3-zehn

Dreizehn. 13. Drei-10. 3-Zehn. Drei-Zehn.

Ist die 13 nun eine Glücks- oder eine Unglückszahl? Beides. Beziehungsweise je nach dem, was man glaubt. Bei uns wird die 13 mit abergläubischen Geschichten gruselig geredet. In Japan ist die 13 eine Glückszahl – gleich wie in der jüdischen Tradition. Echt war. Und total praktisch. Ich find die 13 super. Denn je nach dem, wie man gerade drauf ist, kann man es sich zurechtbüscheln. Man kann sie als Glücksbringer sehen (und z.B. 13 Sushis bestellen….) oder man kann sich im Aberglauben wälzen und durchdrehen, wenn man in einem Hotel Zimmer Nr. 13 erhält. Es gibt Hotels, die führen Zimmer Nr. 13 übrigens gar nicht. Und es gibt Airlines, die haben keine 13 Reihe. Genau so, wie ein paar Kinos oder Theater.

Apropos Flugzeug: Wir schreiben Freitag, den 13. Beim 113 Einsatzes des Flugzeugs mit der Seriennummer 13.1313 bekommt Flug Nr. 1313 ein unerwartetes Problem. Der Copilot meldet den Notfall um 13.13 Uhr. Der Pilot, mit 13 Jahren Flugerfahrung, bleibt cool. Die Cabin-Crew verhält sich routiniert und beruhigt die 113 Passagiere. Der 13-jährige Königspudel des Maitre de Cabine juckt zu Hause aufgeregt aus dem Schlaf hoch. 13 Minuten später zuckelt das Flugzeug Richtung Landebahn 13. Diese wurde vor 13 Jahren neu gebaut.  Rund 13 Rettungsfahrzeuge stehen bereit, Sanität, Feuerwehr, Polizei. 13 km südlich des Flughafens bereitet man sich in der Notfallklinik auf eine mögliche Katastrophe vor. 13 zusätzliche Ärtze wurden aufgeboten. Der Flughafendirektor schaut nervös auf seine Uhr, eine IWC für 13′113 Franken, man gönnt sich ja sonst nichts. 13 Leute befinden sich im Tower und blicken nervös zum Flugzeug, welches sich schwankend der Landebahn nähert. Die Maschine setzt auf, schlingert durch den Schaumteppich und kommt 13 Sekunden später zum Stillstand. Der Sicherheitschef murmelt 13 mal „meine Güte“ und scheucht seine Leute auf ihre Positionen. 13 Minuten später steht fest: Alle Passagiere aus Reihe 13 sind tot, der Rest hat überlebt.

Die Frage ist jetzt nur: Hat die 13 nun Glück oder Unglück gebracht? Dies ist wohl – einmal mehr – eine Frage der Betrachtung…

 

Häsch mer en Stutz

Immer wieder sprechen sie mich an. Immer wieder sage ich nein. Wende mich ab. Renne innerlich davon. Möchte das nicht sehen. Die unschönen Seiten des Daseins. In Zürich. Und überall auf der Welt.

Diese Situationen beelenden mich. Sie verunsichern mich. Verlebte Menschen mit bedauernswert leerem Blick, halb auf Entzug, Kraft- und Hemmungslos, betteln nach ein paar Münzen. „Häsch mer en Stutz“ ist schon lange Vergangenheit. Heute wird gefragt „Häsch mer echli Münz“ – da springt vielleicht ja mehr als nur „en Stutz“ heraus. Allerdings finden in letzter Zeit auch konkrete Zahlen den Weg ins System: „Häsch mer zwei Stutz“. Oder gar konkrete Zahlen in Verbindung mit konkreten Anliegen: „Häsch mer föif Stutz für de Zug“. Und immer öfter wird wieder gesiezt „Händ Si mir echli Münz“ tönt halt allemal besser, als ein schludriges „Häsch mer…“.

Nun, heute war es wieder einmal soweit. Ich stand an meiner Heim-Tramhaltestelle und wartete. Da sich in diesem Teil der Stadt Menschen in allen möglichen nicht anstrebenswerten Lebenssituationen tummeln, geht es in der Regel nicht lange, bis man in Kontakt kommt. Ich beobachtete, wie der Mann sich von wartendem Mensch zu wartendem Mensch durchfragte. Gebückt. Schlurfend. Illusionslos. Er schien nicht viel zu erwarten, denn er lief eigentlich schon beim Fragen weiter.

Ich überlegte mir, dass ich es dieses Mal nicht bei einem knappen „Nein“ belassen würde. Ich nahm mir vor, ihn zu fragen, für was er das Geld braucht. Blöde Frage, ich weiss – aber ich war neugierig auf die Antwort. Ich bin ein Laie auf diesem Gebiet. Und ich überlegte mir, dass ich ihm – wenn er die Frage erwartungsgemäss mit „Essen kaufen „beantwortet – anbieten würde, ihm ein Sandwich zu kaufen. Nicht als Demonstration meiner Überlegenheit – nein, vielmehr als Beitrag, dass sich dieser Mensch vielleicht ein paar Minuten besser fühlt. Und ich mich auch, weil ich weiss, dass er das Geld nicht direkt in Drogen umsetzt. Obwohl das an sich ja auch wieder naiv ist – denn so fliesst halt der nächste und übernächste Stutz in die Drogen.

Fact ist, dass es diesen Menschen wirklich nicht gut geht. Warum auch immer sie dort gelandet sind, wo sie sind – Fun ist es sicherlich nicht. Es ist nicht toll, Leute um Geld anzubetteln. Es ist nicht toll, in alten, verrissenen Kleidern herumzulaufen. Es ist nicht toll, nur an den nächsten Schuss (oder Schluck, oder wasauchimmer man sich in dieser Richtung noch antun kann) zu denken. Es ist nicht toll, sich in einem Hauseingang ein Schuss zu setzen (wohlgemerkt hält auch mein Hauseingang manchmal dafür hin). Nein, es ist nicht toll – das steht für mich fest. Und diese Menschen unterscheiden sich für mich klar von den gut organisierten Bettel-Banden – welche man wiederum gut an ihrem eigenen Stil erkennt. Und sie unterscheiden sich auch von den Menschen, die bewusst dieses Leben gewählt haben (z.B. aus Rebellion gegen die Gesellschaft, welche man dann aber wieder anbettelt) – die gibt es auch und auch die erkennt man.

Also gut. Da stand er nun. Blickte mich fahrig an und murmelte etwas von Geld. Ich verstand es nicht genau. Ich fragte in Erwartung der für mich eh klaren Antwort „Für was brauchen Sie das Geld denn?“. Er schaute mich erstaunt an und sagte ohne zu zögern „Ich möchte am Bahnhof duschen gehen“. Oh. Ich war perplex. Duschen. Das war ja eine ganz andere Antwort als ich erwartet hatte. Am liebsten hätte ich gesagt „Nein, Sie müssen nach Essen fragen, damit ich ihnen etwas zu Essen kaufen kann und mich danach gut fühle“. Aber ich sagte lediglich „Ok, das ist…äh, gut“ und drückte ihm eine Münze in die Hand. Zwei Franken. Das ist vermutlich viel. Er schaute mich wieder an, erstaunt, dass jemand nachgefragt hat und vielleicht auch erstaunt, dass nicht nur ein abweisendes „Nein“ gekommen war.

Ja, so ist das. Ich weiss nicht, was er mit den zwei Franken macht. Ob er etwas macht, dass in mein „OK“-Raster passt (Duschen gehen, Essen kaufen, Hundefutter besorgen….) oder nicht. Aber eigentlich spielt es auch keine Rolle.

Popstars

Arme Jungs. Arme Mädels. Arme Sternchen. Arme Pop-Sternchen. Genauer gesagt, angehende Pop-Sternchen. Eigentlich auch nur möglicherweise angehende Pop-Sternchen.

Es flimmert wieder. Über die Bildschirme der erprobten Zuschauerschaft. Da ist Hoffnung der Nachbar der Enttäuschung. Da ist Zuversicht die Schwester der Angst. Da ist viel ich und wenig wir. Und da ist Glitzer und Glamour. Eigentlich glitzert es mehr als es glamourt. Und primär glitzert es in den Augen der Protagonisten. Träume werden geschaffen und achselzuckend wieder vernichtet. Karrieren werden angestossen und kurz darauf gut in Szene gesetzt über den Bühnenrand gekippt. Freundschaften werden gefördert um fast chancenlos auf die Probe gestellt zu werden. Sensibler Selbstwert wird aufgebaut um dann mit bedauerndem Blick ausgeweidet und auf dem Silbertablett serviert für die Quoten geopfert zu werden.

Ich bin gerührt und geschüttelt.

Das Rezept ist einfach. Man nehme ein liebes, nettes Musterkind, welches früher auf der Hauptschule beim Kanon-Singen Bestnoten bekam und Mutti immer schön im Haushalt geholfen hat. Dazu ein Ghetto-Girl mit Strafregistertendenz und fiesem Blick, der vom üblen Leben am Rande der Gesellschaft erzählt. Weiter ein vaterlos aufgewachsenes Geschöpf voller Wut und Orientierungslosigkeit und mit einem Drang zum schlichten. Gesetzt ist auch der Tattoo-übersähte Moppel in Rockerkluft mit in zwanzig Tagen gewachsenem 3-Tage-Bart und mit dem geheimen Wunsch nach einem Einfamilienreihenhaus. Nicht fehlen darf das urbane, aufgedrehte Magermodel mit Flair zum Trend und obligater Pudernase. Migrationshintergrund liefert der feurige Charakter mit krausem Wuschelhaar, anstossender Zunge und einnehmendem Hüftschwung. Und ein kleines, scheues Rehlein mit Klimperblick, Heimweh und Umstylingbedarf.

Eine wichtige Zutat ist die natürlich auch die Jury. Eine Portion sympathisches Urgestein mit hochentwickeltem Gerechtigkeitssinn, überentwickelten Tränendrüsen und dem one and only Hüftschwung überhaupt. Dann meistens ein zu klein geratener, erfolgreicher Musikbranchen-Mann und mit trotz lautem Bellen für sich gepachteter Unscheinbarkeit. Und dann noch eine Frau, sexy, durchgedreht oder mit Akzent – Hauptsache Frau.

Alles gut mischen. Im richtigen Moment das Wichtige ins richtige Licht rücken, damit sich alle gut fühlen (das war Hammer, echt Hammer – weiter so, so muss ein Star sein). Und dann im schlechtesten Moment alle Fehler ins richtige Licht setzen (das war jetzt aber echt Scheisse – warum bist du hier, was soll das) und der Welt die Wunden zeigen.

Dazu noch ein paar sexy Klamotten. Flotte Musik. Unkontrollierte Aussagen. Gut gemeinte Gemeinheiten. Schöne Bilder. Scheinwerfer. Euphorie. Verzweiflung. Menschliche Menschen. Unmenschliche Zustände.

Das Ganze ein paar Monate flimmern lassen. Die jungen Menschen konstant überfordern. Dann die Guten ins Kröpfchen, die Schlechten ins Töpfchen. Und gut ist.

We love to entertain you. Ich bin geschüttelt- aber nicht gerührt…

Robbie Williams

Er ist wieder da! Na und – sagen die Männer. Und wir Frauen – wir schmelzen wie Eis. Wir zergehen wie eine cremige Praline auf der Zunge. Wir sabbern und geifern. Wir tänzeln wie läufige Katzen…

Im Ernst. Der Kerl ist der Hammer. War er schon vor zehn Jahren. Wird er auch in zehn Jahren noch sein. Ja, ist so. Würde eine von uns cool bleiben, wenn er vor ihr stehen und seine Schnute ziehen, einmal mit den Hüften kreisen und „Hi Babe“ sagen würde? Reinziehen, meine Damen, reinziehen würden wir ihn – gebt’s zu. We would love to entertain him, Ladies!

Aber ich natürlich, als glücklich verliebte Oma jenseits eines möglichen Robbie-Beuteschemas, gehe da ausser Konkurrenz. Robbie Williams, der nette Kerl, würde mir in der Strassenbahn Platz machen, mir über die Strasse helfen oder mir die Ginko-Tabletten aus der Packung schälen. Vielleicht würde er mir auch eine seiner vielen bunten Pillen geben und ich würde auf dem Tisch tanzen wie in meinen besten Zeiten. Aber das würde er wohl nicht wirklich wollen. Ich auch nicht. Und ihr erst recht nicht.

Hey, was zählt ist: Er ist wieder da. Schlicht und einfach wieder da. Rank, schlank, gesund und verliebt. Gut so. Er darf verliebt sein, er darf sie sogar heiraten, schwängern und für alle Zeiten glücklich mit ihr sein – es interessiert uns nicht, weil wir keine Beziehung mit ihm wollen. Wir wollen lediglich schwärmen, gucken und träumen. Während unsere Männer für den Hollywood-Dinosaurier Catherine Zeta Jones oder das langbeinige Froschmaul Cameron Diaz schwärmen oder auch mit Angelina ein Bisschen Jolie machen wollen, möchten wir nur etwas schwärmen, gucken und träumen. Nichts weiter. Ohne weitere Ambitionen. So einfach gestrickt können auch wir Frauen sein…

Ach, danke Robbie, dass du es Jacko nicht gleichgetan hast bis zum bitteren Ende. Du hast die Bremse gezogen, als es schon fast zu spät war, bist am Abgrund umgekehrt, hast die Kurve noch gekriegt, bist gegen die Wand geklatscht und wieder aufgestanden, bist da durch und hast deinen knackigen Hintern wieder durchtrainiert. Für dich. Und für uns.

Danke Robbie und welcome back!

