Geschenkeorganisation

Es gibt für mich zwei Varianten, Weihnachten zu feiern. Mit Geschenken oder ohne Geschenke. Da ich grundsätzlich gerne schenke, lebe ich seit je her die erste Variante.

Dies bedeutet natürlich auch, dass man sich in dem alljährlichen Vorweihnachtsgetümmel stellt. Sprich, man quält sich vollbepackt durch Menschenmengen, hat keine Hand mehr frei um weitere Geschenke ohne Gymnastikübungen zu betrachten, wird gnadenlos gerammt, schwitzt in überheizten Läden, friert wieder an der frischen Luft, die Tüten schneiden in die Finger, man steht in einen Kaugummi und die Nase läuft. Und wenn man sich dann vernünftigerweise für eine Pause entschliesst und einen der letzten Plätze in einem Café erobert, hat man kaum Platz für die vielen Tüten und will eigentlich einfach nur noch heim. Und nie, nie mehr Weihnachten mit Geschenken feiern.

Nur schon die Vorbereitung. Es gibt – wer mich kennt den wundert es nicht – eine Excel-Liste, die von Jahr zu Jahr weitergeführt wird. Mit einem Blick sehe ich, was die lieben Leute in den letzten Jahren erhalten haben. Die Liste wird mit dem aktuellen Jahr ergänzt, neue Schenkzielpersonen kommen hinzu, selten fliegt jemand raus. Dann wird eingetragen, was schon feststeht. Manchmal kaufe ich unter dem Jahr ein Geschenk für jemanden, weil es gerade passt. Wenn ich es dann schaffe, das Geschenk bis Weihnachten nicht zu schenken, kommt es auf die Liste. Ebenso kommen Geschenke auf die Liste, bei denen ich schon weiss, dass ich sie kaufen werde. Und dann gibt es noch viele leere Zeilen. Ich kann Stunden damit verbringen, tausende Geschenke in der Hand zu drehen (je nach Tütenbeladung) und alle Zielpersonen in Gedanken durchzugehen. Ja richtig. Ich überlege mir also bei jedem Empfänger etwas. Eine kleine SWOT-Analyse, quasi. Gelernt ist ja schliesslich gelernt. Und weil es so schön ist, kaufe ich immer noch ein paar Geschenke mehr ein. Kann man ja immer brauchen, schadet nichts, nicht wahr.

Dann geht es weiter. Bei Kaffee, flackernden Kerzen und Händel’s Messiah für die richtige Stimmung folgt dann das ausweiden der Beute. Alle Tüten auspacken, Geschenke auf dem Tisch stapeln, Tüten ordentlich zusammenfalten, Preisschilder wegklauben, Quittungen möglichst weit weg legen. Dann wird auf der Liste abgestrichen, was geplant und gekauft  ist und eingetragen, was neu dazu kommt. Und dann bleiben meistens noch ein paar Zeilen leer und ein paar Geschenke übrig. Hier findet eine bedachte Kompatibilitätsprüfung statt. Und so lichten sich die leeren Zeilen von Shopping-Tour zu Shopping-Tour (es gibt ca. 3-5 pro Weihnachten).

Und dann, wenn alle Geschenke unwiderruflich feststehen, erhalten alle Geschenke ein kleines Post-it mit dem Namen des Empfängers. Meistens fehlt es dann an Zeit für das durchziehen bis zum eingepackten Ende und die Geschenke kommen in eine grosse Kiste. Tage später wird dann eingepackt. Alle eingepackten Geschenke werden am Boden ausgelegt. Dann werden die Geschenke in Transport-Tüten eingepackt, welche dann wiederum mit Namen oder Datum der vorgesehenen Geschenkübergabe versehen werden. Voilà.

Vier-Stufen-Geburtstagsplan

Ich bin alt. Jetzt bin ich fast richtig alt. Wirklich fast richtig alt. Beziehungsweise ein Jahr vor richtig alt. Sprich: Die letzte 3 ist angebrochen. Mist aber auch. Neun-und-dreissig. Mann-o-mann. Brrrr….

Mein ganz persönlicher Vier-Stufen-Geburtstagsplan:

Phase 1: Früh aufstehen, Qi-Gong-Übungen durchführen, Müesli essen, Kaffee trinken. Ich notiere: Die Übungen flutschen, keine zusätzlichen Altersbeschwerden zu verzeichnen.

Phase 2: Intensiv-speditiver Arbeitstag von Zuhause aus. Richtig früh Feierabend machen (17.30). Ich notiere: Um 17.30 Abends ist ja richtig was los auf der Strasse, da tobt der Bär. Wow. Sollte ich öfters mal machen.

Phase 3: Shopping. Schliesslich schreiben wir heute Geburtstag. Erste Station: Navyboot (ohne Beute). Zweite Station: Orell Füssli (mit Beute). Dritte Station: Jelmoli (mit Beute). Vierte Station: Globus (mit Beute). Ich notiere: Zufriedener Zustand nach erfolgreichem Beutegang. Man gönnt sich ja sonst nichts. Happy Birthday.

Phase 4: Lukullische Beute schön anrichten, Genuss-Position einnehmen, geniessen. Ich notiere: Es tut gut, sich gut zu tun und hey, es ist gar nicht so schlimm, die letzte 3. Echt…

Schnee

Eine Flocke. Noch eine Flocke. Nee, nä? Kurz danach Flockengetümmel. Flockenfülle. Flockensturm. Flockenrummel. Flokenamok. Flocken überall.

Schnee! Schneee! Schnee!

Toll. Aber Schnee gehört in die Berge und nicht in die Stadt. Nicht in meine Stadt, zumindest.

a) Habe ich heute morgen nicht erahnen mögen, dass ich mit meinen tippeligen Collegeschuhen am Abend durch Schneematsch waten muss und sowas von nasse Füsse kriege

b) Habe ich heute morgen nicht erahnen mögen, dass mein Übergangsmäntelchen im Schneesturm jämmerlich versagen und mich missmutigst frieren lassen wird

c) Habe ich heute morgen nicht erahnen mögen, dass die Städter in Panik versetzt öV und Strassen gleichermassen verstopfen und mein Nerv-Pegel in die rote Zone pilgert

Toll. Echt toll. Ich liebe Schnee (den echten, nicht den Pudernasen-Schnee – versteht sich).

Aber bitte, bitte lieber Schnee. Fall dort wo du hingehörtst und versuch dich nicht im urbanen Fallenlassen – Klaro?

Bärendienst

Blut fliest im Bärengraben. Polanski  fristet in der Kiste. Minarette bleiben im Ausland.
Da leisten wir Schweizer uns ja wieder mal einen filmreifen Bärendienst am anderen…

Fondue-Tram

Am Samstag haben wir uns den Traum erfüllt, endlich einmal im Fondue-Tram durch Zürich zu fahren.

Dazu haben wir zwei waschechte Touristen aus Berlin eingeflogen, mit welchen wir uns getarnt haben.

Zur Einstimmung haben wir uns mit weissem Martini mit (wichtig) drei Eiswürfeln und Radieschen in Stimmung gebracht. Das muss man jetzt nicht verstehen.

Aber bald darauf war es soweit. Da stand es endlich. Ein Tra(u)m in Weiss. Unser Fondue-Tram. Unser Zuhause für zwei Stunden. Begeisterung! Begeisterung!

Wir ruckelten den Hang hinauf, den Hang hinunter, im Kreis herum, die Strassen rauf, die Strassen runter. Quer durch die Stadt und wieder zurück. Wir rührten so wild mit unseren Brotstücken im Fondue, dass die Scheiben beschlugen. Wir winkten den Autofahrern und Passanten zu und die winkten zurück und dachten sich: So nette Touristen aber auch. Die Trefferquote bei unserem Tisch lag bei zwei von vier möglichen Punkten. Bravo.

Vollgefressen, durchgeschüttelt aber nicht minder glücklich spuckte uns das Fondue-Tram nach zwei Stunden wieder aus. Und wisst ihr was? Wir würden es wieder tun. Jeder sollte das mal tun. Wir sind gerührt und geschüttelt!

Lust bekommen? Here you go: http://www.vbz.ch/vbz_opencms/opencms/vbz/deutsch/Angebote/Extrafahrten/FondueTram/index.html

PS. In der Schweiz sagt man das Tram, nicht die Tram – dies einfach noch so nebenbei…

Haare ab

Sie sind ab. Die Haare. 20cm. Weg. Adios. Ruck-zuck. Schnipp-Schnapp.

Foto Nr. 1 schickte ich während des Friseurbesuches mit dem Satz „Sorry, Schatz“ an den eben Genannten. Der eben Gennante nämlich kommentierte gestern noch mein „Was meinst du dazu, wenn ich die Haare abschneide“ mit „Du musst es wissen“ und  „Ich gewöhn mich an alles“ und „Ich mag halt lange Haare“.

Foto Nr. 2 schickte ich im Anschluss zur Beweisführung nach dem erfolgreichen ignorieren von „Du musst es wissen“, „Ich gewöhn mich an alles“ und „Ich mag halt lange Haare“.

Foto Nr. 3 schickte er mir darauf hin zurück

Darum klappt es mit uns so gut, i love it!

Fragen

Wenn ich auf der Parkbank etwas Vertrauliches erzähle, ist das dann ein Bank-Geheimnis?

Kann man mit einem Google-hupf etwas suchen?

Ist es sinnvoll, im Anapurna-Gebirge nach Schneekristallen zu suchen?

Gibt es bei Stau-Mauern auch Blech-Lawinen?

Könnten Pinkel-Pausen mit Kürbiskernen verhindert werden?

Tut es weh, einen Nadel-Streifen-Anzug zu tragen?

Zeigt man auf Face-Book sein wahres Gesicht?

Wie fühlt es sich an, ohne Job an einer Tank-Stelle vorbeizufahren?

