RSS

Lieber Minu

Ich sag jetzt einfach mal du. So unter uns Baslern. Also, lieber Minu. Dein Essay in der NZZ am Sonntag. Letzten Sonntag. Hmmm!

Ich mag dich ja. Mochte dich schon immer. Jedes Jahr pilgerten meine Mutter und ich an deinen Stand am Petersplatz. Ein Dekoartikel. Ein signiertes Büchlein. Eine Pfefferminzstange. Minu gehörte zu Basel. Minu gehörte zu unserem Leben. Minu mochte man. Ich mochte Minu. Basta.

Wenden wir uns Zürich zu. Dem Hassobjekt vieler Basler. Das habe ich noch nie verstanden. Ich fand blau-weiss immer schon schöner als rot-blau. Rein visuell. Mit 11 wünschte ich mir ein GC-Shirt, mit 18 verliebte ich mich in einen Zürcher, mit 28 heiratete ich ihn. Kurz danach… Nun ja, wir sind heute Freunde. Wegen mir ist er, der Zürcher, nach Basel gezogen. Ein Ziiircher, sie hat einen Ziiircher an Land gezogen. Oh mein Gott. Dieser Dialekt, dieses Selbstbewusstsein. Aber ohalätz, alle mochten ihn. Er durfte sogar an der Basler Fasnacht im Cortège einen Cliquen-Wagen ziehen. Allerdings: “Saisch aifach nit, gäll, Zircher, haltsch d’Schnuure.” So geschah es und alle waren zufrieden.

Die Jahre zogen ins Land und ich nach Zürich. Weg von Basel. Weg vom Petersplatz, weg von Minu. Aus beruflichen Gründen, what else. Da stand ich also. Bestellte in der Bäckerei  “e Schlumbi” und und verlangte “e Gugge” dazu. Heute bestelle ich “es Brötli” und “en Sack”. Ist einfach so. Man passt sich an und es tut nicht einmal weh. Es ist Einstellungssache. Als Baslerin fühlte ich mich in Zürich immer willkommen. Eigentlich stiess ich in Zürich nur mit zwei Dingen auf leichten und auch sehr vereinzelten Widerstand: Mit dem FC Basel und dem Basler Dialekt. Aber wir können halt einfach besser Fussball spielen – ist nun mal so. Basta. Der Dialekt, nun ja, Bünder sind wir nicht.

Ich lebte fortan also in Zürich und ich lernte Zürich kennen. Und je mehr ich Zürich kennen lernte, um so mehr liebte ich es. Es geht gar nicht anders. Diese Stadt nimmt einem ein und sie tut es auf eine feine und leise Art. Und gar nicht so, wie sie zu sein scheint, laut und arrogant. Nein, es geschah in vielen, kleinen Momenten. Am Ufer des Zürichsees, beim schlendern über den Flohmarkt, beim durchstreifen der Altstadtgassen, beim spazieren auf dem Uetliberg oder beim charmanten Italiener ums Eck. In der Secondhand-Boutique, im schicken Schuhgeschäft. In der kleinen Buchhandlung, im Einkaufszentrum. Zürich bietet unglaublich viel. Egal auf was man Lust hat, man bekommt es. Lust auf einen Abend in Flipflops, Shorts und Shirt? Kein Problem. Genug Auswahl. Lust auf einen Abend in Highheels, Kleidchen und mit lackierten Fingernägeln? Kein Problem. Genug Auswahl. Lust auf ein günstiges asiatisches Essen? Einen spannenden Kunstvortrag? Einen durchtanzten Abend? Einen exklusiven Gourmet-Tempel? Einen romantischen Abend am See? Einen Spaziergang durch den alten botanischen Garten? Entspanntes Lesen in einem der zahlreichen Cafés? Kein Problem. Genug Auswahl. Und zwar so, dass man sich wohlfühlt, nicht fehl am Platz ist. Wow, wer hätte das gedacht.