Mobility

Mein Umstieg von Auto zu öV/Mobility ist schon eine Ecke her und trotzdem habe ich Mobility erst zum zweiten Mal beansprucht. Nicht, weil ich es nicht gut finde – im Gegenteil. Aber es war bisher schlicht und einfach nicht nötig. Velo und öV (und ok, ab und an auch der Superflitzer von Herrn M.) reichen meistens vollkommen aus. Und daher erst jetzt meine zweite Berührung – und schon mache ich Mobility ein Geschenk. Eine edle Spende. Naja, nennt es ruhig einen Anfängerfehler…

Doch zurück. Ganz am Anfang stand die Buchung. Nach meiner ersten, etwas lahmen Erfahrung (sorry, aber das war eine Gurke, eine wirkliche „bei-Vollgas-bergauf-geht-grad-mal-60-Gurke“ einer unteren Kategorie) buchte ich die dritte Kategorie. Von unten, versteht sich. Ich übe mich ja in Bescheidenheit – finde ich zumindest…

Nun gut. Der Zustand des Autos brachte mich zum Schluss, dass nicht alle BenutzerInnen die gleiche Achtung vor fremdem Eigentum haben wie ich. Was mich allerdings nicht dazu bringen wird, künftig auf Mobility zu verzichten – im Gegenteil. Nun gut, nachdem ich alle Brösmeli vom Sitz gewischt, die Frontscheibe geputzt und vergeblich die Kofferraumabdeckung gesucht hatte konnte die Fahrt losgehen. Alles Prima. Mazda und ich freundeten uns rasch an, ein gutes Team. Fahren, fahren, fahren. Berge rauf, Berge runter, Geradeaus. Super.

Pieeeeps. Pieeeeeeeps. Erschrockener Blick auf das Bordcomputer-Display (dort steht alles, was wichtig ist – echt gut). „Bitte tanken“ stand da. Blick auf die Tankanzeige. Mhhhh, naja, so dramatisch sah das aber nicht aus. Aber gut, mein Bordcomputer hatte wohl seine Gründe. Und seine Erfahrungen. He’s the one.

„Falls keine Shell-Tankstelle in der Nähe ist, bitte Quittung einsenden“. So ähnlich lauteten die Anweisungen in den Unterlagen im Handschuhfach. Ja, Manno. Shell ist weit und breit nicht zu sehen. Also gut, Quittung geht ja auch. Warum die Tanköffnung bei allen fremden Autos immer auf der falschen Seite ist, ist wohl ein weit verbreitetes Phänomen. Nach dem zweiten Anlauf stand das Auto dann richtig. Bravo.

Kurzer Kampf mit dem Tankautomaten (ja, es war eine unbediente Tankstelle irgendwo in den Bergen), dann konnte das Tanken losgehen. Grosses Mädchen! Bloss, warum kommt da keine Quittung raus? Hey, ich brauche eine Quittung. Drück, drück, drück. Drüüüüüück – der Knopf schien gänzlich unbeeindruckt, der Automat spuckte keine Quittung aus. Na Bravo. Ich war kurz davor, mit den Füssen aufzustampfen.

Nachdem ich in meiner Jugend (fast) alle ???-Bücher gelesen und (fast) sämtliche McGyver-Sendungen gesehen hatte, wusste ich mir zu helfen. Handy zücken, Foto der Tanksäulenanzeige. Foto prüfen? Nö, die Sonne blendete zu sehr, da war nichts zu sehen. Dafür sah ich es dann später. Beziehungsweise sah es eben nicht. Nicht richtig zumindest. Echt schlechtes Foto. Vermutlich könnte man es bearbeiten, aufhellen oder so. Aber auch dann wäre nicht gewährleistet, dass ich ohne Quittung aber mit schlechtem Foto eine Rückerstattung bekomme.

Also, umdenken. Lösungsorientiert nennt man sowas in der modernen Welt. Gut – ich hab’s. Ich spende die rund 30 Franken an Mobility. Als Geschenk. Für die gute Sache. Oder als Teilspende für die Beschaffung einer neuen Kofferraumabdeckkung für meinen neuen Freund, den quietschroten Mazda 3…

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Frühere Artikel zum Thema:

http://berichtauszuerich.wordpress.com/2009/03/29/vom-auto-zum-ov/

http://berichtauszuerich.wordpress.com/2009/05/05/frau-w-goes-via/

http://berichtauszuerich.wordpress.com/2009/05/28/mein-erstes-mal/

Nichts ist unmöglich

Ob Bergbahnen, Wolkenkratzer, Flugzeuge oder Hängebrücken – die Höhe ist nicht Meins. Ich habe lieber festen Boden unter den Füssen.

Boden – da weiss man, was man hat. Ich fühl mich wohl, mit Boden. Boden, find ich gut. Boden ist geil! Boden macht Kinder froh und Erwachsene ebenso. Die zarteste Versuchung, seit es Boden gibt. Bitte ein Boden. Merci, dass es dich gibt….

Der Boden. Die Höhe. Diese verflixte Höhe. Sie ist immer wieder (m)ein Thema. Versucht mich dranzukriegen und mich kleinzukriegen. Aber weit gefehlt, denn ich bin nicht bereit, die Einschränkungen durch die Höhenangst hinzunehmen – geschweige denn mich von der Höhenangst besiegen zu lassen. Ich fliege, ich schwebe, ich begebe mich in luftige Höhen. Trotz zugegebenermassen teils fürchterlicher Momente. Ätsch!

So trug es sich zu, dass ich mich aufmachte, meiner Höhenangst ein weiteres Mal zu begegnen. Eine wunderschöne Walking-Route führt – so muss es wohl sein – über eine Hängebrücke. Oft hat sie mich besiegt (siehe http://www.frau-w.ch/Frau_W/Texte.html) und nun war die Reihe an mir.

Mehrere Anläufe mit kleinen, mit grossen, mit zaghaften und mit mutigen Schritten waren nötig. Dreimal sprang ich zurück auf den sicheren Boden. Dann fing ich an, laut zu erklären, dass ich jetzt über diese Brücke laufen werde. Dass ich nicht umkehren werde. Dass ich loslaufen und nicht anhalten werde. Mein Selbstgespräch dürfte den Waldbewohnern zu amüsanten Minuten verholfen haben. Egal. Kniffs und Tricks sind erlaubt. Irgendwann lief ich einfach los. Die panisch heranpeitschenden Gefühle kannte ich bereits, sie blieben auch dieses Mal nicht aus und versuchten mich zu lähmen. Den Blick starr auf die gegenüberliegende Seite gerichtet bewegte ich mich dennoch Schritt für Schritt vorwärts. Es wackelte, es quietschte, es fühlte sich alles andere als sicher an. Doch als die Hälfte geschafft war bekam ich Flügel. Ich schwebte über die wakeligen Holzplanken und dann stand ich schon auf dem sicheren Waldboden. Ja! Ja-ja-ja!

Ich hab’s geschafft. Und mir einmal mehr bewiesen: Nichts ist unmöglich…

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Sesselbahn

Die Dinger bringen einem in der Regel hoch. Und machnmal auch wieder herunter. Mich bringen sie schlicht und einfach nur zur Verzweiflung.

So geschehen am letzten Wochenende. Herrliches Herbstwetter in den Bergen, strahlend blauer Himmel, warmglitzernde Sonnenstrahlen, wunderbare Sicht. Also rauf. Rauf auf einen Berg und Aussicht geniessen. Die schönen Bilder einsaugen. Kraft tanken. Aufgrund der leicht unter dem momentanen Arbeitspensum leidenden, mangelhaften Kondition muss zumindest das „rauf“ gefahren werden – soviel stand fest. Das „runter“ kann man dann ja laufen. Herr M. und ich waren uns einig. Guter Plan.

Guter Plan? Ha! Umgehend meldete sich das Angst-Zentrum. Hey, sagte es, du willst auf einen Berg? Wohl nicht etwa mit einer dieser schlimmen Bergbahnen? Du hast Höhenangst – du wirst ja wohl nicht… Wusch. Wusch. Wusch-Wusch. Ich schüttelte den Kopf wie ein nasser Hund und wuschte die Gedanken weg. Ich lasse mir durch meine Höhenangst keinen Strich durch die Rechnung machen. Basta. Ab gehts!

Zustand bei der Hinfahrt: Nicht nervös. Zustand beim Ticketkauf: Leicht nervös. Zustand beim durchschreiten des Kontroll-Drehkreuzes: Sehr nervös. Das Geräusch der eintreffenden und wieder losfahrenden Sessel wiederspiegelte meinen Zustand. Kschhhh-Rattata-Ghhhhrrrgggg-Rattataaaa-Flllhhhttttthhhh….. Ja, kommt gut hin.

Herr M. zögerte nicht lange und wies mir mit verständnisvollem Nachdruck einen Platz auf einem der langsam vor sich hinruckelnden Sesseln zu, den ich durch nervöses Hin- und Herspringen erst noch dreimal wechselte. Als ich dann sass zischte ich ihn an, er solle gefälligst umgehend dieses Metallgestänge herunterziehen. Geduldig aber auch mit einem etwas fiesen Grinsen tat er wie geheissen und ich konnte mich endlich an etwas festklammern. Und schon gings los. Rattataaa-Flllhhhtttthhhh… der Sessel schwebte innert Sekunden in luftiger Höhe und ich brabbelte nur noch panisch „Oh Gott, oh Gott“ und klammerte mich fest.

Schau, wie schön – und gar nicht hoch! Die Dinger sind ja auch sowas von sicher. Es ist gar nicht schlimm, siehst du… Herr M. tat wirklich alles, um es mir leichter zu machen. Sehr nett. Danke auch. Aber wir schwebten zu hoch in der Luft, um auf irgendetwas eingehen zu können. Darum winselte ich weiter vor mich hin und versuchte den lästigen Höhenschwindel in den Griff zu bekommen. Die kleinen Feldmäuse auf der Wiese unten reckten die Hälse zu uns hoch und sangen „Auf dem Boden da ist’s schön, auf dem Boden da ist’s sicher….“. Die Grashalme wippten fröhlich im Takt des Mäuseliedes und die Äste der Bäume streckten sich bedrohlich nach unserem wackeligen Gefährt – vermutlich um es aus der Bahn zu stossen. Meine Hände krallten sich gleichermassen in Mann und Sesselbahn.

Da, schau mal dieser schöne See… Herr M. drehte sich Richtung Tal und fuchtelte freudig mit den Armen -  und meinem Empfinden nach wackelte unser Sessel so, dass er zu drohen kippte. Ich nötigte ihn mit dramatisch herausgepressten, verbalen Ergüssen dazu, sich wieder ganz ruhig hin zu setzen und sich gefälligst nicht mehr zu bewegen. Der arme Kerl. Vermutlich lief er in Kürze blau an, weil er sich nicht einmal mehr zu atmen getraute. Das traf dann aber zum Glück nicht ein.

Irgendwann schloss ich dann doch die Augen, zu steil, zu hoch und zu schrecklich war es. Verkrampft presste ich Anordnungen heraus: Sag mir wie weit es bis zum nächsten Masten ist. Wann sind wir oben… undsoweiter. Geduldige Antworten mit präzisen Angaben folgten.

Endlich. Rattataaa-Flllhhhtttthhhh… wir waren oben. Endlich! Nie wieder! Nie, nie, nie wieder! Metallgestänge weg, zittriger Stand auf sicherem Boden. Halleluja! Mein neues Motto: Leben statt schweben!

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Spok und Jumbo

Plupp. Und nochmals Plupp. Oder Plopp. Und nochmals Plopp. Oder Kschhhhschhhh. Und nochmals Kschhhhschhhh. Gefolgt von Plopp. Oder Plupp. Oder Plipp-Plopp. Erst links, dann rechts.

Oh, pardon – ich spreche von meinen Ohren. Da herrscht ein kleines Druckausgleichsproblem. Kommt von der Erkältung. Aber das ist nicht das Thema. Das Thema ist das  visuelle Ungleichgewicht zwischen links und rechts. Das eine Ohr nenne ich „Spok“ und das andere „Jumbo“.

Ist echt so. Die Lauschmuschel rechts kam bei der Knorpelverteilung zu spät und flattert sein nunmehr knapp vierzig Jahren fröhlich vor sich hin. Links herrscht eher Normzustand. Oder ist es doch umgekehrt? Egal. Die beiden Dinger sehen nicht gleich aus. Und so liess sich kurz nach meiner Geburt eine Nachbarin zur Bemerkung: „Es ist ja ein Herziges, aber jesses, es hat ja schon ein bisschen ein eigenes Öhrchen, nicht wahr…“ hinreissen, worauf sie bei meiner Mutter unten durch war. Sowas von unten durch aber auch.

Später dann fiel mein Jumbo-Ohr hautpsächlich auf Fotos auf. In der Kunstwelt hiesse so etwas: „Weiss leuchende Muschel aus dunkler Haarpracht“. Ziemlich deutlich sichtbar wurde der Mangel dann beim Tragen eines Reithelmes. Ich versuchte immer die Ohrmuschel unter den Helmrand zu klemmen, worauf sie beim Trab – spätestens aber beim Galopp rausflutschte und sich mein visuelles Problem unübersehbar präsentierte.

So richtig lustig war es auch, als ich mir im frühen Jugendalter in den Skiferien bei widrigen Wetterverhältnissen Erfrierungen an den Ohren zuzog. Die angefrorenen Ohren standen im aufgetauten Zustand rot leuchtend ab. Ein Leichtes sich vorzustellen, dass das Jumbo-Ohr gewisse Aufmerksamkeit auf sich zog.