Muss man als Robbie ‘Williams’ immer betrunken sein?

Ist man als Regentropfen automatisch durch den Wind?

Sind Sänger in einer Soap-Opera wirklich immer so sauber?

Wie teuer wird es, sich in einem Stunden-Hotel auszuschlafen?

Ist man noch da, wenn man sich verschluckt?

Können Mager-Models dicke Freundinnen sein?

Kann man in Zürich als öV-Nutzer wegen Blau-Fahrens verhaftet werden?

Carli der Hirsch

Carli – du bist in aller Munde. Aber irgendwie inspirierst du mich. Weil, der Hirsch-Mann ist der Hirsch, Mann (solange der Hirsch kann…). Damit schwenke ich mal zur Werbung und lass den Hirsch aus dem Sack – im Wissen, dass ich bestimmt einem da draussen auf den Hirsch gehe… Aber ich lasse mich nicht einhirschen, keine Angst…

- Hirsch macht mobil, bei Arbeit, Sport und Spiel
- Heute ein Hirsch
- Wir geben Ihrem Hirsch ein Zuhause
- Ich fühl mich wohl in Hirsch
- Hirsch macht das Würstchen
- Alles Hirsch, oder was?
- Wir machen den Hirsch frei
- Hirsch, what else

Auch DRS Virus rückt den Hirsch musikalisch ins (rechte) Licht: http://g1-n3.ds.ymc.ch/download/ticket/25736352-fd3b-43df-960e-f4244ac8cb7e

Als Baslerin bin ich versucht zu sagen: „Carli, none Görl“ – aber ich lass es aus verschiedenen Gründen. Einerseits verstehen das die Zürcher nicht und andererseits lässt es der Carli ja eh nicht, mit den Görls. Und mit den Goals hat es auch nicht so richtig geklappt. Jä nu.

In diesem Sinne, thank you and good Hirsch.

PS. Ähnlichkeiten mit lebenden und freilaufenden Personen sind rein zufällig.

The Baseballs

Wow. Dieser Hüftschwung. Ich meine, Hallo – so alt bin ich jetzt auch noch nicht. Ein testosterongeschwängerter Hüftschwung bringt auch mich Oma noch aus der Fassung. So geschehen am Baseballs-Konzert in Zürich.

Drei Jungs. Drei Haartollen. Dreimal Hüftschwung in vollendeter Perfektion.

Die Version für die Küken in der Halle: Hüfte links. Kreisch. Hüfte rechts. Kreisch. Elvis-Mundschnulle. Kreisch. Hallo Züri. Kreisch. Yeah. Kreisch. Kreisch. Kre-he-iiischh.

Die Version für die Omis in der Halle: Am Anfang mitwippen. Dann mitklatschen. Dann mittanzen. Mitsingen. Mitschwingen. Mitkreischen (nur innerlich… weil, ja – eben, das Alter…).

Danke, Jungs….

http://www.thebaseballs.com

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Schweine-Impfung

Nun gibt es sie also, die Schweinegrippen-Impfung. Gut. Noch besser wären viele verschiedene, multifunktionale Schweine-Impfungen. Schwein im übertragenen Sinne, versteht sich.

Wie wäre es zum Beispiel mit einer Impfung gegen den „inneren Schweinehund“? Eine Impfung reicht für 137 mal „früher aufstehen, um Frühsport zu betreiben“. Und für 89 mal „doch noch gesund kochen, obwohl McDonalds um die Ecke liegt und die Sache schnell erledigt wäre“. Und für 67 mal „am Sonntag Nachmittag eine Runde an der frischen Luft drehen oder dem Patensohn einen Adventskalender basteln, anstatt auf dem Sofa festzukleben“. Die Kosten für diese Impfung werden von der Krankenkasse getragen, sofern eine Schweinezusatzversicherung abgeschlossen wurde.*

Möglich wäre auch eine Impfung gegen „schweinisch schlechte Manieren“. Eine Impfung reicht für 86 mal „nicht das Messer ablecken in einem Restaurant und den Ellenbogen beim Essen nicht auf den Tisch stützen“. Und für 91 mal „nicht öffentlich in der Nase bohren, den Poppel betrachten und laut schmatzend verschlingen“. Und auch für 53 mal „nicht an der Kasse in der Metzgerei vordrängen unter Einsatz eines eiskalten Blickes der töten würde, weil es um die Wurst geht“. Die Kosten werden vom WWF bezahlt, da gute Manieren doch irgendwie auch zur Rettung des Planeten beitragen.*

Oder wie wäre es mit einer Impfung gegen das „Verhalten unter jeder Sau“? Eine Impfung reicht für 77 mal „einem Velofahrer nicht den Weg abschneiden und ihm noch wüste Schimpfworte zurufen obwohl man selber schuld ist“. Und für 48 mal „nicht ins Tram drängen mittels wegschupsen alter Frauen am Gehstock und dabei mit dem Schätzeli telefonieren und die Bestellung fürs Abendessen aufgeben“. Und für 61 mal „die Hände dort lassen, wo sie sein sollen – zum Beispiel und pardon, Herr Hirschmann, nicht am Auslöser eines Fotoapparates“. Die Kosten für diese Impfung werden vom Club Saint Germain bezahlt, da man dort , so sagen es die Gerüchte, ab und an mal unter einer Sau zu liegen kommt.

Und last but not least eine Impfung gegen „schweinisch schlechte Ideen“. Eine Impfung reicht für 75 mal „keinen Facebook-Eintrag mit dem Inhalt Mir-ist-langweillig um 15h Nachmittags an einem Arbeitstag vorzunehmen“. Und für 55 mal „die Entscheidung treffen, dieses Paar Schuhe nun doch nicht zu kaufen, auch wenn die kleine Schlaufe etwas anders aussieht als bei den zwanzig Paar Schuhen, die schon zu Hause stehen“. Und für 89 mal „nicht noch Gas geben, wenn es schon dunkelorange ist und der Herr Polizei an der Ecke steht und einem erwartungsvoll beobachtet“. Die Kosten für diese Impfung werden vom Amt für geistiges Eigentum bezahlt, da manche schweinisch schlechten Ideen so einzigartig sind, dass sie schon fast wieder geschützt werden müssen.*

In diesem Sinne, Schwein auf und ab zur Impfung!

* Angaben ohne Gewähr.

3-zehn

Dreizehn. 13. Drei-10. 3-Zehn. Drei-Zehn.

Ist die 13 nun eine Glücks- oder eine Unglückszahl? Beides. Beziehungsweise je nach dem, was man glaubt. Bei uns wird die 13 mit abergläubischen Geschichten gruselig geredet. In Japan ist die 13 eine Glückszahl – gleich wie in der jüdischen Tradition. Echt war. Und total praktisch. Ich find die 13 super. Denn je nach dem, wie man gerade drauf ist, kann man es sich zurechtbüscheln. Man kann sie als Glücksbringer sehen (und z.B. 13 Sushis bestellen….) oder man kann sich im Aberglauben wälzen und durchdrehen, wenn man in einem Hotel Zimmer Nr. 13 erhält. Es gibt Hotels, die führen Zimmer Nr. 13 übrigens gar nicht. Und es gibt Airlines, die haben keine 13 Reihe. Genau so, wie ein paar Kinos oder Theater.

Apropos Flugzeug: Wir schreiben Freitag, den 13. Beim 113 Einsatzes des Flugzeugs mit der Seriennummer 13.1313 bekommt Flug Nr. 1313 ein unerwartetes Problem. Der Copilot meldet den Notfall um 13.13 Uhr. Der Pilot, mit 13 Jahren Flugerfahrung, bleibt cool. Die Cabin-Crew verhält sich routiniert und beruhigt die 113 Passagiere. Der 13-jährige Königspudel des Maitre de Cabine juckt zu Hause aufgeregt aus dem Schlaf hoch. 13 Minuten später zuckelt das Flugzeug Richtung Landebahn 13. Diese wurde vor 13 Jahren neu gebaut.  Rund 13 Rettungsfahrzeuge stehen bereit, Sanität, Feuerwehr, Polizei. 13 km südlich des Flughafens bereitet man sich in der Notfallklinik auf eine mögliche Katastrophe vor. 13 zusätzliche Ärtze wurden aufgeboten. Der Flughafendirektor schaut nervös auf seine Uhr, eine IWC für 13′113 Franken, man gönnt sich ja sonst nichts. 13 Leute befinden sich im Tower und blicken nervös zum Flugzeug, welches sich schwankend der Landebahn nähert. Die Maschine setzt auf, schlingert durch den Schaumteppich und kommt 13 Sekunden später zum Stillstand. Der Sicherheitschef murmelt 13 mal „meine Güte“ und scheucht seine Leute auf ihre Positionen. 13 Minuten später steht fest: Alle Passagiere aus Reihe 13 sind tot, der Rest hat überlebt.

Die Frage ist jetzt nur: Hat die 13 nun Glück oder Unglück gebracht? Dies ist wohl – einmal mehr – eine Frage der Betrachtung…

 

Häsch mer en Stutz

Immer wieder sprechen sie mich an. Immer wieder sage ich nein. Wende mich ab. Renne innerlich davon. Möchte das nicht sehen. Die unschönen Seiten des Daseins. In Zürich. Und überall auf der Welt.

Diese Situationen beelenden mich. Sie verunsichern mich. Verlebte Menschen mit bedauernswert leerem Blick, halb auf Entzug, Kraft- und Hemmungslos, betteln nach ein paar Münzen. „Häsch mer en Stutz“ ist schon lange Vergangenheit. Heute wird gefragt „Häsch mer echli Münz“ – da springt vielleicht ja mehr als nur „en Stutz“ heraus. Allerdings finden in letzter Zeit auch konkrete Zahlen den Weg ins System: „Häsch mer zwei Stutz“. Oder gar konkrete Zahlen in Verbindung mit konkreten Anliegen: „Häsch mer föif Stutz für de Zug“. Und immer öfter wird wieder gesiezt „Händ Si mir echli Münz“ tönt halt allemal besser, als ein schludriges „Häsch mer…“.