Basel erschien mir mit der Zeit klein und eng. Klein und eng nicht nur aufgrund der Grösse, auch aufgrund der Einstellung. Basel wird mit unglaublich viel Herzblut verteidigt, ob es nun Sinn macht oder nicht. Und diese bösen Zürcher. Die sind so selbstbewusst, die mögen sich, die finden sich gut. Igitt, igitt. Die Zürcher sind eine Bedrohung. Beschlossene Sache. Muss nicht revidiert werden. Ist einfach so. Basta. Ausser sie bringen den FCB zum Erfolg.

Und ich, die Verräterin. Die Baslerin, die nach Zürich ausgewandert ist. Und es toll findet. Pfui. Das ist Hochverrat. Ich ertrage das mit einem selbstbewussten Schmunzeln und stosse mit meiner scharfen Zunge ganz gerne mal in die offene Basler Wunde. Wir Zürcher sind halt nun mal selbstbewusst und wir Basler sind halt nun mal scharfzüngig.

Mich hat noch nie jemand um ein Nötli angebettelt sondern um einen Stutz – sowohl in Basel, wie auch in Zürich. Wobei hier in Zürich eine Tendenz zur konkreten Forderung Einzug hält (häsch mer zwei Stutz oder häsch mer en Foifliber) – das Leben in Zürich ist halt nun mal teurer, auch für Schnorrer. Ist so. Basta. Mit dem Ferrari gehen wir übrigens nicht shoppen, wir fahren eigentlich. Ist ja ein Auto. Und das H auf der Gürtelschnalle steht für: Herzlich Willkommen. Weil Zürcher ja nett sind. Weisste. Aber auch sonst ist mir diese Stadt, die du da beschreibst, fremd. Das ist nicht Zürich. Zum Glück steht über deinem Artikel “Essay”, nicht wahr – ein Freipass. Uff.

Zürich ist selbstbewusst. Und wenn ihr, liebe Basler, damit nicht zurechtkommt, ist das euer Problem. Löst es. Zieht euch in eure Cliquen-Keller zurück und grübelt. Holt meinetwegen einen teuren aber guten Berater aus Zürich dazu. Und holt euch ein paar feine Luxemburgerli. Zucker tröstet und Sprüngli gibts ja mittlerweile auch in Basel. Überdenkt eure sture, stolze Haltung und befreit euch von diesem unschönen Neid und der unnötigen Missgunst. Es ist einfach wirklich nicht nötig. Macht es doch einfach wie die Zürcher. Oder wie ich. Und dann besucht diese wundervolle Stadt und begegnet ihr und ihren Einwohnern unvoreingenommen. Es lohnt sich. Und es tut wirklich, wirklich, wirklich nicht weh. Versprochen.

Und wenn du, lieber Minu – oh Held meiner Jugend, einmal in Zürich bist, ruf mich an. Wir trinken dann ein sauteures Cüpli zusammen, drehen ein paar Runden in meinem sauteuren Charren und ich lerne dir ein paar Brocken Züridütsch. Das wird u-lääs, imfall.

 
1 Comment

Geschrieben von - 22. Februar 2012 in Zürich

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Sonntagsenten

Ich: Hallo, Enten!
Wink. Wink.
Ente 1: Spricht die mit uns?
Ente 2: Jou.
Ente 1: Hat die was zu Essen dabei?
Ente 2: Weissnicht.
Ente 1: Warum spricht die denn mit uns?
Ente 2: Weissnicht.
Ente 1: Schwimm mal rüber und guck nach!
Ente 2: Warum ich?
Ente 1: Weil ich nicht mag. Darum.
Ente 2: Ach nöö, ich mag auch nicht.
Ich: Puuuut, puuuut.
Ente 1: Siehste, die hat sicher was zu Essen dabei.
Ente 2: Glaub ich nicht, die will nur fotografieren.
Ente 1: Meinste?
Ente 2: Ja, mein ich.
Ente 1: Aber was wenn doch?
Ente 2: Was wenn was?
Ente 1: Wenn die doch was zu Essen dabei hat.
Ente 2: Dann wird sie es irgenwann ins Wasser werfen.
Ente 1: Meinste?
Ente 2: Ja, mein ich.
Ich: Puut. Puut.
Klick. Klick.