Erstaunlicherweise war das so gut sichtbare Problem nicht wirklich ein Problem für mich. Das lag wohl daran, dass mein Umfeld mir immer wieder versicherte: „Das sieht man üüüüüberhaupt nicht“. Oder: „Wenn du nichts gesagt hättest, wäre mir das nieeeeeee aufgefallen“. Tjaja, es ist schön, so geliebt zu werden…

Und so halten mich „Spok“ und „Jumbo“ noch heute nicht davon ab, mir einen Pferdeschwanz zu binden. Oder mir die Haare hinter die Ohren zu streichen. Ich kann auch mit unbewegter Mine aber doch amüsiert die unsicheren Blicke der neuen Frisörin beobachten. Und ich beziehe das freudige Tröten beim Elefantengehege im Zoo nicht auf mich…

PS. Und sollten Spoks Verwandte je mit ihrem Raumschiff auf der Erde landen, strecke ich ihnen mein linkes Ohr hin und gut ist…

Hotel-Haare

Es ist ja nur eine Nacht. Luxus muss nicht sein, Hauptsache sauber. Wir schlafen ja nur dort. Das entstresst enorm. Dann müssen wir nicht mehr fahren. Das waren meine Überlegungen bei der Hotel-Buchung.

Den Überlegungen lag eine Essens-Einladung bei Freunden am schönen Vierwaldstättersee zu Grunde. Vorgeschlagen wurde uns vom Gastgeber himself eine Auswahl von Übernachtungsmöglichkeiten.

Das Gästezimmer wollten wir nicht in Anspruch nehmen, da unser Gastgeber zur Zeit knochenmässig etwas gebrochen drauf ist. Da uns der Grad des Leidens nicht im Detail bekannt war (Gipsbein kann ja weit gefasst werden), wollten wir nicht noch zusätzlich Arbeit machen und entschieden uns zur externen Nächtigung.

Das eine vorgeschlagene, wundervolle, schöne, luxeriöse und in allen Landen bekannte Hotel war zwar auf den ersten Blick verlockend aber a) muss man ja nicht gleich soooo unvernünftig sein und schlussendlich ausschlaggebend für einen negativen Entscheid war b), dass wir uns bei dieser Hotelwahl nach dem geselligen Abend trotzdem noch ins Auto hätten setzen müssen.

Darum fiel die Wahl auf das einfache, nett tönende 3-Sterne Seehotel wenige hundert Meter vom Ort des Gastgeberwohnsitzes entfernt. Ideal. Auto beim Hotel lassen. Rüberlaufen. Zurücktorkeln. Schlafen. Perfekt.

Da die Website zur Zeit nicht in Betrieb ist (nein, das machte mich nicht skeptisch) rief ich an und fragte nach einem freien Zimmer. Ich erfuhr, dass noch ein normales und ein Superior-Zimmer verfügbar seien. Ich buchte das Superior-Zimmer (so ganz kann ich es ja nicht lassen…) und gab meine Koordinaten an. Sofort nach Bekanntgabe meiner Zürcher Adresse (so schien es mir zumindest…) wurde ich noch freundlich darauf hingewiesen, dass sie ein ländliches 3-Sterne-Haus seien und das Hotel nicht sehr luxeriös und auch schon ein bisschen alt wäre. Aber die Superior-Zimmer wären schön gross… Aha, ja gut – alles klar… Da war dann aber noch die Sache mit dem Einchecken….

Frau W.: Bis wann können wir anreisen?
Hotel: Also, einfach im Verlaufe des Tages.
Frau W.: Wir reisen erst am Abend an.
Hotel: Also einfach nicht in der Nacht, wir sind nur ein 3-Sterne Haus, da ist die Reception nicht lange besetzt.
Frau W.: OK – bis wann können wir denn einchecken?
Hotel: Also, tja, lieber nicht zu spät.
Frau W.: Was heisst das – bis wann ist es spätestens möglich?
Hotel: Also, tja, halt lieber früh.
Frau W.: Was heisst früh?
Hotel: Also, manchmal ist ja schon jemand länger da – aber nicht immer.
Frau W.: Aha – bis wann können wir denn bitte einchecken?
Hotel: Also, mh, bis 21h ist sicher jemand da.
Frau W.: OK, dann kommen wir vor unserer Einladung, so um 18 Uhr.
Hotel: Ahhh, das ist gut.

Nach diesem Telefonat ging es schon bald los. Das Hotel lag wie versprochen direkt am See und wir schnappten uns den letzten Hotel-Parkplatz. Direkt nach dem Hoteleingang empfingen uns neben viel Nippes viele dunkle Farben. Dunkle Holzmöbel, dunkle Holztreppe, dunkle Reception, dunkelroter Teppich. Hallo erst mal. Einchecken, Riesenschlüssel entgegennehmen, einen Stock die Treppe mit dem – natürlich dunklen – Teppich hoch. Das Hotel schien vollgestopft mit nützlichen und unnützlichen DIngen – eine ausgesteckte Schuhputzmaschine beeindruckte mich besonders, vielen Pflanzen und vor allem wenig Licht. Die Zeit war hier vor mindestens fünfzig Jahren stehengeblieben.

Warum auch immer eine hohe Schwelle am Eingang des Zimmers zu überwinden war – wir stolperten beide fluchend darüber. Das Zimmer war gross, richtig gross. Und antik, richtig antik. Ein dominanter Geruch nach Mottenkugeln besetzte den Raum. Hellblaufleckiger Teppichboden, alte dunkle und alte mitteldunkle Möbel, ein mittelalterlicher Fernseher und eine Sitzecke, in die man sich aber irgendwie nicht setzen möchte. Immerhin Fenster, drei an der Zahl. Mit direktem Blick auf den grossen Parkplatz. Aber auch auf den See. Hallo See. Und mit Blick  zum Haus unserer Gastgeber, wie wir später herausfanden.

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Ich liebe schöne Dinge und man könnte mich ab und an durchaus mit „Luxustussi“ bezeichnen – aber eine einfache Bleibe ist absolut kein Problem. Echt nicht. Wirklich. Hauptsache sauber. Noch rasch zur Toilette und dann mussten wir auch schon los… Gesagt getan, ab ins Badezimmer. Huch – da liegen ja ein paar Haare in der Ecke. Gleich neben dem gelblich, verblichenen Abfalleimer und rechts von der WC-Rollen-Halterung mit den alten Wasserflecken…. Aha. Hmmm. Nun gut, kann vorkommen…

Nach einem wunderschönen Abend mit gutem Essen und netter Gesellschaft stolperten wir bei der Rückkehr wieder über die Zimmer-Schwelle. Ausziehen, Badezimmer, Bett. So war der Plan. Ausziehen und Badezimmer-Besuch verlief wie vorgesehen. Ab zum Bett. Auf jeder Betthälfte befand sich ein grosses und ein kleines Kissen. Grosses Kissen weg, kleines Kissen hinlegen. Oh, da ist ein Haar. Nicht meine Farbe, nicht meine Länge. Hm. Kissen drehen. Noch ein Haar. Krise schieben. Mann’s Kissen bekommen. Ohne Haar. Bettdecke zurückschlagen und genau betrachten. Noch ein Haar. Geht gar nicht. Kurzes verbales ausflippen. Mann beruhigt, meint es können ja auch Haare des Zimmermädchens sein. Grauenvolle Berichte von unhygienischen Zuständen in Hotels ziehen an meinem inneren Auge vorbei. Im Wissen, dass die Reception nicht mehr besetzt ist und wir für eine Rückfahrt viel zu müde sind, kapituliere ich. Ausnahmsweise. Stell dir vor du bist auf einem Pfadi-Ausflug. Das ist lustig. Gut. Handtuch aufs Kopfkissen und rein ins Bett.

Nach einer unruhigen Nacht, die neben den Gedanken an die Hygiene auch noch geprägt war von betrunkenen Menschen, die sich im Halbstundentakt auf dem grossen Parkplatz direkt vor dem Hotelzimmer tummelten im Wechsel mit einem zufriedenen Schnarchen von der anderen Bettseite kam mein Zustand am nächsten Morgen dem Begriff „gerädert“ sehr nahe. Die Abreise erinnerte dann auch eher an eine träge Flucht. Bloss weg hier.

Einen schönen Abschluss fand der Besuch dann aber doch noch, denn unsere Gastgeber verwöhnten uns mit einem herrlichen Brunch mit Blick auf den See, auf ein Gipsbein, mit Original Swissair Businessclass Besteck – und vor allem mit netten Menschen…

PS. Mensch und Kleider wurden Zuhause einer gründlichen Reinigung unterzogen…

Umweltdingsbums

Ich trenne Papier und Karton. Ich bringe die Pet-Flaschen (wenn auch nicht immer flachgedrückt) in die Sammelstelle und entsorge das Glas mit männlich-knurrender Unterstützung sogar korrekt nach Farben. Ich sammle Batterien im Norm-Sammelsäckli und bringe sie zurück. Ich werfe den Abfall im Freien in den Abfalleimer und niemals auf den Boden. Ich vermeide wenn möglich den Kauf unnötiger Verpackungen. Ich lasse im Tram keine Zeitungen auf dem Sitz liegen. Ich kaufe mit Vorliebe heimische Bio-Produkte von glücklichen Bauern (glücklich weil Produkte teuer) und aus glücklichen Tieren und Pflanzen (weil eben glücklich bis zum bitteren Ende). Ich habe mein Auto verkauft und fahre primär öV und Velo. Wenns dann doch vier Räder sein müssen, miete ich ein Mobility-Auto. Ich wasche die Wäsche mit dem Eco-Sparprogramm. Hätte ich ein Haus, wäre es ein Minergie-Haus. Das ist es dann aber auch mit dem güldenen Umweltbewusstsein.

Denn ich heize sobald es kühl wird alle Räume meiner Wohnung bis ich warm genug habe (und das geht lange). Ich lasse das Licht auch in Räumen an, in denen ich mich nicht aufhalte – weil ich es einfach gerne mag, wenn Licht brennt. Ich trinke Nespresso-Kaffee. Ich lasse Akkaufladekabel und Elektrogeräte generell eingesteckt auch wenn ich sie nicht brauche. Grünabfall landet im Abfalleimer (ja sorry… ich wohne in der Stadt…). Duschen zieht sich je nach Gemütslage in die Länge. Ich lüfte auch mal durch, wenn die Heizungen an sind. Ich würde im Rahmen eines mentalen Schwächeanfalles sofort in ein (natürlich richtiges – also nicht jedes) Auto sitzen, wenn man es mir vor die Türe stellen würde. Ich trinke Wein aus Übersee. Ich lasse meine angegrauten Haare mit chemischen Mitteln in die Originalfarbe  zurückfärben. Ich fliege in die Ferien.

Eine Heillige bin ich also nicht – aber auch kein Umweltmonster. Ich bewege mich umweltmässig im gut schweizerischen Durchschnitt…

PS. Ob der gut schweizerische Durchschnitt in jedem Fall anstrebenswert ist, sei dahingestellt…

Gummibärchen

Gummibärchen werden in Maschinen geboren und gleich nach der Geburt in Massenhaltung in Tüten eingesperrt. Irgendwann werden die armen Süssen aus ihrem engen Gefängnis befreit um gleich darauf in einem gierigen Schlund zu verschwinden, von einem Beissapparat gnadenlos zermalmt zu werden – und wer dann noch lebt, dem gibt die Magensäure den Rest. Das ist eine Tatsache.

Tatsache ist aber auch, dass es auch in der mittlerweile 87-jährigen Haribo-Gummibärchenwelt eine Klassengesellschaft gibt. Die Grünen, mit Jahrgang 2007 die Jüngsten im Bund, sind zum Beispiel untervertreten und die Weissen sind die Gewinner. Zumindest in meinem Test.

Nachdem ich heute aus der Tageszeitung meiner Wahl erfahren habe, dass jedes dritte Gummibärchen rot sein soll (obwohl diese die Unbeliebtesten sind), musste ich die Gleich- oder eben Ungleichstellung der Gummibärchen prüfen. Gesagt, getan.

Eine Packung Gummibärchen kaufen. Packung aufschneiden. Gummibärchen-Horde befreien. Gummibärchen-Horde nach Farbe sortieren ohne zuzubeissen. Gummibärchen je Farbe zählen. Aha! Von wegen Rot gewinnt! Ich vermelde:

  • 7 x Grün (Apfel)
  • 11 x Orange (Orange)
  • 13 x Weinrot (Himbeere)
  • 13 x Gelb (Zitrone)
  • 14 x Hellrot (Erdbeere)
  • 15 x Weiss (Ananas)

Gerechtigkeit ist wichtig. Und so habe ich (trotz Diät) die untersten drei Reihen so würdig wie möglich vertilgt, so dass jetzt ein Gleichgewicht besteht. Die Gerechtigkeit ist wiederhergestellt aber mir ist schlecht. Aber was tut man nicht alles im Namen der Wissenschaft…

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Frau H.: Falls du von der Insel aus bestellen willst: http://www.haribo.de/planet/de/shop/index.php?liste=1

Mallorca in Schön

Jaja, richtig – Mallorca gibt es auch in „Schön“. Korrekt! Check it out: http://www.frau-w.ch/Frau_W/Ferienfotos.html

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Kurven auf Mallorca

Mallorca, Sommer 2009: Hochgepresste Riesenbrüste schreien in viel zu knappen Textilien nach Freiheit, derweil manch unverhüllter, in die Jahre gekommener Bierbauch mit einem verhüllenden Textil besser beraten gewesen wäre.

Echte und unechte Riesenbrüste werden so weit wie möglich nach vorne gereckt, derweil echte Bierbäuche unter höchster Anstrengung so weit wie möglich eingezogen werden.