Nun, heute war es wieder einmal soweit. Ich stand an meiner Heim-Tramhaltestelle und wartete. Da sich in diesem Teil der Stadt Menschen in allen möglichen nicht anstrebenswerten Lebenssituationen tummeln, geht es in der Regel nicht lange, bis man in Kontakt kommt. Ich beobachtete, wie der Mann sich von wartendem Mensch zu wartendem Mensch durchfragte. Gebückt. Schlurfend. Illusionslos. Er schien nicht viel zu erwarten, denn er lief eigentlich schon beim Fragen weiter.

Ich überlegte mir, dass ich es dieses Mal nicht bei einem knappen „Nein“ belassen würde. Ich nahm mir vor, ihn zu fragen, für was er das Geld braucht. Blöde Frage, ich weiss – aber ich war neugierig auf die Antwort. Ich bin ein Laie auf diesem Gebiet. Und ich überlegte mir, dass ich ihm – wenn er die Frage erwartungsgemäss mit „Essen kaufen „beantwortet – anbieten würde, ihm ein Sandwich zu kaufen. Nicht als Demonstration meiner Überlegenheit – nein, vielmehr als Beitrag, dass sich dieser Mensch vielleicht ein paar Minuten besser fühlt. Und ich mich auch, weil ich weiss, dass er das Geld nicht direkt in Drogen umsetzt. Obwohl das an sich ja auch wieder naiv ist – denn so fliesst halt der nächste und übernächste Stutz in die Drogen.

Fact ist, dass es diesen Menschen wirklich nicht gut geht. Warum auch immer sie dort gelandet sind, wo sie sind – Fun ist es sicherlich nicht. Es ist nicht toll, Leute um Geld anzubetteln. Es ist nicht toll, in alten, verrissenen Kleidern herumzulaufen. Es ist nicht toll, nur an den nächsten Schuss (oder Schluck, oder wasauchimmer man sich in dieser Richtung noch antun kann) zu denken. Es ist nicht toll, sich in einem Hauseingang ein Schuss zu setzen (wohlgemerkt hält auch mein Hauseingang manchmal dafür hin). Nein, es ist nicht toll – das steht für mich fest. Und diese Menschen unterscheiden sich für mich klar von den gut organisierten Bettel-Banden – welche man wiederum gut an ihrem eigenen Stil erkennt. Und sie unterscheiden sich auch von den Menschen, die bewusst dieses Leben gewählt haben (z.B. aus Rebellion gegen die Gesellschaft, welche man dann aber wieder anbettelt) – die gibt es auch und auch die erkennt man.

Also gut. Da stand er nun. Blickte mich fahrig an und murmelte etwas von Geld. Ich verstand es nicht genau. Ich fragte in Erwartung der für mich eh klaren Antwort „Für was brauchen Sie das Geld denn?“. Er schaute mich erstaunt an und sagte ohne zu zögern „Ich möchte am Bahnhof duschen gehen“. Oh. Ich war perplex. Duschen. Das war ja eine ganz andere Antwort als ich erwartet hatte. Am liebsten hätte ich gesagt „Nein, Sie müssen nach Essen fragen, damit ich ihnen etwas zu Essen kaufen kann und mich danach gut fühle“. Aber ich sagte lediglich „Ok, das ist…äh, gut“ und drückte ihm eine Münze in die Hand. Zwei Franken. Das ist vermutlich viel. Er schaute mich wieder an, erstaunt, dass jemand nachgefragt hat und vielleicht auch erstaunt, dass nicht nur ein abweisendes „Nein“ gekommen war.

Ja, so ist das. Ich weiss nicht, was er mit den zwei Franken macht. Ob er etwas macht, dass in mein „OK“-Raster passt (Duschen gehen, Essen kaufen, Hundefutter besorgen….) oder nicht. Aber eigentlich spielt es auch keine Rolle.

Popstars

Arme Jungs. Arme Mädels. Arme Sternchen. Arme Pop-Sternchen. Genauer gesagt, angehende Pop-Sternchen. Eigentlich auch nur möglicherweise angehende Pop-Sternchen.

Es flimmert wieder. Über die Bildschirme der erprobten Zuschauerschaft. Da ist Hoffnung der Nachbar der Enttäuschung. Da ist Zuversicht die Schwester der Angst. Da ist viel ich und wenig wir. Und da ist Glitzer und Glamour. Eigentlich glitzert es mehr als es glamourt. Und primär glitzert es in den Augen der Protagonisten. Träume werden geschaffen und achselzuckend wieder vernichtet. Karrieren werden angestossen und kurz darauf gut in Szene gesetzt über den Bühnenrand gekippt. Freundschaften werden gefördert um fast chancenlos auf die Probe gestellt zu werden. Sensibler Selbstwert wird aufgebaut um dann mit bedauerndem Blick ausgeweidet und auf dem Silbertablett serviert für die Quoten geopfert zu werden.

Ich bin gerührt und geschüttelt.

Das Rezept ist einfach. Man nehme ein liebes, nettes Musterkind, welches früher auf der Hauptschule beim Kanon-Singen Bestnoten bekam und Mutti immer schön im Haushalt geholfen hat. Dazu ein Ghetto-Girl mit Strafregistertendenz und fiesem Blick, der vom üblen Leben am Rande der Gesellschaft erzählt. Weiter ein vaterlos aufgewachsenes Geschöpf voller Wut und Orientierungslosigkeit und mit einem Drang zum schlichten. Gesetzt ist auch der Tattoo-übersähte Moppel in Rockerkluft mit in zwanzig Tagen gewachsenem 3-Tage-Bart und mit dem geheimen Wunsch nach einem Einfamilienreihenhaus. Nicht fehlen darf das urbane, aufgedrehte Magermodel mit Flair zum Trend und obligater Pudernase. Migrationshintergrund liefert der feurige Charakter mit krausem Wuschelhaar, anstossender Zunge und einnehmendem Hüftschwung. Und ein kleines, scheues Rehlein mit Klimperblick, Heimweh und Umstylingbedarf.

Eine wichtige Zutat ist die natürlich auch die Jury. Eine Portion sympathisches Urgestein mit hochentwickeltem Gerechtigkeitssinn, überentwickelten Tränendrüsen und dem one and only Hüftschwung überhaupt. Dann meistens ein zu klein geratener, erfolgreicher Musikbranchen-Mann und mit trotz lautem Bellen für sich gepachteter Unscheinbarkeit. Und dann noch eine Frau, sexy, durchgedreht oder mit Akzent – Hauptsache Frau.

Alles gut mischen. Im richtigen Moment das Wichtige ins richtige Licht rücken, damit sich alle gut fühlen (das war Hammer, echt Hammer – weiter so, so muss ein Star sein). Und dann im schlechtesten Moment alle Fehler ins richtige Licht setzen (das war jetzt aber echt Scheisse – warum bist du hier, was soll das) und der Welt die Wunden zeigen.

Dazu noch ein paar sexy Klamotten. Flotte Musik. Unkontrollierte Aussagen. Gut gemeinte Gemeinheiten. Schöne Bilder. Scheinwerfer. Euphorie. Verzweiflung. Menschliche Menschen. Unmenschliche Zustände.

Das Ganze ein paar Monate flimmern lassen. Die jungen Menschen konstant überfordern. Dann die Guten ins Kröpfchen, die Schlechten ins Töpfchen. Und gut ist.

We love to entertain you. Ich bin geschüttelt- aber nicht gerührt…

Robbie Williams

Er ist wieder da! Na und – sagen die Männer. Und wir Frauen – wir schmelzen wie Eis. Wir zergehen wie eine cremige Praline auf der Zunge. Wir sabbern und geifern. Wir tänzeln wie läufige Katzen…

Im Ernst. Der Kerl ist der Hammer. War er schon vor zehn Jahren. Wird er auch in zehn Jahren noch sein. Ja, ist so. Würde eine von uns cool bleiben, wenn er vor ihr stehen und seine Schnute ziehen, einmal mit den Hüften kreisen und „Hi Babe“ sagen würde? Reinziehen, meine Damen, reinziehen würden wir ihn – gebt’s zu. We would love to entertain him, Ladies!

Aber ich natürlich, als glücklich verliebte Oma jenseits eines möglichen Robbie-Beuteschemas, gehe da ausser Konkurrenz. Robbie Williams, der nette Kerl, würde mir in der Strassenbahn Platz machen, mir über die Strasse helfen oder mir die Ginko-Tabletten aus der Packung schälen. Vielleicht würde er mir auch eine seiner vielen bunten Pillen geben und ich würde auf dem Tisch tanzen wie in meinen besten Zeiten. Aber das würde er wohl nicht wirklich wollen. Ich auch nicht. Und ihr erst recht nicht.

Hey, was zählt ist: Er ist wieder da. Schlicht und einfach wieder da. Rank, schlank, gesund und verliebt. Gut so. Er darf verliebt sein, er darf sie sogar heiraten, schwängern und für alle Zeiten glücklich mit ihr sein – es interessiert uns nicht, weil wir keine Beziehung mit ihm wollen. Wir wollen lediglich schwärmen, gucken und träumen. Während unsere Männer für den Hollywood-Dinosaurier Catherine Zeta Jones oder das langbeinige Froschmaul Cameron Diaz schwärmen oder auch mit Angelina ein Bisschen Jolie machen wollen, möchten wir nur etwas schwärmen, gucken und träumen. Nichts weiter. Ohne weitere Ambitionen. So einfach gestrickt können auch wir Frauen sein…

Ach, danke Robbie, dass du es Jacko nicht gleichgetan hast bis zum bitteren Ende. Du hast die Bremse gezogen, als es schon fast zu spät war, bist am Abgrund umgekehrt, hast die Kurve noch gekriegt, bist gegen die Wand geklatscht und wieder aufgestanden, bist da durch und hast deinen knackigen Hintern wieder durchtrainiert. Für dich. Und für uns.

