die letzte 3. Echt…

Schnee

Eine Flocke. Noch eine Flocke. Nee, nä? Kurz danach Flockengetümmel. Flockenfülle. Flockensturm. Flockenrummel. Flokenamok. Flocken überall.

Schnee! Schneee! Schnee!

Toll. Aber Schnee gehört in die Berge und nicht in die Stadt. Nicht in meine Stadt, zumindest.

a) Habe ich heute morgen nicht erahnen mögen, dass ich mit meinen tippeligen Collegeschuhen am Abend durch Schneematsch waten muss und sowas von nasse Füsse kriege

b) Habe ich heute morgen nicht erahnen mögen, dass mein Übergangsmäntelchen im Schneesturm jämmerlich versagen und mich missmutigst frieren lassen wird

c) Habe ich heute morgen nicht erahnen mögen, dass die Städter in Panik versetzt öV und Strassen gleichermassen verstopfen und mein Nerv-Pegel in die rote Zone pilgert

Toll. Echt toll. Ich liebe Schnee (den echten, nicht den Pudernasen-Schnee – versteht sich).

Aber bitte, bitte lieber Schnee. Fall dort wo du hingehörtst und versuch dich nicht im urbanen Fallenlassen – Klaro?

Bärendienst

Blut fliest im Bärengraben. Polanski  fristet in der Kiste. Minarette bleiben im Ausland.
Da leisten wir Schweizer uns ja wieder mal einen filmreifen Bärendienst am anderen…

Fondue-Tram

Am Samstag haben wir uns den Traum erfüllt, endlich einmal im Fondue-Tram durch Zürich zu fahren.

Dazu haben wir zwei waschechte Touristen aus Berlin eingeflogen, mit welchen wir uns getarnt haben.

Zur Einstimmung haben wir uns mit weissem Martini mit (wichtig) drei Eiswürfeln und Radieschen in Stimmung gebracht. Das muss man jetzt nicht verstehen.

Aber bald darauf war es soweit. Da stand es endlich. Ein Tra(u)m in Weiss. Unser Fondue-Tram. Unser Zuhause für zwei Stunden. Begeisterung! Begeisterung!

Wir ruckelten den Hang hinauf, den Hang hinunter, im Kreis herum, die Strassen rauf, die Strassen runter. Quer durch die Stadt und wieder zurück. Wir rührten so wild mit unseren Brotstücken im Fondue, dass die Scheiben beschlugen. Wir winkten den Autofahrern und Passanten zu und die winkten zurück und dachten sich: So nette Touristen aber auch. Die Trefferquote bei unserem Tisch lag bei zwei von vier möglichen Punkten. Bravo.

Vollgefressen, durchgeschüttelt aber nicht minder glücklich spuckte uns das Fondue-Tram nach zwei Stunden wieder aus. Und wisst ihr was? Wir würden es wieder tun. Jeder sollte das mal tun. Wir sind gerührt und geschüttelt!

Lust bekommen? Here you go: http://www.vbz.ch/vbz_opencms/opencms/vbz/deutsch/Angebote/Extrafahrten/FondueTram/index.html

PS. In der Schweiz sagt man das Tram, nicht die Tram – dies einfach noch so nebenbei…