Gemeinsam ist ihnen das recken nach dem ultimativ bräunenden Sonnenstrahl und ihren Besitzern das streben nach Beachtung – worin ab und an eine körperliche Zusammenführung resultiert. Förderlich hierfür dürfte auch der konsequente Nonstop-Alkoholkonsum sein, welcher einer mehrtägigen Ganzkörpermarinade nahe kommt und aus unerfindlichen Gründen anstrebenswert scheint.

So kriegt manch einer die Kurve wegen überhöhter Lebergeschwindigkeit nicht und kommt vom Pfad ab.

Dies empfiehlt sich einerseits grundsätzlich nicht, andererseits ist dies besonders bei bestimmten Kurven auf Mallorca strikt zu vermeiden. Gemeint sind hier die Serpentinen im wunderschönen Hinterland, die manch partymarinierter Hinterwäldler aber gar nicht erst zu Gesicht bekommt. Hierzu müsste man nämlich a) wissen, dass es nicht nur den 150 x 20m Strand vor dem Hotelbunker und das 365 x 24 Partyleben gibt und b) irgendwann einmal genug nüchtern sein, um sich eines Mietwagens zwecks sich lohnender Hinterlandsbesichtigung behändigen zu können. Dies würde bedingen, das Niveau nicht schon bei der Ferienbuchung oder spätestens am Flughafen abzugeben. Man müsste zudem bereit sein, Valdemossa nicht mit einem hochprozentigen Drink, Soller nicht mit dem braungebrannten Bademeister und Formentor nicht mit einem Medikament gegen Alkoholmissbrauch gleichzusetzen.

Oft soll es aber nicht sein und so pferchen sich die partywilligen Riesenbrüste und Bierbäuche scharenweise an die architektonisch verschandelten Küstenteile, marinieren sich abwechselnd klebrigem Sand und Sangria aus bunten Plastikeimern und geben sich mit der 10 Euro-pro-Tag Liegestuhl-Sonnenschirm-Kombi in Reihe 5 zufrieden. Braungebrannte und braunzubrennende Körper räkeln sich an der Sonne, zucken zu angesagten Partywummern oder räkeln und zucken sich gleichermassen in feucht- und vorgeschwitzten Leintüchern durch die Ferien.

Im besten Fall werden die Ferien als „anspruchslos aber OK“ abgebucht. Im zweitbesten Fall bestehen die Nachwehen in einigen peinlichen Ferienfotos und gebrüsteten Abenteuerberichten. Im schlechtesten Fall enden sie in interkulturellen Geschlechtskrankheiten oder gar in Geburtswehen (was nicht per se schlecht sein muss). Ob das kleine, vaterlos aufwachsende Urlaubsmitbringsel dann herkunftsmässig James, Pablo, Wolfgang oder Sören heissen soll, dass weiss niemand so recht aber Hauptsache der Urlaub auf Mallorca bleibt in guter Erinnerung. Und James, Pablo, Wolfgang und Sören werden glücklicherweise erst viel später realisieren, dass dies eigentlich der Sommer ihrer Zeugung, sprich ihres Lebens war…

Der Apfel

Ich werde ein Buch schreiben. Soweit sogut. Bloss – die Geschichte handelt aus der Perspektive eines Apfels. Ja, richtig, eines Apfels.

Hast du deine Medikamente heute noch nicht genommen? Wie jetzt, Apfel? Haha, du bist  immer so komisch. Hör doch auf und lass mich weiterlesen (alternativ: arbeiten/kochen/malen/fernsehen/die Wand betrachten oder dem Gras beim wachsen zusehen…). Klar, aber wie wärs mit einer Brombeere? Spinnst du? Ja – sag mal, wann hast du eigentlich endlich Ferien? Was sagt dein Therapeut dazu? Und soll das dann lustig sein? Wie soll das gehen? Wer soll das lesen? Niemand schreibt ein Buch über einen Apfel. Jaja, klar… (tätschel-tätschel).

Die meisten Reaktionen sind gelinde gesagt nicht geprägt von aussergewöhnlicher Euphorie. Diese ist meinerseits hingegen ungebrochen. Ich sehe in meiner Idee nach wie vor unglaubliches Potential.

Man stelle sich in etwa Folgendes vor: Ein süsses,  kleines Babyäpfelchen wächst am knorrigen alten Apfelbaum heran. Nur schon der Baum hat seine Geschichte zu erzählen. Mitgehangen – mitgefangen, auch die Mitäpfel haben ein bewegtes Leben, über das es sich zu berichten lohnt. Mein Babyäpfelchen wächst also  heran, freundet sich mit dem Wurm in sich an und wird gross und stark. Sein Leben ist kurzweilig, steht doch direkt unter dem Apfelbaum eine Bank, auf der sich tagsüber die verschiedensten Gestalten tummeln. Und wenn der Tag zur Nacht wird streichen dunkle. fellige Geschöpfe durch das hohe Gras unter dem Baum, bleiben manchmal sitzen und erzählen vom Leben im Wald, unter dem Boden oder im Bauernhaus am Ende des Feldes . Von Birnenbaum in der Nähe trägt der Wind ab und an den Gesang des Birnenchors heran und die sauren Kirschen von Gegenüber hängen sich meist missmutig durch den Tag. Kein Wunder, bei soviel Kern und sowenig Fleisch. Der Wind blättern im liegengelassenen Schwedisch-Wörterbuch und so lernt der Apfel auch noch schwedisch – ein zweisprachiger Apfel ist irgendwie schon sexy und die Wiesenschaumkrautdamen tanzen mit den Farnersfrauen verführerisch im Wind um die Wette. Ab und an fällt ein Mitapfel runter und das Apfelleben nimmt seinen Lauf.

Ich lasse es noch offen, wie sehr und wie lange der Apfel eine Rolle spielt, ob die Geschichte vielleicht nur dort anfängt und wieder dort endet und ob das alles einen Sinn macht. Ich weiss noch nicht, ob es ein Liebesroman, ein Krimi oder ein halbweiser Lebenserguss wird. Es spielt auch noch keine Rolle. Hauptsache ich glaube daran…

Körbchen

Was soll ich sagen – Funktionalität siegt über Design. Praktisch muss es sein. Einmal mehr und schon wieder. Es könnte mich bedenklich stimmen. Aber nun gut – sei’s drum.

Es ist eigentlich ganz simpel. Sowohl das Problem, wie auch die Lösung. Wobei der irgendwie lächerliche aber doch zeitweise intensive (primär ego-interne) Imageschaden wohl noch Wochen an mir nagen wird.

Was ist passiert? Nun, ich habe für mein Stadtvelo ein Körbchen gekauft. Ja, ein Körbchen. Körb-chen. So ein praktisches, hässliches Gitter-Teil. Das klemmt man auf den Gepäckträger und muss fortan nicht mehr schwere Taschen an den Lenker hängen und gefährlich schwankende Fahrten überstehen. Man muss auch keine Taschen mehr auf den Gepäckträger klemmen und die ganze Zeit nach hinten fassen um festzustellen, ob die Ladung noch hält oder ob sie schon bedenklich schief in der Gegend hängt – was durchaus vorkommt, leider.

Also hat so ein Körbchen – abgesehen vom Image – eigentlich nur Vorteile. Dachte ich mir und kaufte eins. Nein, ich bin natürlich nicht extra ins Fachgeschäft gefahren, um ein Körbchen zu kaufen. Nein, nein. Es verhielt sich vielmehr so, dass Mann für sein edles Designerstadtvelo (natürlich stimmt dort Design UND Funktionalität) eine Klingel und Lichter brauchte. Und derweil Mann sich die besagten Utensilien zusammensuchte, schlenderte ich durch die Regale und mein Blick verharrte bei den Körbchen. Meine Gedanken schweiften zu oben erwähnten Problemen und schwups war das Körbchen gepackt. Alsbald war auch Richtung Mann verkündet, dass dieses Körbchen nun neu mein Körbchen ist. Für mein Stadtvelo. Weils praktisch ist. Mann meinte betont loker „Oooo-keeee“ – aber eigentlich schrie seine Mimik sein ganzes Elend über diesen Sieg der Funktionalität über Design heraus. Gesichtszüge können auch entgleiten, wenn sie nicht entgleiten.

Nun, die Vorteile. Prima. Tasche rein ins Körben und losgeflitzt. Naja, vor dem losflitzen muss man erst mal das eine Bein so hoch schwingen, dass es nicht am Körbchen hängenbleibt. Touché! Nach zwei Versuchen hat das dann auch geklappt. Mist, daran hatte ich nicht gedacht. Jedesmal einen halben doppelten Rittberger (oder was auch immer dieser unmenschlichen Bewegung näher kommt) hinlegen, wenn ich wohin radeln will? Naja, wir werden sehen…

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Zahnarzt

Mal ehrlich – wer geht schon gerne zum Zahnarzt. So richtig gerne, meine ich. Ich spreche von Vernügen pur. Jauchzen. Grenzenlose Vorfreude. Nervöses kaum-erwarten-können. Niemand! Nur irgendwelche Menschen mit einer Störung im Oberstübchen. Oder mit Drogen vollgepumpte Gestalten. Hypnotisch ausser Gefecht gesetzte Personen. Oder ganz einfach Masochisten. Oder auch Leute, die sich in ihren Zahnarzt verknallt haben. Alles Spinner!

Ich zumindest gehöre definitiv nicht dazu. Und ich meine damit nicht, dass ich einfach nur ein bisschen Bammel habe. Oder ein unwohles Gefühl. Nein – es bedeutet totale Panik (mit tagelangen Vorläufern), irrationales Verhalten, hysterische Anwandlungen, Fluchtgedanken bis hin zur tatsächlichen Flucht, Heulkrämpfe – ich habe schon alles geboten. Weil – Zahnarzt geht gar nicht.

Aber heute war es wieder einmal soweit. Nach einer langen Schmerzphase aufgrund nicht erkanntem Zahnproblem (nein, es waren halt nun wirklich nicht die Kieferhöhlen und nein, es war auch nicht der für Diagnosen so beliebte Stress) und einer nicht minder üblen aber mit dem heute bevorstehenden Gemetzel verglichen eher harmlosen Untersuchung in der Vorwoche schlug heute die Stunde der Wahrheit.

Meine Taktik, den Termin schlussendlich auch wirklich wahrzunehmen: Allen erzählen. Hey, wie gehts, du am Mittwoch muss ich zum Zahnarzt. Hallo zusammen, mein Name ist Frau W. und ich gehe nächsten Mittwoch zum Zahnarzt. Ich hätte gerne zwei Äpfel und eine Nektarine und ich gehe nächsten Mittwoch zum  Zahnarzt. Hier fünf Hemden für die Wäscherei, ich gehe nächsten Mittwoch zum Zahnarzt und hier noch eine Hose. Kannst du am Mittwoch die Pflanzen giessen, ich muss zum Zahnarzt. Am Mittwoch können wir keine Besprechung abhalten, da muss ich zum Zahnarzt…

Meine Taktik, der bevorstehenden Behandlung den Schrecken zu nehmen: Infos bis zur totalen Überreizung reinziehen. Also ran an Google und Google-Bilder und surfen was das Zeug hergibt. Würg. Schlimmer gehts nimmer. Am schlimmsten und daher ganz oben auf der „Um-Himmels-Willen“-Skala sind die Foren. Kranke Menschen teilen sich anderen kranken Menschen mit und die anderen kranken Menschen beurteilen mit dem ihnen wegen ihrer Krankheit vermeintlich zustehenden Fachwissen die Krankheiten der kranken Menschen. Und richten damit mehr an, als ab. Aber egal. Ein herrliches Tummelfeld für schrecklichste Szenarien. Die Wirkung dieser Taktik besteht tatsächlich in einer aus Überreizung entstehenden Gleichgültigkeit. Naja. So etwas in die Richtung zumindest.

Meine Taktik, den Tag davor und den Tag selber zu überstehen: Sich auf dem Höhepunkt einer Pre-Panikattacke beim Doktor des Vertrauens melden und nach Mitteln zum ausschalten sämtlicher Sinne fragen. Auf dem Höhepunkt einer Pre-Panikattacke ist das besonders eindrucksvoll. Zu sagen ist: Es geht wenn möglich um pflanzliche Mittel, Chemie solls trotzdem nicht sein. Diese Taktik bringt nur schon durch die Tatsache Beruhigung, dass etwas geht. Sobald die Mittel dann da sind, sofortiges studieren der Wirkstoffe und rein damit. Einfach rein damit. Beduselt gehts halt doch etwas besser.

Meine Taktik, den Besuch selber zu überleben: Beduselung hoch halten und bis kurz vorher (ausser ein paar vorsorglich hysterischen SMS) so tun, als ob nichts wäre. Im Tram zum Arzt denken, dass jetzt gleich eine Shoppingtour folgt oder beim Hauseingang so lange auf das Schild der Fussreflexzonenpraxis starren, dass alle inkl. mir selber glauben, dass ich dorthin gehe und nicht in die Zaaaaahnaaaaarztpraxxxxis. Beim eintreten in die Praxis denken, dass man nur die supergute Zahnseide kaufen will und dann gleich wieder geht. Sich im Wartezimmer vorstellen, dass man nur auf einen guten Freund wartet, der nach einer Behandlung abgeholt werden muss. Auf dem Zahnarztstuhl angekommen und das Lätzchen umgehängt ist dann allerdings Schluss.

Meine Taktik, die Behandlung zu überstehen: Dem netten Zahnarzt und der netten aber noch unglaublich jungen Assistentin noch einmal ganz eindrücklich die Panik schildern und was alles passieren kann. Die Blicke ignorieren, die beide einander zuwerfen. Dem netten Zahnarzt mit in den Stuhl verkrampften Fingern zuhören, was er alles machen wird, bis ins Detail nachfragen und sich dann schlussendlich der Situation ergeben. Die Macht der Gedanken voll ausschöpfen, Mantra um Mantra, Phantasievorstellungen mit schönen Plätzen in den Bergen und auf Inseln und schlicht und einfach aushalten. Fakt ist, die Behandlung ist grässlich. Netter Doc und sanfte Methoden hin oder her.