Danke Robbie und welcome back!

Mobility

Mein Umstieg von Auto zu öV/Mobility ist schon eine Ecke her und trotzdem habe ich Mobility erst zum zweiten Mal beansprucht. Nicht, weil ich es nicht gut finde – im Gegenteil. Aber es war bisher schlicht und einfach nicht nötig. Velo und öV (und ok, ab und an auch der Superflitzer von Herrn M.) reichen meistens vollkommen aus. Und daher erst jetzt meine zweite Berührung – und schon mache ich Mobility ein Geschenk. Eine edle Spende. Naja, nennt es ruhig einen Anfängerfehler…

Doch zurück. Ganz am Anfang stand die Buchung. Nach meiner ersten, etwas lahmen Erfahrung (sorry, aber das war eine Gurke, eine wirkliche „bei-Vollgas-bergauf-geht-grad-mal-60-Gurke“ einer unteren Kategorie) buchte ich die dritte Kategorie. Von unten, versteht sich. Ich übe mich ja in Bescheidenheit – finde ich zumindest…

Nun gut. Der Zustand des Autos brachte mich zum Schluss, dass nicht alle BenutzerInnen die gleiche Achtung vor fremdem Eigentum haben wie ich. Was mich allerdings nicht dazu bringen wird, künftig auf Mobility zu verzichten – im Gegenteil. Nun gut, nachdem ich alle Brösmeli vom Sitz gewischt, die Frontscheibe geputzt und vergeblich die Kofferraumabdeckung gesucht hatte konnte die Fahrt losgehen. Alles Prima. Mazda und ich freundeten uns rasch an, ein gutes Team. Fahren, fahren, fahren. Berge rauf, Berge runter, Geradeaus. Super.

Pieeeeps. Pieeeeeeeps. Erschrockener Blick auf das Bordcomputer-Display (dort steht alles, was wichtig ist – echt gut). „Bitte tanken“ stand da. Blick auf die Tankanzeige. Mhhhh, naja, so dramatisch sah das aber nicht aus. Aber gut, mein Bordcomputer hatte wohl seine Gründe. Und seine Erfahrungen. He’s the one.

„Falls keine Shell-Tankstelle in der Nähe ist, bitte Quittung einsenden“. So ähnlich lauteten die Anweisungen in den Unterlagen im Handschuhfach. Ja, Manno. Shell ist weit und breit nicht zu sehen. Also gut, Quittung geht ja auch. Warum die Tanköffnung bei allen fremden Autos immer auf der falschen Seite ist, ist wohl ein weit verbreitetes Phänomen. Nach dem zweiten Anlauf stand das Auto dann richtig. Bravo.

Kurzer Kampf mit dem Tankautomaten (ja, es war eine unbediente Tankstelle irgendwo in den Bergen), dann konnte das Tanken losgehen. Grosses Mädchen! Bloss, warum kommt da keine Quittung raus? Hey, ich brauche eine Quittung. Drück, drück, drück. Drüüüüüück – der Knopf schien gänzlich unbeeindruckt, der Automat spuckte keine Quittung aus. Na Bravo. Ich war kurz davor, mit den Füssen aufzustampfen.

Nachdem ich in meiner Jugend (fast) alle ???-Bücher gelesen und (fast) sämtliche McGyver-Sendungen gesehen hatte, wusste ich mir zu helfen. Handy zücken, Foto der Tanksäulenanzeige. Foto prüfen? Nö, die Sonne blendete zu sehr, da war nichts zu sehen. Dafür sah ich es dann später. Beziehungsweise sah es eben nicht. Nicht richtig zumindest. Echt schlechtes Foto. Vermutlich könnte man es bearbeiten, aufhellen oder so. Aber auch dann wäre nicht gewährleistet, dass ich ohne Quittung aber mit schlechtem Foto eine Rückerstattung bekomme.

Also, umdenken. Lösungsorientiert nennt man sowas in der modernen Welt. Gut – ich hab’s. Ich spende die rund 30 Franken an Mobility. Als Geschenk. Für die gute Sache. Oder als Teilspende für die Beschaffung einer neuen Kofferraumabdeckkung für meinen neuen Freund, den quietschroten Mazda 3…

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Frühere Artikel zum Thema:

http://berichtauszuerich.wordpress.com/2009/03/29/vom-auto-zum-ov/

http://berichtauszuerich.wordpress.com/2009/05/05/frau-w-goes-via/

http://berichtauszuerich.wordpress.com/2009/05/28/mein-erstes-mal/

Nichts ist unmöglich

Ob Bergbahnen, Wolkenkratzer, Flugzeuge oder Hängebrücken – die Höhe ist nicht Meins. Ich habe lieber festen Boden unter den Füssen.

Boden – da weiss man, was man hat. Ich fühl mich wohl, mit Boden. Boden, find ich gut. Boden ist geil! Boden macht Kinder froh und Erwachsene ebenso. Die zarteste Versuchung, seit es Boden gibt. Bitte ein Boden. Merci, dass es dich gibt….

Der Boden. Die Höhe. Diese verflixte Höhe. Sie ist immer wieder (m)ein Thema. Versucht mich dranzukriegen und mich kleinzukriegen. Aber weit gefehlt, denn ich bin nicht bereit, die Einschränkungen durch die Höhenangst hinzunehmen – geschweige denn mich von der Höhenangst besiegen zu lassen. Ich fliege, ich schwebe, ich begebe mich in luftige Höhen. Trotz zugegebenermassen teils fürchterlicher Momente. Ätsch!

So trug es sich zu, dass ich mich aufmachte, meiner Höhenangst ein weiteres Mal zu begegnen. Eine wunderschöne Walking-Route führt – so muss es wohl sein – über eine Hängebrücke. Oft hat sie mich besiegt (siehe http://www.frau-w.ch/Frau_W/Texte.html) und nun war die Reihe an mir.

Mehrere Anläufe mit kleinen, mit grossen, mit zaghaften und mit mutigen Schritten waren nötig. Dreimal sprang ich zurück auf den sicheren Boden. Dann fing ich an, laut zu erklären, dass ich jetzt über diese Brücke laufen werde. Dass ich nicht umkehren werde. Dass ich loslaufen und nicht anhalten werde. Mein Selbstgespräch dürfte den Waldbewohnern zu amüsanten Minuten verholfen haben. Egal. Kniffs und Tricks sind erlaubt. Irgendwann lief ich einfach los. Die panisch heranpeitschenden Gefühle kannte ich bereits, sie blieben auch dieses Mal nicht aus und versuchten mich zu lähmen. Den Blick starr auf die gegenüberliegende Seite gerichtet bewegte ich mich dennoch Schritt für Schritt vorwärts. Es wackelte, es quietschte, es fühlte sich alles andere als sicher an. Doch als die Hälfte geschafft war bekam ich Flügel. Ich schwebte über die wakeligen Holzplanken und dann stand ich schon auf dem sicheren Waldboden. Ja! Ja-ja-ja!

Ich hab’s geschafft. Und mir einmal mehr bewiesen: Nichts ist unmöglich…

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Sesselbahn

Die Dinger bringen einem in der Regel hoch. Und machnmal auch wieder herunter. Mich bringen sie schlicht und einfach nur zur Verzweiflung.

So geschehen am letzten Wochenende. Herrliches Herbstwetter in den Bergen, strahlend blauer Himmel, warmglitzernde Sonnenstrahlen, wunderbare Sicht. Also rauf. Rauf auf einen Berg und Aussicht geniessen. Die schönen Bilder einsaugen. Kraft tanken. Aufgrund der leicht unter dem momentanen Arbeitspensum leidenden, mangelhaften Kondition muss zumindest das „rauf“ gefahren werden – soviel stand fest. Das „runter“ kann man dann ja laufen. Herr M. und ich waren uns einig. Guter Plan.

Guter Plan? Ha! Umgehend meldete sich das Angst-Zentrum. Hey, sagte es, du willst auf einen Berg? Wohl nicht etwa mit einer dieser schlimmen Bergbahnen? Du hast Höhenangst – du wirst ja wohl nicht… Wusch. Wusch. Wusch-Wusch. Ich schüttelte den Kopf wie ein nasser Hund und wuschte die Gedanken weg. Ich lasse mir durch meine Höhenangst keinen Strich durch die Rechnung machen. Basta. Ab gehts!

Zustand bei der Hinfahrt: Nicht nervös. Zustand beim Ticketkauf: Leicht nervös. Zustand beim durchschreiten des Kontroll-Drehkreuzes: Sehr nervös. Das Geräusch der eintreffenden und wieder losfahrenden Sessel wiederspiegelte meinen Zustand. Kschhhh-Rattata-Ghhhhrrrgggg-Rattataaaa-Flllhhhttttthhhh….. Ja, kommt gut hin.

Herr M. zögerte nicht lange und wies mir mit verständnisvollem Nachdruck einen Platz auf einem der langsam vor sich hinruckelnden Sesseln zu, den ich durch nervöses Hin- und Herspringen erst noch dreimal wechselte. Als ich dann sass zischte ich ihn an, er solle gefälligst umgehend dieses Metallgestänge herunterziehen. Geduldig aber auch mit einem etwas fiesen Grinsen tat er wie geheissen und ich konnte mich endlich an etwas festklammern. Und schon gings los. Rattataaa-Flllhhhtttthhhh… der Sessel schwebte innert Sekunden in luftiger Höhe und ich brabbelte nur noch panisch „Oh Gott, oh Gott“ und klammerte mich fest.