 

 

 

 

 

Ente 1: Jetzt fotografiert sie.
Ente 2: Siehste.
Ente 1: Dabei ist mein Gefieder zerstrubbelt.
Ente 2: Dann mach dich zurecht.
Ente 1: Meinste sie gibt dann was zu Essen?
Ente 2: Immer denkst du nur ans Essen.
Ente 1: Und du bist doof.
Ente 2: Du bist auch doof.
Ente 1: Da drüben ist Edgar.
Ente 3: Hi!
Ente 2: Edgar, hat die was zu Essen bei?
Ente 3: Nö, aber weiter oben hats ne Oma, die hat was.
Ente 1: Dann schwimm ich jetzt da hoch.
Ente 2: Ich komm mit.
Ente 3: Ich auch.
Ente 1: Schön.
Ente 2: Ja.
Ente 3: Ja.
Und sie schwammen von dannen.
Klick. Klick.

 
Leave a comment

Geschrieben von - 22. Januar 2012 in Kinder und Tiere

 

Schlagwörter: , , , , ,

Sonnenschneespaziergang, hach!

Lenzerheide im Januar 2012.
Atmen. Staunen. Geniessen.

 

 

 

 
Leave a comment

Geschrieben von - 3. Januar 2012 in Freie Tage, Menschliches

 

Schlagwörter: , , , , ,

Happy Birthday Frau H.

Frau H. hat Geburtstag.

Gerne würde ich sie jetzt knuddeln.
Geht aber nicht.
Sie ist auf der Insel.
Auf einer Insel weit, weit weg.
Und nicht nur für eine, zwei, drei Wochen Ferien.
Nein, sie lebt dort.

Also, angefangen hat es ja schon mit Ferien und einem entsprechenden Bericht auf ihrer Website .
Aber irgendwie ist sie dort hängengeblieben.
Wobei hängen als Beschreibung für ihr Leben dort total verfehlt wäre.
Denn sie arbeitet viel.
Mehr als in der Schweiz (noch mehr? Ja, noch mehr).

Das kleine Resort auf den Philippinen ist inzwischen ein Geheimtipp: www.camiguin.ph.
Sogar ein Bericht im Tagesanzeiger gab es und Frau W.’s Brust ist stolzgeschwellt.

Und nun sitzt sie dort auf der Insel, wird DREISSIG und ich kann sie nicht knuddeln.
Nur virtuell.
Und das ganz toll.
Dreissig mal und noch viel mehr.
Happy Birthday, liebe Frau H. – und auf bald!

 
Leave a comment

Geschrieben von - 29. Dezember 2011 in Menschliches

 

Schlagwörter: , , , , , , ,

Barbie – die Folgen

Der Barbie-Beitrag “Meine erste Barbie” ist einer der meistgelesenen Beiträge seit Bestehen des Blogs. Barbie scheint zu polarisieren. Derweil sitzt sie auf dem Sofa, schlägt die Beine übereinander, gähnt ein bisschen (ich habe keine Zeit zum spielen) und lächelt ihr Plastiklächeln. Ebenso zahlreich wie die Leser waren die Rückmeldungen. Von “was für eine coole Mutter” über “die neuen Barbie-Gelenke sind aber hässlich” bis zu einer Reaktion, die mich jetzt noch schmunzeln lässt: “Mann – jetzt hat mir deine Mutter die Idee für mein Weihnachtsgeschenk für dich gekillt”. Dabei gibt es ja auch tolles Zubehör…

 
Leave a comment

Geschrieben von - 12. Dezember 2011 in Menschliches

 

Schlagwörter: , , , ,