Meine Taktiv, die Zeit danach zu überstehen: Auf dem Heimweg unbedingt noch bei Sprüngli vorbei. Vier Vanille-Luxemburgerli und weisse Schoggi-Truffes. Entlastungs-SMS an alle vorher gequälten Mitwisser. Dann nix wie heim, Süssigkeiten in den Kühlschrank, Schmerzmittel einwerfen, ab ins Bett. Nach Stunden des beduselten vor sich hin Dösens wieder aufstehen, Süssigkeiten reinziehen und das Erlebte mittels aufschreiben verarbeiten.

Zurück bleibt ein pulsierender Zahn, eine angebrochene Packung Schmerzmittel, die Ungewissheit wie lange es noch schmerzt und das Wissen, dass es trotzalledem zu überstehen ist und man das nächste Mal nun wirklich nicht mehr so dumm tun muss…

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Der Schalter

Heute spielen wir etwas mit der Phantasie!

Stell dir einmal vor, du könntest mittels eines Schalters deine unmittelbare Zukunft sehen und entsprechend (mit-)bestimmen. Und das geht so: Du kommst in eine Situation, welche dir aus irgendeinem Grund nicht ganz in den Kram passt, dich verunsichert oder langweilt. Aber du besitzt „den Schalter“. Davon gibt es nur einige wenige Exemplare auf diesem Planeten. Es würde zu weit führen, dir zu erklären, wo der Ursprung des Schalters liegt und es würde dich vermutlich ängstigen – darum lasse ich es sein. Wichtig ist: Du besitzt einen. Mittels Klick auf „den Schalter“ kannst du kurz in die Zukunft blicken und die möglichen Situation betrachten, welche aus deinen verschiedenen Reaktionen entstehen könnten. Entsprechend entscheidest du dich für eine der Varianten.

Kapiert? Also los – wir erleben nun den Start eines ganz normalen „Schalter“-Tages.

Montag Morgen – dein Wecker läutet kurz vor sechs Uhr. Der aktuelle Traum wartet vergeblich auf ein würdiges Ende und entschwindet langsam in der Ferne. Du bist müde, verschlafen und noch überhaupt nicht in der Stimmung, aufzustehen. Doch du weisst, ein strenger Tag wartet auf dich. Sitzung um Sitzung, Mail um Mail, Entscheid um Entscheid. Du weisst, wenn du noch eine oder zwei Stunden liegen bleibst, hast du zuwenig Zeit – für einen menschlichen Badezimmerprozess, für die tagesgerechte Kleiderauswahl, fürs gesunde Frühstück, für einen menschenmassenfreien Arbeitsweg und auch für die nötigen Sitzungsvorbereitungen.

Doch halt – du hast ja „den Schalter“. Mal eben kurz prüfen, ob das liegenbleiben denn wirklich so schlimm wäre.

Klick. Möglichkeit eins bietet sich dar: Du siehst dich um 6 Uhr aufstehen. Badezimmer, Kleiderauswahl, Frühstück, Arbeitsweg – alles perfekt im Timing, keine Störungen… du brichst ab und klickst ein weiteres Mal auf „den Schalter“.

Klick. Möglichkeit zwei flimmert herbei. Du siehst dich noch eine Stunde weiterschlafen und dann aufstehen. Gleichzeitig steht dein Lebenspartner aber auch (übrigens wie geplant) auf und verschwindet im Bad – wo er bekanntlicherweise die Dusche für gefühlte tausend Minuten blockieren wird. Mist. Ohne Dusche geht gar nichts. Mürrisch bereitest du dennoch das Frühstück vor und stellst dich Müsli löffelnd vor den Kleiderschrank. Nein, sich ohne wachmachende Dusche für eine Bluse oder Hose entscheiden zu müssen – das geht gar nicht. Du schlurfst kauend zurück in die Küche und blätterst lustlos in einem herumliegenden Magazin. Müslischale und Kaffeetasse sind schon lange verräumt als das Bad endlich frei wird. Nach einer ungemütlich kurzen Duschaktion läufst du auch noch in eine mittlerweile im Flur stehende Aktentasche und verstauchst dir eine Zehe. Möglicherweise sinds auch zwei. Humpelnd gehts weiter zum Kleiderschrank.

Der geduschte Mann brüllt von irgendwo her „Du bist recht spät dran heute“ und „weisst du wo meine Aktentasche ist?“. Zähneknirschen geht nicht, da die Müslireste dies verhindern. Ah ja, genau. Zähne putzen! Zurück ins Bad. Dann wieder humpelnd und mittlerweile gänzlich unkoordiniert zurück zum Kleiderschrank. Bluse raus. Nein, doch nicht. Hinwerfen, nächste. Auch nicht, auch hinwerfen. Dann halt die. Plus die Hose. Nein, die passt nicht. Hinwerfen. Nächste. Ja, geht. Zwickt aber. Hinwerfen. Nächste. OK. Ähnliches Verfahren bei der Unterwäsche und Schuh-Auswahl. Dort sind die Passendsten aber nicht geputzt – also, die Zweit-Passendsten. Das macht dich unzufrieden, aber du hast wirklich keine Zeit mehr. Der geputzte und gestriegelte Mann behändigt sich seiner Aktentasche, wünscht dir einen schönen Tag, drückt dir einen Kuss auf den Mund und fragt noch erstaunt „warum humpelst du denn?“ und ist weg.

Hektisch suchst du deine Handtasche, Schlüssel, Sonnenbrille, Handy und weiteren wichtigen Kram zusammen. Dann trampelst du  zehenschmerzverdrängend und mit fast schon panischem Blick auf die Uhr die Treppe hinunter. An der Haustüre wirst du von einem Lieferanten mit sperrigem Liefergut erst einmal am verlassen des Hauses gehindert, bis du ihn entnervt anbrüllst und er einen kleinen Durchgang frei schafft, durch den du dich quetschen kannst. In diesem Moment siehst du, wie deine Strassenbahn davonfährt. Eine kleine Ewigkeit später befindest du dich endlich in der aufgrund der Uhrzeit vollgestopften Strassenbahn auf dem Weg zur Arbeit und gehst in Gedanken soweit möglich die erste Sitzung durch, in welche du notgedrungen unvorbereitet gehen musst. Die Verzögerung durch einen Streit zwischen einem Anzugmenschen und einem Bettler an der nächsten Haltestelle lässt du nervös auf die Uhr blickend über dich ergehen. Knapp zwanzig Minuten vor Sitzungsbeginn stürmst du humpelnd (oder eher humpelst du stürmisch) ins Büro.

Der Computer ist noch nicht ganz hochgefahren, kommt der Chef gelaufen und sagt erleichtert: „Ah, Sie sind da – kommen sie doch gleich zu mir, ich möchte die Sitzung noch kurz vorbesprechen“. Verschwitzt und ohne die allenfalls für die Sitzung wichtigen Mails noch lesen zu können versuchst du, innerlich anzukommen und den Erläuterungen deines Chefs zu folgen. Ohne Erfolg. Aber ihm hats gutgetan. Auch gut. Rüber ins Sitzungszimmer und Hände von Leuten schütteln, deren Namen du vor der Sitzung eigentlich noch hattest nachschauen wollen. So bleibt es bei den dir nicht beliebten Floskeln wie „guten Morgen“ und „Hallo, alles klar“ und „Schön Sie wiederzusehen“, dabei hättest du so gerne ein „Herr Müller“ oder „Frau Hugentobler“ hintendrangehängt. Nach der Begrüssung der Sitzungsteilnehmer wendet sich dein Chef an dich und bittet dich, die Dossiers zu verteilen. Alle Blicken richten sich auf dich, denn du hast ausser einem Notizblock und einer Agenda für alle gut sichtbar nichts dabei, schon gar keine Dossiers…

Stopp. DAS kanns ja wohl nicht sein. Bevor du noch weiter auf „den Schalter“ klickst um eine allfällige dritte Variante zu sehen, schwingst du dich flugs aus dem Bett. Dein Lebenspartner schläft noch, es ist ziemlich genau sechs Uhr und du weisst: Die Welt wird die nächsten drei Stunden sowas von in Ordnung sein…

Veränderungen

Veränderungen können innere und äussere Ursachen haben. So steht’s geschrieben. Nun, es ist ja auch so.

Auswandern scheint zum Beispiel im Moment hoch im Kurs zu stehen. Halbjährig Ausgewanderte bleiben wo sie sind, andere wandern für anderthalb Jahre aus, andere wollen gleich ein paar Jahre bleiben und wieder andere wollen für immer bleiben. Einige kennen ihre zukünfigte Heimat von früheren Aufenthalten, andere landen mehr zufällig am Ort des künftigen Geschehens.

Auch Reorganisationen oder Firmenschliessungen sind nach wie vor und in wachsender Zahl auf der Agenda. Immer mehr Leute sind davon betroffen – auch diejenigen, die sich auf der sicheren Seite wähnen. Ein vermeintlich sicheres Unternehmen, langjährige Anstellungen, gute Beziehungen und wertvolles Know-how schützen heute nicht mehr automatisch vor Veränderungen.

Nicht zu vergessen sind Veränderungen in Beziehungen zu anderen Menschen. Ob Freundschaften, familäre Beziehungen oder Liebesbeziehungen. Da sind Menschen, die dümpeln jahrelang in der gleichen Situation vor sich hin, sind mehr oder weniger zufrieden oder mehr oder weniger unzufrieden – je nach Betrachtung. Sie halten aus. Bloss keine Veränderung. Es leidet sich anscheinend besser, wenn man weiss warum.

Es gibt Menschen, die haben das Gefühl, dass eine Veränderung in ihrem speziellen Fall gar nicht möglich ist. Es gibt aber auch Menschen, die treten irgendwann freiwillig aus ihrer Komfortzone heraus. Sie verwirklichen einen Traum, wollen einer sich abzeichnenden Veränderung zuvor kommen, stehen endlich für sich ein oder haben einfach Lust auf Veränderung. Gemeinsam ist ihnen der Mut sich zu entscheiden und die Bereitschaft sich zu einem gewissen Grad auf Unbekanntes einzulassen. Diese Menschen warten Veränderungen nicht einfach ab – sie gehen sie selber aktiv an.

Ich denke wir sind alle gut beraten, wenn wir uns darauf einstellen, dass das Leben Veränderung IST. Natürlich soll man trotzdem nicht gehetzt von Lebenssituation zu Lebenssituation hüpfen. Natürlich kann man trotzdem entspannt und optimistisch durchs Leben gehen. Und natürlich sind Konstante im Leben genau so wertvoll wie Bewegungen.

Bereit sein, Veränderungen anzunehmen ist bereichernd. Optimismus und Vertrauen in sich aber auch in andere ebenfalls. Und schlussendlich fühlt sich das Leben einfach besser an, wenn man das Glas halb voll statt halb leer sieht.

Zug statt Flug

Geplant: Flug nach Hannover. Autofahrt in den Harz. Verlängertes Wochenende zwecks Geburtstagsfeier. Autofahrt zurück nach Hannover. Rückflug nach Zürich.

Umgesetzt: Flug nach Hannover. Autofahrt in den Harz. Verlängertes Wochenende zwecks Geburtstagsfeier. Autofahrt zurück nach Hannover.

Nicht umgesetzt: Rückflug nach Zürich.

Wie jetzt? Meine Sinusitis hat die Nase gestrichen voll vom Hinflug und will nicht mehr zurückfliegen – also fahre ich. Mit dem Zug. Holdrio. Hannover-Zürich. Rund sieben Stunden Zugfahrt, insgesamt fast neun Stunden Reise. So etwas steht nicht gerade zuoberst auf meiner Wunschliste. Aber gut, Gesundheit geht vor, ab in den Zug.

Erst einmal musste ich vom Flughafen Hannover nach der Rückgabe des Mietautos zum Hauptbahnhof Hannover gelangen. Mein Koffer reist zum Glück mit Mann im Flugzeug zurück, es bringt ja herzlich wenig, zwei Leute für notabene je 220 Euro zusätzlich die lange Reise antreten zu lassen. Und so werfe ich mich nur leichtbepackt und alleine ins Vergnügen. Mann bleibt winkend zurück (ok, er winkt eigentlich nie aber die Vorstellung war grad so schön…).

Es folgen zwanzig Minuten im Vorstadtexpress mit einem sehr lustige Zugbegleiter. Hach, nach Zürich müssen Sie? Statt fliegen? Das ist aber weit! Ho-ho-ho. Sein grosser Bauch wackelt beim lachen bedenklich und es folgt eine Geschichte über eine betrunkene junge Frau, welcher von der Airline den Zutritt zum Flugzeug verweigert wurde, welche jedoch die Zugfahrt von derselben Airline bezahlt bekam. Ich bin nicht betrunken, wende ich müde ein und spüre die Blicke der Mitreisenden, ich fliege aus gesundheitlichen Gründen nicht. Aha, so so. Und ich stelle an den Blicken fest – alle glauben mir…

Hannover Hauptbahnhof. Durchsage: Am Bahnsteig vier steht nun der ICE nach Zürich zum einsteigen bereit. Sehr schön. Und die vielen Leute, wollen die alle mit? Als ich die Wagen durchstreife stelle ich fest, dass die vermutlich auch alle eine Reservation haben. Denn die meisten Sitzplätze sind besetzt oder reserviert. Gut habe ich mich für diese lange Reise für die erste Klasse entschieden. Trotzdem werde ich erst an der Zugspitze fündig. In einem Abteil sitzt nur ein gepflegter, älterer Herr mit schneeweißem Haar und Schalk in den Augen – zu dem setze ich mich.