Schau, wie schön – und gar nicht hoch! Die Dinger sind ja auch sowas von sicher. Es ist gar nicht schlimm, siehst du… Herr M. tat wirklich alles, um es mir leichter zu machen. Sehr nett. Danke auch. Aber wir schwebten zu hoch in der Luft, um auf irgendetwas eingehen zu können. Darum winselte ich weiter vor mich hin und versuchte den lästigen Höhenschwindel in den Griff zu bekommen. Die kleinen Feldmäuse auf der Wiese unten reckten die Hälse zu uns hoch und sangen „Auf dem Boden da ist’s schön, auf dem Boden da ist’s sicher….“. Die Grashalme wippten fröhlich im Takt des Mäuseliedes und die Äste der Bäume streckten sich bedrohlich nach unserem wackeligen Gefährt – vermutlich um es aus der Bahn zu stossen. Meine Hände krallten sich gleichermassen in Mann und Sesselbahn.

Da, schau mal dieser schöne See… Herr M. drehte sich Richtung Tal und fuchtelte freudig mit den Armen -  und meinem Empfinden nach wackelte unser Sessel so, dass er zu drohen kippte. Ich nötigte ihn mit dramatisch herausgepressten, verbalen Ergüssen dazu, sich wieder ganz ruhig hin zu setzen und sich gefälligst nicht mehr zu bewegen. Der arme Kerl. Vermutlich lief er in Kürze blau an, weil er sich nicht einmal mehr zu atmen getraute. Das traf dann aber zum Glück nicht ein.

Irgendwann schloss ich dann doch die Augen, zu steil, zu hoch und zu schrecklich war es. Verkrampft presste ich Anordnungen heraus: Sag mir wie weit es bis zum nächsten Masten ist. Wann sind wir oben… undsoweiter. Geduldige Antworten mit präzisen Angaben folgten.

Endlich. Rattataaa-Flllhhhtttthhhh… wir waren oben. Endlich! Nie wieder! Nie, nie, nie wieder! Metallgestänge weg, zittriger Stand auf sicherem Boden. Halleluja! Mein neues Motto: Leben statt schweben!

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Spok und Jumbo

Plupp. Und nochmals Plupp. Oder Plopp. Und nochmals Plopp. Oder Kschhhhschhhh. Und nochmals Kschhhhschhhh. Gefolgt von Plopp. Oder Plupp. Oder Plipp-Plopp. Erst links, dann rechts.

Oh, pardon – ich spreche von meinen Ohren. Da herrscht ein kleines Druckausgleichsproblem. Kommt von der Erkältung. Aber das ist nicht das Thema. Das Thema ist das  visuelle Ungleichgewicht zwischen links und rechts. Das eine Ohr nenne ich „Spok“ und das andere „Jumbo“.

Ist echt so. Die Lauschmuschel rechts kam bei der Knorpelverteilung zu spät und flattert sein nunmehr knapp vierzig Jahren fröhlich vor sich hin. Links herrscht eher Normzustand. Oder ist es doch umgekehrt? Egal. Die beiden Dinger sehen nicht gleich aus. Und so liess sich kurz nach meiner Geburt eine Nachbarin zur Bemerkung: „Es ist ja ein Herziges, aber jesses, es hat ja schon ein bisschen ein eigenes Öhrchen, nicht wahr…“ hinreissen, worauf sie bei meiner Mutter unten durch war. Sowas von unten durch aber auch.

Später dann fiel mein Jumbo-Ohr hautpsächlich auf Fotos auf. In der Kunstwelt hiesse so etwas: „Weiss leuchende Muschel aus dunkler Haarpracht“. Ziemlich deutlich sichtbar wurde der Mangel dann beim Tragen eines Reithelmes. Ich versuchte immer die Ohrmuschel unter den Helmrand zu klemmen, worauf sie beim Trab – spätestens aber beim Galopp rausflutschte und sich mein visuelles Problem unübersehbar präsentierte.

So richtig lustig war es auch, als ich mir im frühen Jugendalter in den Skiferien bei widrigen Wetterverhältnissen Erfrierungen an den Ohren zuzog. Die angefrorenen Ohren standen im aufgetauten Zustand rot leuchtend ab. Ein Leichtes sich vorzustellen, dass das Jumbo-Ohr gewisse Aufmerksamkeit auf sich zog.

Erstaunlicherweise war das so gut sichtbare Problem nicht wirklich ein Problem für mich. Das lag wohl daran, dass mein Umfeld mir immer wieder versicherte: „Das sieht man üüüüüberhaupt nicht“. Oder: „Wenn du nichts gesagt hättest, wäre mir das nieeeeeee aufgefallen“. Tjaja, es ist schön, so geliebt zu werden…

Und so halten mich „Spok“ und „Jumbo“ noch heute nicht davon ab, mir einen Pferdeschwanz zu binden. Oder mir die Haare hinter die Ohren zu streichen. Ich kann auch mit unbewegter Mine aber doch amüsiert die unsicheren Blicke der neuen Frisörin beobachten. Und ich beziehe das freudige Tröten beim Elefantengehege im Zoo nicht auf mich…

PS. Und sollten Spoks Verwandte je mit ihrem Raumschiff auf der Erde landen, strecke ich ihnen mein linkes Ohr hin und gut ist…

Hotel-Haare

Es ist ja nur eine Nacht. Luxus muss nicht sein, Hauptsache sauber. Wir schlafen ja nur dort. Das entstresst enorm. Dann müssen wir nicht mehr fahren. Das waren meine Überlegungen bei der Hotel-Buchung.

Den Überlegungen lag eine Essens-Einladung bei Freunden am schönen Vierwaldstättersee zu Grunde. Vorgeschlagen wurde uns vom Gastgeber himself eine Auswahl von Übernachtungsmöglichkeiten.

Das Gästezimmer wollten wir nicht in Anspruch nehmen, da unser Gastgeber zur Zeit knochenmässig etwas gebrochen drauf ist. Da uns der Grad des Leidens nicht im Detail bekannt war (Gipsbein kann ja weit gefasst werden), wollten wir nicht noch zusätzlich Arbeit machen und entschieden uns zur externen Nächtigung.

Das eine vorgeschlagene, wundervolle, schöne, luxeriöse und in allen Landen bekannte Hotel war zwar auf den ersten Blick verlockend aber a) muss man ja nicht gleich soooo unvernünftig sein und schlussendlich ausschlaggebend für einen negativen Entscheid war b), dass wir uns bei dieser Hotelwahl nach dem geselligen Abend trotzdem noch ins Auto hätten setzen müssen.

Darum fiel die Wahl auf das einfache, nett tönende 3-Sterne Seehotel wenige hundert Meter vom Ort des Gastgeberwohnsitzes entfernt. Ideal. Auto beim Hotel lassen. Rüberlaufen. Zurücktorkeln. Schlafen. Perfekt.

Da die Website zur Zeit nicht in Betrieb ist (nein, das machte mich nicht skeptisch) rief ich an und fragte nach einem freien Zimmer. Ich erfuhr, dass noch ein normales und ein Superior-Zimmer verfügbar seien. Ich buchte das Superior-Zimmer (so ganz kann ich es ja nicht lassen…) und gab meine Koordinaten an. Sofort nach Bekanntgabe meiner Zürcher Adresse (so schien es mir zumindest…) wurde ich noch freundlich darauf hingewiesen, dass sie ein ländliches 3-Sterne-Haus seien und das Hotel nicht sehr luxeriös und auch schon ein bisschen alt wäre. Aber die Superior-Zimmer wären schön gross… Aha, ja gut – alles klar… Da war dann aber noch die Sache mit dem Einchecken….

Frau W.: Bis wann können wir anreisen?
Hotel: Also, einfach im Verlaufe des Tages.
Frau W.: Wir reisen erst am Abend an.
Hotel: Also einfach nicht in der Nacht, wir sind nur ein 3-Sterne Haus, da ist die Reception nicht lange besetzt.
Frau W.: OK – bis wann können wir denn einchecken?
Hotel: Also, tja, lieber nicht zu spät.
Frau W.: Was heisst das – bis wann ist es spätestens möglich?
Hotel: Also, tja, halt lieber früh.
Frau W.: Was heisst früh?
Hotel: Also, manchmal ist ja schon jemand länger da – aber nicht immer.
Frau W.: Aha – bis wann können wir denn bitte einchecken?
Hotel: Also, mh, bis 21h ist sicher jemand da.
Frau W.: OK, dann kommen wir vor unserer Einladung, so um 18 Uhr.
Hotel: Ahhh, das ist gut.

Nach diesem Telefonat ging es schon bald los. Das Hotel lag wie versprochen direkt am See und wir schnappten uns den letzten Hotel-Parkplatz. Direkt nach dem Hoteleingang empfingen uns neben viel Nippes viele dunkle Farben. Dunkle Holzmöbel, dunkle Holztreppe, dunkle Reception, dunkelroter Teppich. Hallo erst mal. Einchecken, Riesenschlüssel entgegennehmen, einen Stock die Treppe mit dem – natürlich dunklen – Teppich hoch. Das Hotel schien vollgestopft mit nützlichen und unnützlichen DIngen – eine ausgesteckte Schuhputzmaschine beeindruckte mich besonders, vielen Pflanzen und vor allem wenig Licht. Die Zeit war hier vor mindestens fünfzig Jahren stehengeblieben.

Warum auch immer eine hohe Schwelle am Eingang des Zimmers zu überwinden war – wir stolperten beide fluchend darüber. Das Zimmer war gross, richtig gross. Und antik, richtig antik. Ein dominanter Geruch nach Mottenkugeln besetzte den Raum. Hellblaufleckiger Teppichboden, alte dunkle und alte mitteldunkle Möbel, ein mittelalterlicher Fernseher und eine Sitzecke, in die man sich aber irgendwie nicht setzen möchte. Immerhin Fenster, drei an der Zahl. Mit direktem Blick auf den grossen Parkplatz. Aber auch auf den See. Hallo See. Und mit Blick  zum Haus unserer Gastgeber, wie wir später herausfanden.

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Ich liebe schöne Dinge und man könnte mich ab und an durchaus mit „Luxustussi“ bezeichnen – aber eine einfache Bleibe ist absolut kein Problem. Echt nicht. Wirklich. Hauptsache sauber. Noch rasch zur Toilette und dann mussten wir auch schon los… Gesagt getan, ab ins Badezimmer. Huch – da liegen ja ein paar Haare in der Ecke. Gleich neben dem gelblich, verblichenen Abfalleimer und rechts von der WC-Rollen-Halterung mit den alten Wasserflecken…. Aha. Hmmm. Nun gut, kann vorkommen…

Nach einem wunderschönen Abend mit gutem Essen und netter Gesellschaft stolperten wir bei der Rückkehr wieder über die Zimmer-Schwelle. Ausziehen, Badezimmer, Bett. So war der Plan. Ausziehen und Badezimmer-Besuch verlief wie vorgesehen. Ab zum Bett. Auf jeder Betthälfte befand sich ein grosses und ein kleines Kissen. Grosses Kissen weg, kleines Kissen hinlegen. Oh, da ist ein Haar. Nicht meine Farbe, nicht meine Länge. Hm. Kissen drehen. Noch ein Haar. Krise schieben. Mann’s Kissen bekommen. Ohne Haar. Bettdecke zurückschlagen und genau betrachten. Noch ein Haar. Geht gar nicht. Kurzes verbales ausflippen. Mann beruhigt, meint es können ja auch Haare des Zimmermädchens sein. Grauenvolle Berichte von unhygienischen Zuständen in Hotels ziehen an meinem inneren Auge vorbei. Im Wissen, dass die Reception nicht mehr besetzt ist und wir für eine Rückfahrt viel zu müde sind, kapituliere ich. Ausnahmsweise. Stell dir vor du bist auf einem Pfadi-Ausflug. Das ist lustig. Gut. Handtuch aufs Kopfkissen und rein ins Bett.

Nach einer unruhigen Nacht, die neben den Gedanken an die Hygiene auch noch geprägt war von betrunkenen Menschen, die sich im Halbstundentakt auf dem grossen Parkplatz direkt vor dem Hotelzimmer tummelten im Wechsel mit einem zufriedenen Schnarchen von der anderen Bettseite kam mein Zustand am nächsten Morgen dem Begriff „gerädert“ sehr nahe. Die Abreise erinnerte dann auch eher an eine träge Flucht. Bloss weg hier.

Einen schönen Abschluss fand der Besuch dann aber doch noch, denn unsere Gastgeber verwöhnten uns mit einem herrlichen Brunch mit Blick auf den See, auf ein Gipsbein, mit Original Swissair Businessclass Besteck – und vor allem mit netten Menschen…

PS. Mensch und Kleider wurden Zuhause einer gründlichen Reinigung unterzogen…

Umweltdingsbums

Ich trenne Papier und Karton. Ich bringe die Pet-Flaschen (wenn auch nicht immer flachgedrückt) in die Sammelstelle und entsorge das Glas mit männlich-knurrender Unterstützung sogar korrekt nach Farben. Ich sammle Batterien im Norm-Sammelsäckli und bringe sie zurück. Ich werfe den Abfall im Freien in den Abfalleimer und niemals auf den Boden. Ich vermeide wenn möglich den Kauf unnötiger Verpackungen. Ich lasse im Tram keine Zeitungen auf dem Sitz liegen. Ich kaufe mit Vorliebe heimische Bio-Produkte von glücklichen Bauern (glücklich weil Produkte teuer) und aus glücklichen Tieren und Pflanzen (weil eben glücklich bis zum bitteren Ende). Ich habe mein Auto verkauft und fahre primär öV und Velo. Wenns dann doch vier Räder sein müssen, miete ich ein Mobility-Auto. Ich wasche die Wäsche mit dem Eco-Sparprogramm. Hätte ich ein Haus, wäre es ein Minergie-Haus. Das ist es dann aber auch mit dem güldenen Umweltbewusstsein.

Denn ich heize sobald es kühl wird alle Räume meiner Wohnung bis ich warm genug habe (und das geht lange). Ich lasse das Licht auch in Räumen an, in denen ich mich nicht aufhalte – weil ich es einfach gerne mag, wenn Licht brennt. Ich trinke Nespresso-Kaffee. Ich lasse Akkaufladekabel und Elektrogeräte generell eingesteckt auch wenn ich sie nicht brauche. Grünabfall landet im Abfalleimer (ja sorry… ich wohne in der Stadt…). Duschen zieht sich je nach Gemütslage in die Länge. Ich lüfte auch mal durch, wenn die Heizungen an sind. Ich würde im Rahmen eines mentalen Schwächeanfalles sofort in ein (natürlich richtiges – also nicht jedes) Auto sitzen, wenn man es mir vor die Türe stellen würde. Ich trinke Wein aus Übersee. Ich lasse meine angegrauten Haare mit chemischen Mitteln in die Originalfarbe  zurückfärben. Ich fliege in die Ferien.

Eine Heillige bin ich also nicht – aber auch kein Umweltmonster. Ich bewege mich umweltmässig im gut schweizerischen Durchschnitt…

PS. Ob der gut schweizerische Durchschnitt in jedem Fall anstrebenswert ist, sei dahingestellt…

Gummibärchen

Gummibärchen werden in Maschinen geboren und gleich nach der Geburt in Massenhaltung in Tüten eingesperrt. Irgendwann werden die armen Süssen aus ihrem engen Gefängnis befreit um gleich darauf in einem gierigen Schlund zu verschwinden, von einem Beissapparat gnadenlos zermalmt zu werden – und wer dann noch lebt, dem gibt die Magensäure den Rest. Das ist eine Tatsache.

Tatsache ist aber auch, dass es auch in der mittlerweile 87-jährigen Haribo-Gummibärchenwelt eine Klassengesellschaft gibt. Die Grünen, mit Jahrgang 2007 die Jüngsten im Bund, sind zum Beispiel untervertreten und die Weissen sind die Gewinner. Zumindest in meinem Test.

Nachdem ich heute aus der Tageszeitung meiner Wahl erfahren habe, dass jedes dritte Gummibärchen rot sein soll (obwohl diese die Unbeliebtesten sind), musste ich die Gleich- oder eben Ungleichstellung der Gummibärchen prüfen. Gesagt, getan.

Eine Packung Gummibärchen kaufen. Packung aufschneiden. Gummibärchen-Horde befreien. Gummibärchen-Horde nach Farbe sortieren ohne zuzubeissen. Gummibärchen je Farbe zählen. Aha! Von wegen Rot gewinnt! Ich vermelde:

  • 7 x Grün (Apfel)
  • 11 x Orange (Orange)
  • 13 x Weinrot (Himbeere)
  • 13 x Gelb (Zitrone)
  • 14 x Hellrot (Erdbeere)
  • 15 x Weiss (Ananas)

Gerechtigkeit ist wichtig. Und so habe ich (trotz Diät) die untersten drei Reihen so würdig wie möglich vertilgt, so dass jetzt ein Gleichgewicht besteht. Die Gerechtigkeit ist wiederhergestellt aber mir ist schlecht. Aber was tut man nicht alles im Namen der Wissenschaft…

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Frau H.: Falls du von der Insel aus bestellen willst: http://www.haribo.de/planet/de/shop/index.php?liste=1

Mallorca in Schön

Jaja, richtig – Mallorca gibt es auch in „Schön“. Korrekt! Check it out: http://www.frau-w.ch/Frau_W/Ferienfotos.html

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Kurven auf Mallorca

Mallorca, Sommer 2009: Hochgepresste Riesenbrüste schreien in viel zu knappen Textilien nach Freiheit, derweil manch unverhüllter, in die Jahre gekommener Bierbauch mit einem verhüllenden Textil besser beraten gewesen wäre.

Echte und unechte Riesenbrüste werden so weit wie möglich nach vorne gereckt, derweil echte Bierbäuche unter höchster Anstrengung so weit wie möglich eingezogen werden.

Gemeinsam ist ihnen das recken nach dem ultimativ bräunenden Sonnenstrahl und ihren Besitzern das streben nach Beachtung – worin ab und an eine körperliche Zusammenführung resultiert. Förderlich hierfür dürfte auch der konsequente Nonstop-Alkoholkonsum sein, welcher einer mehrtägigen Ganzkörpermarinade nahe kommt und aus unerfindlichen Gründen anstrebenswert scheint.

So kriegt manch einer die Kurve wegen überhöhter Lebergeschwindigkeit nicht und kommt vom Pfad ab.

Dies empfiehlt sich einerseits grundsätzlich nicht, andererseits ist dies besonders bei bestimmten Kurven auf Mallorca strikt zu vermeiden. Gemeint sind hier die Serpentinen im wunderschönen Hinterland, die manch partymarinierter Hinterwäldler aber gar nicht erst zu Gesicht bekommt. Hierzu müsste man nämlich a) wissen, dass es nicht nur den 150 x 20m Strand vor dem Hotelbunker und das 365 x 24 Partyleben gibt und b) irgendwann einmal genug nüchtern sein, um sich eines Mietwagens zwecks sich lohnender Hinterlandsbesichtigung behändigen zu können. Dies würde bedingen, das Niveau nicht schon bei der Ferienbuchung oder spätestens am Flughafen abzugeben. Man müsste zudem bereit sein, Valdemossa nicht mit einem hochprozentigen Drink, Soller nicht mit dem braungebrannten Bademeister und Formentor nicht mit einem Medikament gegen Alkoholmissbrauch gleichzusetzen.