Innert Minuten weiss ich von ihm, dass er an der Nordsee wohnt und an den Bodensee fährt. In Baden-Baden muss er umsteigen, es stehen uns also gut vier Stunden Fahrtgemeinschaft bevor. Also gut. Trotz pulsierendem Kopfschmerz lasse ich mich auf ein Gespräch ein. Seine Freundin ist Tessinerin und ihr Sohn studiert in Basel. Er mag Gotthelf, geht an Stöcken und hat anderthalb Stunden auf seine krümelige Pizza aus dem Bordrestaurant gewartet.

Durchsage: Meine Damen und Herren. Soeben ist unser Eisverkäufer zugestiegen und bedient Sie jetzt am Platz. Na Bravo – ist das mit meiner Diät zu vereinbaren? Aufgrund meines Ausnahmezustandes bin ich (geständigerweise wie schon am Geburtstagsfest…) kurz davor, einen Eisgenuss als diätverträglich durchgehen zu lassen. Die Vernunft siegt aber und ich bestelle bei unserem zuständigen Bordmitarbeiter eine Tomatensuppe.

Eine Stunde später sind wir zu dritt. Und mein Laptop bekommt Gesellschaft. Ansonsten verhält sich die Dame so wie sie aussieht – ruhig. Und sie schreibt und schreibt. Ich tippe auf IT-Fachfrau. Mein Gegenüber liest Zeitung und ich widme mich einem Hörbuch. Die Landschaft zieht deutlich schneller vorbei, als die Zeit vergeht.

Zwei Stunden später begleite ich den netten alten Herrn zum Ausgang und erfahre noch, dass er auf Sylt wohnt, jeden Morgen ein Bad in der Brandung nimmt und seit 50 Jahren ein amputiertes Bein hat. Das alleine ist kein Problem, nein, es ist das andere Knie. Der Mann ist zwölf Stunden unterwegs, muss umsteigen und hat sichtlich Schmerzen. Und doch wirkt er aufrecht, stolz und stark – ich bin wirklich beeindruckt.

Zurück im Abteil sind wir zwei Frauen alleine. Sie tippt und tippt und ich lese, höre mein Hörbuch, trinke, blicke ziellos in die Landschaft. Ab und an taucht einer der Zugbegleiter auf, bietet Schokolade und Erfrischungstücher an oder möchte ganz einfach wegen Personalschichtwechsel den Fahrschein noch einmal sehen. Schön,  mein Ticket sammelt viele bunte Stempel…

Ab Freiburg bin ich alleine im Abteil, nicht einmal die durch den Zug patrouillierenden Zöllner interessieren sich für mich. Die letzte Stunde hängt dann wirklich an. Basel-Zürich. Ich bin müde, kenne die Strecke und sehne mich einfach nur noch nach meinem Schatz, einer Dusche und meinem Bett. Ich weiss nicht mehr wie ich sitzen soll, das Hörspiel langweilt mich und lesen mag ich auch nicht mehr. Nein, ich will jetzt einfach nur nach Hause. Basta.

Kurz nach 20 Uhr ist auch das geschafft. Ich bin gefahren statt geflogen und der Sonntag, der ist gelaufen…

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Wünschen und träumen

Liebe Frau H. – du verwirklichst soeben einen Traum. Das wünschen sich viele – und träumen doch nur davon. Der inneren Freiheit, einen Traum zu verwirklichen geht voraus, dass man den Bauch über den Kopf siegen lässt. Denn der Kopf findet immer, immer, immer einen Grund, sich gegen den Traum zu entscheiden. Obwohl man sich wünscht, dass das nicht so ist.

Was war zuerst? Der Wunsch oder der Traum? Das könnte so eine Huhn-Ei-Geschichte werden. Eigentlich ist aber genau das egal. Es ist total egal. Es braucht keine philosophischen Ergüsse, um etwas zu erklären, dass eigentlich überhaupt nicht erklärt werden muss. Menschen haben Träume und Wünsche. Und je nachdem, wo sie im Leben gerade stehen, wird aus einem Traum Realität oder er bleibt ewig ein Wunsch. Wir können unmöglich alle unsere Träume und Wünsche erfüllen. Aber es ist schön, sie zu haben.

Und dann gibt es Momente im Leben, diese seltenen aber wundervollen Momente, in denen man genau an der richtigen Stelle steht, um den Mut zu finden, eine Entscheidung zu treffen. Nicht gegen andere, wie es so oft missverstanden wird – sondern für sich und nur für sich. Und diese Entscheidungen sind die Besten im Leben.

Natürlich gibt es auch andere, weniger heroische und stimmige Gründe, sich für etwas zu entscheiden, als einen Traum zu verwirklichen. Aber die lassen wir jetzt mal schön weg – mir gefällt die Traum und Wunsch-Geschichte viel besser und ich wünsche mir, dass ich immer fähig sein werde, zu träumen. Denn genau das macht das Leben (unter anderem) so lebenswert.

Dir, liebe Frau H., wünsche ich bei der Erfüllung deines Traumes, dass du ihn ein kleines Bisschen für uns alle hier lebst und es dir so richtig gut geht dabei! Good luck!

Es grüsst herzlich
Frau W.

iPhone-Unterzuckerung

Liebe Frau H. – lange war ich resistent, jetzt bin auch ich im Club. Im Club der iPhone-Besitzer. Vor gar nicht allzulanger Zeit habe ich geknickt aber tapfer verkündet, zugunsten des neuen Steamers (weil teuer) auf ein solches Spielzeug zu verzichten. Aber herrje – Kosten für die superduper 32GB-Variante, die nicht mal 20% des normalen Kaufpreises entsprechen sind ein ziemlich gutes Argument, doch noch zuzuschlagen, nicht wahr?

Gut. Die Sache mit dem Preis war also ausschlaggebend. Zudem wurde kundgetan, dass das Teil innert einer Woche geliefert wird. Sabber-Sabber. Die Tage zogen zäh ins Land und meine Gedanken landeten immer wieder mal beim iPhone, derweil ich fleissig Gemüse im neuen Steamer steamte und mich weiterhin – aber nicht mehr so intensiv – über mein absolutes Unding von einem Geschäftshandy ärgerte.

Die angekündigte Warte-Woche war noch nicht ganz vorbei, als ich nach Feierabend mit nervös knurrendem Magen (weil schon gut eine Stunde über der 5h-Diät-Grenze) noch tapfer Besorgungen in der Stadt erledigte. Was tut Frau nicht alles für Mann. Während ich im Herren Globus mit Tüten vollbepackt, bereits leicht unterzuckert und ziemlich säuerlich darauf wartete, dass sich die bestellten und anscheinend abholbereiten Anzughosen doch noch finden würden, kam es. Das SMS. Oder korrekterweise die SMS. Egal – denn die Botschaft war entscheidend: iPhone abholbereit.

Oha! Nervöser Blick zum linken Handgelenk: 19 Uhr.  20 Minuten Weg – geht auf. Die Damen im Herren Globus stellten mich noch ein Bisschen auf die Probe, fanden dann aber schlussendlich die Hosen doch noch. Mit um eine grosse Tüte erweiteter Vollbepackung ging es ab zum Tram, umsteigen, weiterfahren…  Die Uhr zeigte 19.30 Uhr, als ich nahe dem Ort des Geschehens ausstieg. Rein ins Getummel. Bedienungsnummer im Shop ziehen. Wie bitte? Noch 8 Nummern bis iPhone? Mittlerweile bedenklich unterzuckert wankte ich zur Warte-Insel und setzte mich, nuckelte an meinem faden Wasser und redete mir ein, dass ich ganz bestimmt nicht umkippe, bevor ich nicht mein iPhone in den Händen halte.

Die Nummern wechselten äusserst träge, die Uhr tickte dafür umso zackiger. Sprich, die Zeit wurde knapp und vor meinen Augen flimmerte es. Aber sowenig ich bereit war, meinen Diät-Erfolg mit einer Diät-Regelverletzung aufgrund eines Not-Kaufs aufs Spiel zu setzen, so wenig war ich bereit, mein iPhone auch nur einen Tag später abzuholen. Da nützt auch eine Portion Zen nichts mehr. Kurz vor 20 Uhr war es dann endlich so weit. Ich wankte leicht benommen zum Beratungsdesk und nach den üblichen Vorgängen war es meins. Mein iPhone.

Frag mich nicht, wie ich nach Hause gekommen bin. Frag mich nicht, wie ich es geschafft habe noch brav Gemüse zu rüsten und zu kochen. Frag mich nicht, ob ich die Zähne geputzt habe. Frag mich nicht, ob ich die Haustüre abgeschlossen habe. Aber eins weiss ich: Ich bin mit meinem neuen iPhone in der Hand glücklich lächelnd eingschlafen!

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Ich lebe Diät

Liebe Frau H. – er knurrt. Mein Magen. Manchmal knurrt er leise und nur für mich „Knuuuurr-Brrrrrrrrrr“ – aber manchmal auch richtig laut „Knurr-Broaaarrrr-Rumpel-Glugger-Knurrrrrrrrrrrrr“. Gleichzeitig brüllt es in mir nach Cola zero und auch sonst ist ganz schön was los. Tja, es tobt ein Kampf…

Mein Hungerzentrum liefert sich mit dem Suchtzentrum seit zehn Tagen einen Battle und feuert den Magen laufend an, immer lauter zu knurren während das Suchtzentrum mein Sprachzentrum anheizt, lautstark nach Cola zero zu brüllen um den Magen zu übertönen. Das Gerechtigkeitszentrum weiss nicht so recht, für wen es Partei ergreifen soll – gerechterweise ja für niemanden. Das Phantasiezentrum hingegen schwaddert aufgeregt umher und entwirft schon Trikots für die beiden Mannschaften. Das Bewegungszentrum liegt träge in der Ecke und hält sich aus allem raus. Das Ästhetikzentrum schreibt in hoffnungsvoller Vorfreude eine meterlange Einkaufsliste für coole Fummel und poliert alle Spiegel im Umfeld. Mein Strukturzentrum schlägt verzweifelt die Hände über dem Kopf zusammen – dieses ungeordnete Chaos, geht ja gar nicht. Der Verstand hält sich derweil amüsiert über das aufgeregte Treiben der Mitbewohner abseits, feilt sich gelangweillt die imaginären Fingernägel und blickt abschätzig auf das Schlachtfeld. Nur der Wille, der hält unbeirrt seinen Kurs und zeigt sich ob dem Chaos gänzlich unbeeindruckt. Befehl ist abnehmen, also wird abgenommen. Ganz einfach.

Ja, richtig, ich lebe Diät. Also, eigentlich „auf den Stoffwechsel angepasste Ernährungsumstellung“. Metabolic Balance. Wie n’Promi, einfach ohne Promi-Faktor. In Kürze: Lebensmittelaufnahme wird auf Stoffwechsel angepasst. Langfristig. Kurzfristig gibt es einen strengen Plan. Es gibt eine Liste mit OK-Nahrungsmitteln, der Rest muss wegbleiben. Und: Keine Cola zero. Basta (nicht Pasta). Fünf Stunden Pause zwischen den Mahlzeiten (nur Wasser). Und das ist ganz schön hart. Aber auch ganz schön erfolgreich. Entweder hat Herr M. die Waage man(n)ipuliert oder es funktioniert tatsächlich. Die Pfunde purzeln, ich freue mich und der Kampf in mir tobt zwar weiter, rückt aber in den Hintergrund. Hey du, Wille, guter Job!

Steam it

Liebe Frau H. – Steamen ist cool. Steamen ist gesund. Steamen ist meine neuste  Entdeckung. In den Bergen – du weisst schon  – hat’s einen eingebauten Steamer. Zuhause in Zürich hat es ausser einem noch nie in Betrieb genommenen Backofen kein solches Gerät. Bis heute zumindest. Seit wenigen Stunden bin ich stolze Steamer-Besitzerin. Doch fangen wir von vorne an:

Gemüse ist bei mir aus aktuellem Anlass hoch im Kurs. Rohes Gemüse schmeckt zwar lecker, muss aber nicht zweimal täglich sein. Wie du weisst, bin ich des Kochens nicht wirklich mächtig. Irgendwie brennt mir das Zeug immer an, verkocht oder ist zu hart. Ich würde diese Tatsache eigentlich ganz gerne auf den leicht lädierten Herd schieben – aber das war auch schon bei tiptop neuen Herden so. Also ist steamen die perfekte Lösung. Bedienungsanleitung lesen und essen. Naja, fast.

Motiviert vom wochenendlichen Berg-steamen stapfte ich heute nach Feierabend in ein Elektrofachgeschäft, bloss eine Tramstation von Zuhause weg. Da hatte es sogar richtig Auswahl. Und einen netten Verkäufer. Der hat jetzt ein Loch im Bauch. Das habe ich ihm nämlich da reingefragt. Über die Steamer. Da gab es günstige Modelle, die aber entsprechend wenig Möglichkeiten boten. Mittelteuer Modelle gab es nicht. Die nächste Stufe war dann schon teuer. Teuer und gut (und schön – aber das liegt wohl am teuer..). Während der nette Verkäufer mit dem Loch im Bauch einem jungen Mann sämtliche Gasgrillgeräte erklärte, studierte ich in aller Ruhe die Bedienungsanleitungen. Es war in der Tat so, dass eigentlich nur die teuren Modelle mein Berg-verwöhntes Steamerherz zu befriedigen vermochten. So strich ich im Geiste das  neue i phone und noch ein paar Kleinigkeiten von meiner Einkaufsliste und entschied mich für ein teures Modell. Doppelt so teuer, wie mein ursprüngliches Budget, wohlgemerkt.