Oft soll es aber nicht sein und so pferchen sich die partywilligen Riesenbrüste und Bierbäuche scharenweise an die architektonisch verschandelten Küstenteile, marinieren sich abwechselnd klebrigem Sand und Sangria aus bunten Plastikeimern und geben sich mit der 10 Euro-pro-Tag Liegestuhl-Sonnenschirm-Kombi in Reihe 5 zufrieden. Braungebrannte und braunzubrennende Körper räkeln sich an der Sonne, zucken zu angesagten Partywummern oder räkeln und zucken sich gleichermassen in feucht- und vorgeschwitzten Leintüchern durch die Ferien.

Im besten Fall werden die Ferien als „anspruchslos aber OK“ abgebucht. Im zweitbesten Fall bestehen die Nachwehen in einigen peinlichen Ferienfotos und gebrüsteten Abenteuerberichten. Im schlechtesten Fall enden sie in interkulturellen Geschlechtskrankheiten oder gar in Geburtswehen (was nicht per se schlecht sein muss). Ob das kleine, vaterlos aufwachsende Urlaubsmitbringsel dann herkunftsmässig James, Pablo, Wolfgang oder Sören heissen soll, dass weiss niemand so recht aber Hauptsache der Urlaub auf Mallorca bleibt in guter Erinnerung. Und James, Pablo, Wolfgang und Sören werden glücklicherweise erst viel später realisieren, dass dies eigentlich der Sommer ihrer Zeugung, sprich ihres Lebens war…

Der Apfel

Ich werde ein Buch schreiben. Soweit sogut. Bloss – die Geschichte handelt aus der Perspektive eines Apfels. Ja, richtig, eines Apfels.

Hast du deine Medikamente heute noch nicht genommen? Wie jetzt, Apfel? Haha, du bist  immer so komisch. Hör doch auf und lass mich weiterlesen (alternativ: arbeiten/kochen/malen/fernsehen/die Wand betrachten oder dem Gras beim wachsen zusehen…). Klar, aber wie wärs mit einer Brombeere? Spinnst du? Ja – sag mal, wann hast du eigentlich endlich Ferien? Was sagt dein Therapeut dazu? Und soll das dann lustig sein? Wie soll das gehen? Wer soll das lesen? Niemand schreibt ein Buch über einen Apfel. Jaja, klar… (tätschel-tätschel).

Die meisten Reaktionen sind gelinde gesagt nicht geprägt von aussergewöhnlicher Euphorie. Diese ist meinerseits hingegen ungebrochen. Ich sehe in meiner Idee nach wie vor unglaubliches Potential.

Man stelle sich in etwa Folgendes vor: Ein süsses,  kleines Babyäpfelchen wächst am knorrigen alten Apfelbaum heran. Nur schon der Baum hat seine Geschichte zu erzählen. Mitgehangen – mitgefangen, auch die Mitäpfel haben ein bewegtes Leben, über das es sich zu berichten lohnt. Mein Babyäpfelchen wächst also  heran, freundet sich mit dem Wurm in sich an und wird gross und stark. Sein Leben ist kurzweilig, steht doch direkt unter dem Apfelbaum eine Bank, auf der sich tagsüber die verschiedensten Gestalten tummeln. Und wenn der Tag zur Nacht wird streichen dunkle. fellige Geschöpfe durch das hohe Gras unter dem Baum, bleiben manchmal sitzen und erzählen vom Leben im Wald, unter dem Boden oder im Bauernhaus am Ende des Feldes . Von Birnenbaum in der Nähe trägt der Wind ab und an den Gesang des Birnenchors heran und die sauren Kirschen von Gegenüber hängen sich meist missmutig durch den Tag. Kein Wunder, bei soviel Kern und sowenig Fleisch. Der Wind blättern im liegengelassenen Schwedisch-Wörterbuch und so lernt der Apfel auch noch schwedisch – ein zweisprachiger Apfel ist irgendwie schon sexy und die Wiesenschaumkrautdamen tanzen mit den Farnersfrauen verführerisch im Wind um die Wette. Ab und an fällt ein Mitapfel runter und das Apfelleben nimmt seinen Lauf.

Ich lasse es noch offen, wie sehr und wie lange der Apfel eine Rolle spielt, ob die Geschichte vielleicht nur dort anfängt und wieder dort endet und ob das alles einen Sinn macht. Ich weiss noch nicht, ob es ein Liebesroman, ein Krimi oder ein halbweiser Lebenserguss wird. Es spielt auch noch keine Rolle. Hauptsache ich glaube daran…

Körbchen

Was soll ich sagen – Funktionalität siegt über Design. Praktisch muss es sein. Einmal mehr und schon wieder. Es könnte mich bedenklich stimmen. Aber nun gut – sei’s drum.

Es ist eigentlich ganz simpel. Sowohl das Problem, wie auch die Lösung. Wobei der irgendwie lächerliche aber doch zeitweise intensive (primär ego-interne) Imageschaden wohl noch Wochen an mir nagen wird.

Was ist passiert? Nun, ich habe für mein Stadtvelo ein Körbchen gekauft. Ja, ein Körbchen. Körb-chen. So ein praktisches, hässliches Gitter-Teil. Das klemmt man auf den Gepäckträger und muss fortan nicht mehr schwere Taschen an den Lenker hängen und gefährlich schwankende Fahrten überstehen. Man muss auch keine Taschen mehr auf den Gepäckträger klemmen und die ganze Zeit nach hinten fassen um festzustellen, ob die Ladung noch hält oder ob sie schon bedenklich schief in der Gegend hängt – was durchaus vorkommt, leider.

Also hat so ein Körbchen – abgesehen vom Image – eigentlich nur Vorteile. Dachte ich mir und kaufte eins. Nein, ich bin natürlich nicht extra ins Fachgeschäft gefahren, um ein Körbchen zu kaufen. Nein, nein. Es verhielt sich vielmehr so, dass Mann für sein edles Designerstadtvelo (natürlich stimmt dort Design UND Funktionalität) eine Klingel und Lichter brauchte. Und derweil Mann sich die besagten Utensilien zusammensuchte, schlenderte ich durch die Regale und mein Blick verharrte bei den Körbchen. Meine Gedanken schweiften zu oben erwähnten Problemen und schwups war das Körbchen gepackt. Alsbald war auch Richtung Mann verkündet, dass dieses Körbchen nun neu mein Körbchen ist. Für mein Stadtvelo. Weils praktisch ist. Mann meinte betont loker „Oooo-keeee“ – aber eigentlich schrie seine Mimik sein ganzes Elend über diesen Sieg der Funktionalität über Design heraus. Gesichtszüge können auch entgleiten, wenn sie nicht entgleiten.

Nun, die Vorteile. Prima. Tasche rein ins Körben und losgeflitzt. Naja, vor dem losflitzen muss man erst mal das eine Bein so hoch schwingen, dass es nicht am Körbchen hängenbleibt. Touché! Nach zwei Versuchen hat das dann auch geklappt. Mist, daran hatte ich nicht gedacht. Jedesmal einen halben doppelten Rittberger (oder was auch immer dieser unmenschlichen Bewegung näher kommt) hinlegen, wenn ich wohin radeln will? Naja, wir werden sehen…

körbli

Zahnarzt

Mal ehrlich – wer geht schon gerne zum Zahnarzt. So richtig gerne, meine ich. Ich spreche von Vernügen pur. Jauchzen. Grenzenlose Vorfreude. Nervöses kaum-erwarten-können. Niemand! Nur irgendwelche Menschen mit einer Störung im Oberstübchen. Oder mit Drogen vollgepumpte Gestalten. Hypnotisch ausser Gefecht gesetzte Personen. Oder ganz einfach Masochisten. Oder auch Leute, die sich in ihren Zahnarzt verknallt haben. Alles Spinner!

Ich zumindest gehöre definitiv nicht dazu. Und ich meine damit nicht, dass ich einfach nur ein bisschen Bammel habe. Oder ein unwohles Gefühl. Nein – es bedeutet totale Panik (mit tagelangen Vorläufern), irrationales Verhalten, hysterische Anwandlungen, Fluchtgedanken bis hin zur tatsächlichen Flucht, Heulkrämpfe – ich habe schon alles geboten. Weil – Zahnarzt geht gar nicht.

Aber heute war es wieder einmal soweit. Nach einer langen Schmerzphase aufgrund nicht erkanntem Zahnproblem (nein, es waren halt nun wirklich nicht die Kieferhöhlen und nein, es war auch nicht der für Diagnosen so beliebte Stress) und einer nicht minder üblen aber mit dem heute bevorstehenden Gemetzel verglichen eher harmlosen Untersuchung in der Vorwoche schlug heute die Stunde der Wahrheit.

Meine Taktik, den Termin schlussendlich auch wirklich wahrzunehmen: Allen erzählen. Hey, wie gehts, du am Mittwoch muss ich zum Zahnarzt. Hallo zusammen, mein Name ist Frau W. und ich gehe nächsten Mittwoch zum Zahnarzt. Ich hätte gerne zwei Äpfel und eine Nektarine und ich gehe nächsten Mittwoch zum  Zahnarzt. Hier fünf Hemden für die Wäscherei, ich gehe nächsten Mittwoch zum Zahnarzt und hier noch eine Hose. Kannst du am Mittwoch die Pflanzen giessen, ich muss zum Zahnarzt. Am Mittwoch können wir keine Besprechung abhalten, da muss ich zum Zahnarzt…

Meine Taktik, der bevorstehenden Behandlung den Schrecken zu nehmen: Infos bis zur totalen Überreizung reinziehen. Also ran an Google und Google-Bilder und surfen was das Zeug hergibt. Würg. Schlimmer gehts nimmer. Am schlimmsten und daher ganz oben auf der „Um-Himmels-Willen“-Skala sind die Foren. Kranke Menschen teilen sich anderen kranken Menschen mit und die anderen kranken Menschen beurteilen mit dem ihnen wegen ihrer Krankheit vermeintlich zustehenden Fachwissen die Krankheiten der kranken Menschen. Und richten damit mehr an, als ab. Aber egal. Ein herrliches Tummelfeld für schrecklichste Szenarien. Die Wirkung dieser Taktik besteht tatsächlich in einer aus Überreizung entstehenden Gleichgültigkeit. Naja. So etwas in die Richtung zumindest.