Sobald der nette Verkäufer mit dem Loch im Bauch den grillwilligen jungen Mann hinter sich gelassen hatte, schnappte ich ihn mir (den Verkäufer). „Haben Sie dieses Modell an Lager?“. Seine Augen blitzen. „Aber natürlich“. „Wie schwer ist die Kiste?“. „Ich hole sie mal.“. Kurz darauf rollte er eine Monsterkiste auf einem Einkaufswagen heran. „20 Kilo“. „Aha“. Ich blickte betrübt. „Meinen Sie, ich kann die Kiste tragen? Ich muss nur eine Tramstation weit fahren“. Sein Blick sprach Bände. In diesem Moment trat ein älterer Herr hinzu. „Sie müssen nur eine Tramstation weit?“. „Ja, richtig“. „Ich fahre Sie“ sagte er. „Ich habe heute noch nichts Gutes getan“. Wow! Echt wahr, glaub mir. Ich tat meine Riesenfreude kund. Denn die Alternative wäre gewesen, mir das Ding liefern zu lassen. Und das hätte geheissen, dass heute Abend kein gesteamtes Gemüse auf meinem Tellerchen gelandet wäre. Und ich wollte unbedingt, dass gesteamtes Gemüse dort landet. Also… Deal.

Der nette Verkäufer mit dem Loch im Bauch wickelte den für mich doch kurzzeitig schmerzhaften Zahlungsvorgang ab (das i-phone wäre halt schon auch toll gewesen…) und half dann dem älteren Engel-Mann die Riesenkiste in seinem Auto zu verstauen. Los gings, nett plaudernd ab ums Eck, bis direkt vor meine Haustüre. Dort half mir der Engel-Mann, die Kiste bis zur Türe zu schleppen. Just in diesem Moment, kam ein in meinem Haus in einer mir gut bekannten Firma arbeitender Mensch die Treppe hinunter. Engel-Mann verabschieden, Firmen-Mann engagieren. Dieser schleppte die Kiste in den Lift und meinte, er müsse jetzt los, käme aber später die Kiste den letzten, liftlosen Stock hochtragen. Super!

Die Minuten verstrichen, mein Magen knurrte und meine ungeduldige Vorfreude auf das gesteamte Gemüse bewog mich dazu, die Kiste dann doch schon mal selber, Stufe für Stufe die Treppe hoch zu hiefen. Das war aber erst die halbe Miete. Der Steamer musste noch aus der Kiste raus und in der Küche an seinen Platz. Ratzfatz, Kiste wegfetz, Styropor wegfetz und eins, zwei, drei das Ding hoch auf seinen Platz. Was Hunger doch für Kräfte zu verleihen mag!

Der Rest (lesen, putzen, in Betrieb nehmen…) verschlang nochmals seine Zeit – aber dann, dann folgte die Belohnung. Gemüse, welches nach Gemüse schmeckt. Und so haben mir drei nette Menschen, zwei glückliche Zufälle und etwas Eigeninitiative zwar ein leeres Portemonnaie aber auch eine geschmackvolle Steamerzukunft beschert. Und das ist doch was!

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Hinweis zum ersten Foto: links unten die weggefetzte Verpackung – rechts oben der Steamer…. Foto zwei muss ja wohl nicht erklärt werden…

Hallo Pandemie

Liebe Frau H. – Nun ist sie da. Wir haben sie jetzt auch. Die Pandemie. Stufe 6. Globaler Ausbruch. Herrjeaberauch. Weisst du was? Ich hab jetzt gerade schampar wenig Lust auf eine Pandemie. Eine Pandemie passt mir im Moment überhaupt nicht in den Kram. Die Pandemie kann mich mal. Also, eigentlich lieber nicht. Aber sie soll sich mal sonstwohin machen. Keine Zeit, keine Lust. Dieser Hype ist doch schon wieder total gammelig. Wir wollen etwas Neues. Nichts so abgelutschtes wie die Schweinegrippe, meine Güte, wie einfallslos.

Vermutlich nützt das sträuben und zetern nichts. Zürich wird krank sein. Und der Rest rundherum auch. Wir werden pusten und husten und fiebern – und es wird weh tun, in den Gliedern. Die Kinos bleiben nicht nur wegen schlechten Filmen leer, im Kaufleuten tummelt sich nur noch der harte Kern der Retortenchicks (neu aber mit Swarovski-Mundschützen), Sihlcity wird die Rolltreppen wegen Nichtgebrauch abstellen, im Urania-Parkhaus sind endlich mal Plätze frei, für den Sonntags-Brunch muss man nicht mehr reservieren und im Opernhaus kriegt Papageno vor leeren Rängen einen Hustenanfall, derweil ein buntgeschmückter Elefant im Zirkus Knie eine Runde dreht und kein Schwein ihm zuschaut.

Kinder sind besonders gefährdet. Hier kann ich dir aber ganz klar sagen, wie die angesteckt werden. Nein, nicht durch andere Kinder. Nicht dadurch, dass sie sich alles in den Mund stecken. Nein. Es sind die Eltern. Und Grosseltern. Das basiert auf einem alten Phänomen – wer kennt es nicht. Kaum hat ein Kind einen Milch- oder Schokoladenschnauz passiert es. Alarm! Taschentuch raus. Ordentlich Gross- /Elternspucke drauf. Kindermund abreiben (dreimal kreuz und quer, damits den Mund auch schön von einem Ohr zum andern zieht). Und da wundern sich die Leute, wenn die Kinder krank werden?

Die Risikolustigen unter uns werden T-Shirts mit „Ich-habe-keine-Angst-denn-ich-bin-schon-ein-Schwein“-Aufdruck tragen und auf einmal wildfremde Leute auf der Strasse küssen oder im Tram die Haltestange abschlecken. Die Ängstlichen werden mit OP-Handschuhen, Mundschutz und Desinfektionsmittel einen auf Rückzug machen und du äh, sorry, Händeschütteln geht gar nicht, du weisst schon, die S-c-h-w-e-i-n-e-g-r-i-p-p-e… Aha. Und dann wird es die Ignoranten geben, die betont lässig weitermachen wie bisher. Easy, Mann – ich waiss wo die Wirus wohnt, krass wahr, Mann. Die Globalisierungsgegner (gegen den globalen Ausbruch der Schweinegrippe) schliessen sich mit den 1. Mai-Anarchisten (Hauptsache dagegen) zusammen und ziehen demonstrierend durch die Stadt – das erste Mal, dass das Vermummungsverbot nicht greift und Demonstranten und Polizisten gleich aussehen.

Uns wird sicher heiss, sicher 36 Grad und es wird noch heisser und wir werden uns alle in unsere Zweiraumwohnungen zurückziehen und warten, bis es vorbei ist.

Hermes Baby? Flohmarkt!

Liebe Frau H. – gestern schlenderte ich über den Flohmarkt auf dem Bürkliplatz. Ich? Ja ich. Ehrlich gesagt nicht gänzlich freiwillig. Denn an Flohmärkten bin ich normalerweise höchstens alle fünf Jahre anzutreffen – und dann auch nur als Verkäuferin, um meine glücklich ershoppten aber kaum gebrauchten Sachen wieder loszuwerden… Oder um ein schmuddeliges, wurmstichiges (und wie ich später erfuhr schampar wertvolles) altes Holzkästchen von guten Freunden zum Schleuderpreis zu verkaufen, während sie mal eben einen Kaffee holen gingen. Aber das ist eine andere Geschichte…

Nun trug es sich gestern wie folgt zu: Eine liebe Freundin aus Basel war zu Besuch und wir waren mit dem Tram Richtung Bellevue unterwegs, um a) das Niederdorf leer zu shoppen und b) ausgiebigen Kaffeeklatsch zu halten. Als das Tram auf den Bürkliplatz zufuhr, quietschte sie auf einmal erfüllt von echtem und zu tiefst von Herzen kommendem Entzücken „Ein Flohmarkt, ohhhhh, ein Flohmarkt. Es ist Floooooooohmarkt.“ Flehender Blick zu mir. „Aaaaaach“ entwich es mir und ich wusste – das war’s. Es kam nicht einmal im Ansatz so etwas wie ein Widerstandsgedanke auf. „Wollen wir…?“ fragte sie. Und ich antwortete, was jede gute Freundin in einem solchen Moment antwortet: „Aber klar doch“. „Echt?“. „Echt!“. „Aber sag ruhig, wenn du keine Lust hast“ sagte sie – schliesslich kennt sie mich ja. Und ich erwiderte ehrlicherweise, dass ein Flohmarkt nicht mein Ding ist, ich aber gerne mit ihr mitkommen werde.

So kam es, dass Frau W. den Flohmarkt auf dem Bürkliplatz besuchte. Nachdem ich vom Auto zum öV umgestiegen bin und mit einem M-Budget-Velo und Mobility-Autos die Strassen unsicher mache, kann ich ja genausogut auch noch über diesen Schatten springen… Wir schlenderten also los. Beziehungsweise schlenderte ich und sie hüpfte mehr oder weniger von Stand zu Stand. Ich schlenderte voraus, ich schlenderte hintendrein. Ich schlenderte so gelassen, wie das auf einem Flohmarkt halt geht. Wirklich, diese Riesenhaufen von altem Kram beelenden mich. Ich kanns nicht ändern. Alte Skischuhe, abgewetzte Tupperware, schreiend hässliche Plastikgartenzwerge, defekte Wecker und Rasierapparate, ein modriges Geweih, einbeinige Barbiepuppen mit kurzgeschorenen Haaren, verkratzte Kleenex-Behälter, rostige Kleiderhaken, abgelatschte Schuhe, alte aber nicht antike Golfschläger, zerflädderte Harry Potter-Bücher…. Brrrrrr. Fairerweise muss man sagen, dass es für manche Leute sicher eine gute Option ist, günstige Ware einzukaufen und, dass es durchaus auch anständige Sachen auf Flohmärkten anzutreffen gibt. So zum Beispiel schöne alte Weingläser, Geschirrkrimskrams oder Kronleuchter. Aber sonst. Kram. Ein Platz voller Kram. Alles unbrauchbar, ich würde nie etwas kaufen. Nie?

Nun, ich wurde eines Besseren belehrt. Ich schlenderte, mein Blick schweifte ohne Ziel über die bunte Flohmarktwelt. Da blieb er hängen. Dort am Boden stand sie. Selbstbewusst, stolz und doch etwas verloren, weil nicht gebührend ins richtige Licht gerückt (zum Glück für mich). Wir blickten uns an und ich wusste, wir haben uns gefunden. Zwei Schritte und ich war bei ihr. Vorsichtig fuhren meine Hände über die Tasten. Glückserfüllt schloss ich sie sofort ins Herz. Ein Zeichen! Eine Hermes Baby!!

Dazu musst du wissen: Eine Hermes Baby ist eine Reiseschreibmaschine – ein qualitativ gutes und doch günstiges Schweizer Produkt, ab ca. 1935 während rund 50 Jahren produziert. Ein Riesenerfolg. Viele grosse Autoren konnten und wollten nicht mehr ohne, bedeutende Werke wurden auf ihr geschrieben. Hemingway hatte eine, Steinbeck hatte eine – und jetzt hat Frau W. auch eine. Nicht, dass ich mich literarisch mit den Kollegen in eine Reihe stellen würde – aber die Begeisterung teilen wir uns ohne Zweifel.

Nun denn, zurück auf den Bürkliplatz. Ohne grosse Preisverhandlungen (die Frau war wirklich nett) erstand ich mein(e) Baby. Meine Hermes Baby. Eine Inspirationsquelle, ein Highlight im (werdenden) Schriftstellerleben.

So ein geiler Flohmarkt aber auch!

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Basel und Zürich

Liebe Frau H. – der FCZ ist Meister. Schweizermeister. Da müsste ich als Baslerin ja eigentlich aufjaulen, nicht wahr? Aber was will eine in Zürich wohnhafte Baslerin in einem solchen Moment schon aufjaulen…

Mir ist mittlerweile wirklich egal, wer gewinnt. Vor einigen Jahren war ich oft an Fussballspielen, ob mit Plastikbecher-Bier im tobenden Pulk oder mit Tussiglas-Champagner im elitären Premiumbereich – es machte mir einfach Spass. Der FCB machte es einem ja auch leicht, Fussball zu mögen. Ach – und im zarten Alter von ungefähr elf Jahren war ich sogar richtig Fan einer Mannschaft. Von GC. Ja, die Zürcher Grashoppers. Ich als Baslerin trug im Turnunterricht ein GC-Leibchen (blau-weiss fand ich halt einfach schöner, mein Gott..).

Wirklich, ich hielt noch nie viel von dem Städtekrieg Basel-Zürich. Mir fällt auf, dass die Basler ordentlich und lautstark Mühe mit Zürich bekunden, die Zürcher aber gar nichts gegen Basel haben. Fussball ausgenommen, versteht sich.

Und so kam es, dass ich sogar einen Zürcher heiratete. Hochverrat. Und ich holte ihn nach Basel, domestizierte ihn und dann, naja – der Rest ist Geschichte. Er wohnt immer noch glücklich in Basel und seine Lebenspartnerin ist Zürcherin. Und ich wohne glücklich in Zürich und mein Lebenspartner ist Basler. So schreibt das Leben Geschichte.

Du hättest die Reaktionen hören sollen, als ich meinen Umzug nach Zürich kundtat. „Hesch aigentlich e Knall, gopferdeggel“, „Was willsch denn bi dene Ziiircher, also nai“ oder „Bisch doch e Lööli, hai-ai-ai“ war noch harmlos. Der Zürcher ist ein beliebtes Feindbild in Basel. Warum eigentlich? Hat und verkörpert er alles, was der Basler nie haben wird? Gewagt, gewagt – ich weiss.

Ein Müsterchen. Da fuhr ich vor ungefähr zwei Jahren – mittlerweile mit Zürcher Nummernschild – auf einem Heimatbesuch durch Basel. Ich wurde noch nie so oft angehupt, wirklich. ZH = bööööse, ZH = hupen. Einer hat mir sogar was nachgeschumpfen am Fussgängerstreifen (ok, ich musste etwas knapp bremsen). Er zeterte irgendetwas von Blablabla-Zürchern… Und ich, ich rief durchs offene Fenster im schönsten Baseldeutsch, dass er gefälligst „d’Schnuure hebe“ soll. Langes Gesicht. Basler Dialekt aus Zürcher Auto? Häää? Das überstieg seine intellektuellen Fähigkeiten definitiv – (vermutlich) unabhängig seiner Herkunft.

Woher kommt diese Abneigung der Basler gegen Zürich? Ist es (historisch gewachsener) Neid auf Zürich? Basler streiten natürlich ab, dass es Neid ist. Fragt man dann aber nach, stört den Basler, dass „alles“ in Zürich ist. Sogar einen See haben sie, diese Zürcher. Und selbstbewusst sind sie, wie die Deutschen, pfuiwäh. Und dieses grossgekotzte Getue. Und der Dialekt. Und überhaupt. Aha…

Eine wohltuende Tatsache ist, dass man als Basler in Zürich überhaupt keine Probleme hat. Ich habe noch keine einzige negative Reaktion auf meine Herkunft erhalten. Kann sein, dass Basel schlicht und einfach kein Thema für Zürcher ist, weil zu klein,  zu unwichtig, keine Gefahr. Die Reaktion auf das Gezeter aus Basel: „Hoo-ooi. Heerzig die Baslär, was händs äigentli namal wälle, händs grad öbis gsääit?“

Natürlich, da gibt es auch weltoffene Basler, die diese Probleme nicht haben. Und der Rest… ich höre mir das – mittlerweile auf mich kleinbürgerlich wirkende – Gezeter der restlichen Basler über Zürich an, empfinde etwas Mitleid ob soviel erwachsener Unreife und freue mich darüber, in einer solch tollen Stadt wohnen zu dürfen.

Mein erstes Mal

Liebe Frau H. – heute habe ich es zum ersten Mal getan. Ich habe lange überlegt und bin zum Schluss gekommen, dass ich bereit bin. Seit Monaten schon habe ich mich mental darauf vorbereitet. Schritt für Schritt habe ich viele neue Erfahrungen in diesem Gebiet gesammelt. Und ich bin zum Schluss gekommen, dass heute der Tag gekommen ist.

Damit alles auch wirklich gut läuft und mein erstes Mal eine positive Erfahrung wird, habe ich noch einmal sämtliche vorhandene Fachliteratur gelesen und mich im Internet schlau gemacht. Ich versuchte sogar noch Miss P. zu erreichen, um zu fragen, wie das denn genau geht (sie war aber am arbeiten, wir telefonierten erst „danach“). Nun gut, ich habe ich mich aufs Velo geschwungen und bin zu dem Ort gefahren, an welchem es zum ersten Kontakt kommen sollte. Die Gegend unauffällig und ruhig, Wohnhäuser und eine Handwerksfirma. Ich registrierte einen Typen auf einem Balkon, der mich beobachtete. Sah er es mir an? Ich nestelte nervös nach meiner Eintrittskarte in die neue Welt.

Und da sass ich nun. ICH sass tatsächlich in einem dieser roten Flitzer. MOBILITY! Wobei Flitzer leicht übertrieben ist. Lädierte Gurke trifft es in diesem Fall besser. Das arme Auto (ja, ein Teil meines Herzens schlägt halt immer noch für Autos) machte einen wirklich traurigen Eindruck. Beulen, Kratzer innen und aussen, Flecken auf der Sitzbank – meine Güte, so sieht also ein Auto aus, dass von vielen fremden Leuten geteilt wird. So geben die Leute also Sorge, wenn etwas nicht ihr Eigentum ist und sie es zu einem doch recht günstigen Preis nutzen dürfen. Neeee, nix Moralapostel – solche Dinge nerven einfach… Vermutlich ist mein Temporär-Auto auch nicht pfleglich gefahren worden. Denn der Motor jammerte gequält vor sich hin und die Kupplung erzählte ihre eigene Geschichte. Und mit 60 trotz Vollgas die Autobahnrampe hinauf zu fahren ist nicht lustig.  Ich wollte erst aussteigen und nachschauen, ob da wirklich ein Motor drin ist…. By the way – es wäre 80 und der Audi hinter mir gab mir das auch deutlich zu verstehen… so schnell wechseln die Seiten…

Mal im Ernst – die Sache an sich ist ja wirklich eine gute Sache. Das Fahrzeug war kurzfristig verfügbar und aufgetankt. Alles hat reibungslos funktioniert und ich konnte erledigen, was ich zu erledigen hatte (extrem wichtige Ferien-Shopping-Tour zu Interio & Co.). Gut ist sicher, wenn man genug Zeit mitbringt, das Auto steht halt nun mal nicht vor der Haustüre (wenn auch fast). Und so richtig flexibel ist man auch nicht, spontane Planwechsel dürften nicht immer möglich sein. Item, ich hatte für mein erstes Mal wohl einfach Pech, da ich sicher kein Musterfahrzeug erwischt habe. Denn die beiden anderen Autos, welche dort standen, sahen wesentlich besser aus.

Da bin ich mal gespannt, was für ein Fahrzeug ich das nächste Mal erwische. Denn ich sage dir schon jetzt: ich werde es wieder tun!

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Frau W. goes Brienzersee

Liebe Frau H. – um mein inneres Bedürfnis zu planen in meinen Ferien doch noch ausleben zu können, habe ich am Montag zusammen (aber nicht gemeinsam) mit einem Heer an mehr oder minder rüstigen Pensionären, einigen globalgemischten Touristen und ein paar kleinkinderreichen Familienverbünden ein typisches Schweizer Tagesausflügli an den Brienzersee unternommen….

Tenu: Wanderhosen (solche mit abnehmbaren Beinen), Funktions-Poloshirt (atemaktiv undsoweiter), Walking-Schuhe (mit Walking-Socken), Rucksack (eigentlich füs Biken). Eingepackt: Getränk (natürlich Cola zero), Buch (Cohelo: Brida), Früchteriegel und Darvida (Hungerast adieu), i-Pod (mit Hörbüchern, falls Cohelo grad nicht passt), Fotokamera (Mini-Ausgabe) und der übliche Handtascheninhalt (Handy & Co…). Nicht eingepackt weil kein Platz: Regenschutz (Buch ist wichtiger und überhaupt, keine Lust auf Regen). Vergessen: Sonnencréme und Sonnenhut (Resultat: Sonnenbrand).

Für mein Vorhaben also passend ausgerüstet marschierte ich los zum Bahnhof. Dort herrschte urbanes Montagsmorgen-Treiben. Es fühlte sich irgendwie seltsam verboten an, ferienfröhlich durch diese bereits vor der Arbeit gestresste Menge zu gehen. Skeptische Businessmenschenaugen blickten denn auch auf meine Ausrüstung und ihre Blicke sagten, dass eben diese Ausrüstung nicht zu einem Montag passt (und schon gar nicht in meinem Alter). Hey, ich habe Urlaub, ich darf das!

Item, ich stieg also mit meinen Pensionären-Gspändli in den vollgestopften Zug nach Bern und dann in den Zug nach Interlaken. Nachdem die arbeitende Masse grösstenteils in Bern geblieben war, zeigte sich der Zug nach Interlaken geprägt von London-und Paris-T-Shirts tragenden Switzerland-in-one-day-Touristen. Cuuud iuu teiiik piktscher of üs in träiin, pliiiise? Klick-klick. Ohhh, looook – lake/mountains…. biiiiuuuuutifuuuuull! Klick-klick. Ohhh, hauu fannnii this neiims… Spiiiiz, Tunh – hohoho. Klick-klick.

Apropos Klick-klick. Ich habe auch geklickt. Aber erst auf dem Schiff. Und auf der anschliessenden Wanderung. Guck mal, hauuu biiiuttifuuuull…

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Planung ist die halbe Miete…

Liebe Frau H. – was tut Frau mit zwölf freien Tagen? Ich sags dir. Erst einmal riesig darauf freuen. Und nichts planen. Endlich einmal nichts planen. Es fühlt sich himmlisch an, nichts zu planen. Und Frau fühlt sich super, wenn jemand fragt: „Hey, was machst du eigentlich in den Ferien?“, weil Frau dann superlocker (ich bin sowas von easy drauf, ey) antworten kann: „Ach, ich habe nichts geplant. Werde spontan schauen, in den Tag hinein leben, geniessen…. und vor allem: ich werde meinen Laptop im Büro lassen, Ferien sind schliesslich Ferien….“  Boahhh. Aber ich sage dir – wenn die Ferien dann da sind, fühlt sich Frau doch auf einmal etwas verloren. Weil eben nichts geplant ist. Himmel – Planung ist die halbe Miete und schlussendlich besteht mein Job mehrheitlich aus planen. Also fühle ich mich verloren, wenn ich nicht planen kann. Call me Bünzli, schrei in die Welt heraus, wie schampar unlocker das ist – aber es ist so, so einfach ist das.

Es ist manchmal tatsächlich einfacher, ein Programm zu haben wie z.B. Samstag Ferienvorbereitungsarbeiten, Sonntag packen, Montag reisen, Dienstag Ferienort kennenlernen, Mittwoch Ausflug, Donnerstag relaxen, Freitag Ausflug, Samstag relaxen, Sonntag Ausflug, Montag relaxen, Dienstag Ausflug, Mittwoch relaxen, Donnerstag packen, Freitag reisen, Samstag auspacken, Sonntag Ferienabschlussarbeiten.

Was um Himmels Willen soll Frau denn auf einmal mit der vielen Zeit anfangen? Natürlich, da gibt es tausendundfünfeinhalb Dinge im Haushalt zu tun. Und irgendwo mottet noch die Steuererklärung vor sich hin (jaaa, Einreichefrist ist verlängert). Und zwanzig Minuten sind schreibend gesetzt. Und man sollte die Familie/Freunde/Bekannte besuchen (weil man ja endlich mal Zeit hat…). Und man könnte die Malsachen vom Estrich holen, die nächsten Ferien planen (!), shoppen…..

Aber sag mir mal (und du musst es ja wissen): Wie bitteschön macht man (unverplante) Ferien? Wie lebt man genüsslich in den Tag hinein ohne mit schlechtem Gewissen an all das zu denken, was es eigentlich zu tun gäbe? Wie bleibt man eine volle Stunde in einem Café sitzen ohne zu lesen oder am Handy zu fummeln? Wie fühlt man sich nicht schlecht ob der Tatsache, dass nichts geplant ist? Wie geht man damit um, dass man auch noch nicht weiss, was man in einer, zwei, drei oder sieben Stunden tun wird? Warum geht die Zeit dann doch auf einmal schnell vorbei und man fühlt sich noch schlechter, weil man eigentlich gar nichts getan hat? Warum kommen tausend Ideen auf, die man gleich wieder verwirft weil sie irgendwie doch nicht passen?

Ich sage dir, solche (unverplante) Ferien sind ein hartes Stück Arbeit….

19.5 plus 0.5 Minuten

Liebe Frau H. – 20 Minuten täglich schreiben. Das ist Programm – unsere Hausaufgaben. 20 Minuten? Mach ich doch locker. Ich schreibe den ganzen Tag. Ein bisschen Konzeptpapierchen hier, ein kleines Eventübersichtli da. Obendrauf die E-Mails. Nicht zu vergessen die SMS. Und Einkaufszettel. Autogramme. Pendenzenlisten. Bestellungen. Termine. Blog. Telefonnotizen. Geschüttelt, nicht gerührt – ein Spaziergang.

Uiii – ich spüre ihren Blick über dutzende von Kilometern. Also, ich korrigiere: Täglich 20 Minuten am Stück schreiben. Schreiben! Einfach schreiben. Ohne Konzept und Struktur -  und einfach frisch drauflos. Und vor allem: Dranbleiben! Und das ist nur ein Bruchteil von dem, was man aus diesem Kurs mitnimmt.

Weisst du, diese Schreibkurse sind prima! Da fliegen abgebrochene Fingernägel haarscharf an birchermüesligeschwängerten Raben vorbei. Während behördlich steifen Abendessen mit breitschultrigen Grossvätern blubbert die Kaffeemaschine wie von Geisterhand. Sebastian wird älter und Schreibende verschlafen den Mittag – trotz 7.5 Minuten Pause am Vormittag. Hier und da werden auch Vogelnester gekocht und in Pausen mit Filzstiften vollgestopfte Gitarren zertrümmert. Derweil Bühnenprogramme schon stehen, bevor sie tatsächlich geschrieben sind und Tische doch nicht an die Sonne wollen. Mit Schokolade versucht man eine Hängebrückenbezwingerin zu veführen und Affen werden reihenweise weggewischt. Und falls gar nichts mehr hilft, steht ein Kopfstand auf dem Programm….

Wirklich – es liegt mir fern, mir den nächsten Kursplatz selber vor der Nase wegzuwerben…  Aber falls du einmal Lust auf leichtes und lustvolles Schreiben hast – in angenehmer Atmosphäre, mit einer charismatischen und authentischen Schriftstellerin: www.milenamoser.com. Da werden Sie geholfen.