Meine Taktik, den Tag davor und den Tag selber zu überstehen: Sich auf dem Höhepunkt einer Pre-Panikattacke beim Doktor des Vertrauens melden und nach Mitteln zum ausschalten sämtlicher Sinne fragen. Auf dem Höhepunkt einer Pre-Panikattacke ist das besonders eindrucksvoll. Zu sagen ist: Es geht wenn möglich um pflanzliche Mittel, Chemie solls trotzdem nicht sein. Diese Taktik bringt nur schon durch die Tatsache Beruhigung, dass etwas geht. Sobald die Mittel dann da sind, sofortiges studieren der Wirkstoffe und rein damit. Einfach rein damit. Beduselt gehts halt doch etwas besser.

Meine Taktik, den Besuch selber zu überleben: Beduselung hoch halten und bis kurz vorher (ausser ein paar vorsorglich hysterischen SMS) so tun, als ob nichts wäre. Im Tram zum Arzt denken, dass jetzt gleich eine Shoppingtour folgt oder beim Hauseingang so lange auf das Schild der Fussreflexzonenpraxis starren, dass alle inkl. mir selber glauben, dass ich dorthin gehe und nicht in die Zaaaaahnaaaaarztpraxxxxis. Beim eintreten in die Praxis denken, dass man nur die supergute Zahnseide kaufen will und dann gleich wieder geht. Sich im Wartezimmer vorstellen, dass man nur auf einen guten Freund wartet, der nach einer Behandlung abgeholt werden muss. Auf dem Zahnarztstuhl angekommen und das Lätzchen umgehängt ist dann allerdings Schluss.

Meine Taktik, die Behandlung zu überstehen: Dem netten Zahnarzt und der netten aber noch unglaublich jungen Assistentin noch einmal ganz eindrücklich die Panik schildern und was alles passieren kann. Die Blicke ignorieren, die beide einander zuwerfen. Dem netten Zahnarzt mit in den Stuhl verkrampften Fingern zuhören, was er alles machen wird, bis ins Detail nachfragen und sich dann schlussendlich der Situation ergeben. Die Macht der Gedanken voll ausschöpfen, Mantra um Mantra, Phantasievorstellungen mit schönen Plätzen in den Bergen und auf Inseln und schlicht und einfach aushalten. Fakt ist, die Behandlung ist grässlich. Netter Doc und sanfte Methoden hin oder her.

Meine Taktiv, die Zeit danach zu überstehen: Auf dem Heimweg unbedingt noch bei Sprüngli vorbei. Vier Vanille-Luxemburgerli und weisse Schoggi-Truffes. Entlastungs-SMS an alle vorher gequälten Mitwisser. Dann nix wie heim, Süssigkeiten in den Kühlschrank, Schmerzmittel einwerfen, ab ins Bett. Nach Stunden des beduselten vor sich hin Dösens wieder aufstehen, Süssigkeiten reinziehen und das Erlebte mittels aufschreiben verarbeiten.

Zurück bleibt ein pulsierender Zahn, eine angebrochene Packung Schmerzmittel, die Ungewissheit wie lange es noch schmerzt und das Wissen, dass es trotzalledem zu überstehen ist und man das nächste Mal nun wirklich nicht mehr so dumm tun muss…

spruengli

Der Schalter

Heute spielen wir etwas mit der Phantasie!

Stell dir einmal vor, du könntest mittels eines Schalters deine unmittelbare Zukunft sehen und entsprechend (mit-)bestimmen. Und das geht so: Du kommst in eine Situation, welche dir aus irgendeinem Grund nicht ganz in den Kram passt, dich verunsichert oder langweilt. Aber du besitzt „den Schalter“. Davon gibt es nur einige wenige Exemplare auf diesem Planeten. Es würde zu weit führen, dir zu erklären, wo der Ursprung des Schalters liegt und es würde dich vermutlich ängstigen – darum lasse ich es sein. Wichtig ist: Du besitzt einen. Mittels Klick auf „den Schalter“ kannst du kurz in die Zukunft blicken und die möglichen Situation betrachten, welche aus deinen verschiedenen Reaktionen entstehen könnten. Entsprechend entscheidest du dich für eine der Varianten.

Kapiert? Also los – wir erleben nun den Start eines ganz normalen „Schalter“-Tages.

Montag Morgen – dein Wecker läutet kurz vor sechs Uhr. Der aktuelle Traum wartet vergeblich auf ein würdiges Ende und entschwindet langsam in der Ferne. Du bist müde, verschlafen und noch überhaupt nicht in der Stimmung, aufzustehen. Doch du weisst, ein strenger Tag wartet auf dich. Sitzung um Sitzung, Mail um Mail, Entscheid um Entscheid. Du weisst, wenn du noch eine oder zwei Stunden liegen bleibst, hast du zuwenig Zeit – für einen menschlichen Badezimmerprozess, für die tagesgerechte Kleiderauswahl, fürs gesunde Frühstück, für einen menschenmassenfreien Arbeitsweg und auch für die nötigen Sitzungsvorbereitungen.

Doch halt – du hast ja „den Schalter“. Mal eben kurz prüfen, ob das liegenbleiben denn wirklich so schlimm wäre.

Klick. Möglichkeit eins bietet sich dar: Du siehst dich um 6 Uhr aufstehen. Badezimmer, Kleiderauswahl, Frühstück, Arbeitsweg – alles perfekt im Timing, keine Störungen… du brichst ab und klickst ein weiteres Mal auf „den Schalter“.

Klick. Möglichkeit zwei flimmert herbei. Du siehst dich noch eine Stunde weiterschlafen und dann aufstehen. Gleichzeitig steht dein Lebenspartner aber auch (übrigens wie geplant) auf und verschwindet im Bad – wo er bekanntlicherweise die Dusche für gefühlte tausend Minuten blockieren wird. Mist. Ohne Dusche geht gar nichts. Mürrisch bereitest du dennoch das Frühstück vor und stellst dich Müsli löffelnd vor den Kleiderschrank. Nein, sich ohne wachmachende Dusche für eine Bluse oder Hose entscheiden zu müssen – das geht gar nicht. Du schlurfst kauend zurück in die Küche und blätterst lustlos in einem herumliegenden Magazin. Müslischale und Kaffeetasse sind schon lange verräumt als das Bad endlich frei wird. Nach einer ungemütlich kurzen Duschaktion läufst du auch noch in eine mittlerweile im Flur stehende Aktentasche und verstauchst dir eine Zehe. Möglicherweise sinds auch zwei. Humpelnd gehts weiter zum Kleiderschrank.

Der geduschte Mann brüllt von irgendwo her „Du bist recht spät dran heute“ und „weisst du wo meine Aktentasche ist?“. Zähneknirschen geht nicht, da die Müslireste dies verhindern. Ah ja, genau. Zähne putzen! Zurück ins Bad. Dann wieder humpelnd und mittlerweile gänzlich unkoordiniert zurück zum Kleiderschrank. Bluse raus. Nein, doch nicht. Hinwerfen, nächste. Auch nicht, auch hinwerfen. Dann halt die. Plus die Hose. Nein, die passt nicht. Hinwerfen. Nächste. Ja, geht. Zwickt aber. Hinwerfen. Nächste. OK. Ähnliches Verfahren bei der Unterwäsche und Schuh-Auswahl. Dort sind die Passendsten aber nicht geputzt – also, die Zweit-Passendsten. Das macht dich unzufrieden, aber du hast wirklich keine Zeit mehr. Der geputzte und gestriegelte Mann behändigt sich seiner Aktentasche, wünscht dir einen schönen Tag, drückt dir einen Kuss auf den Mund und fragt noch erstaunt „warum humpelst du denn?“ und ist weg.

Hektisch suchst du deine Handtasche, Schlüssel, Sonnenbrille, Handy und weiteren wichtigen Kram zusammen. Dann trampelst du  zehenschmerzverdrängend und mit fast schon panischem Blick auf die Uhr die Treppe hinunter. An der Haustüre wirst du von einem Lieferanten mit sperrigem Liefergut erst einmal am verlassen des Hauses gehindert, bis du ihn entnervt anbrüllst und er einen kleinen Durchgang frei schafft, durch den du dich quetschen kannst. In diesem Moment siehst du, wie deine Strassenbahn davonfährt. Eine kleine Ewigkeit später befindest du dich endlich in der aufgrund der Uhrzeit vollgestopften Strassenbahn auf dem Weg zur Arbeit und gehst in Gedanken soweit möglich die erste Sitzung durch, in welche du notgedrungen unvorbereitet gehen musst. Die Verzögerung durch einen Streit zwischen einem Anzugmenschen und einem Bettler an der nächsten Haltestelle lässt du nervös auf die Uhr blickend über dich ergehen. Knapp zwanzig Minuten vor Sitzungsbeginn stürmst du humpelnd (oder eher humpelst du stürmisch) ins Büro.

Der Computer ist noch nicht ganz hochgefahren, kommt der Chef gelaufen und sagt erleichtert: „Ah, Sie sind da – kommen sie doch gleich zu mir, ich möchte die Sitzung noch kurz vorbesprechen“. Verschwitzt und ohne die allenfalls für die Sitzung wichtigen Mails noch lesen zu können versuchst du, innerlich anzukommen und den Erläuterungen deines Chefs zu folgen. Ohne Erfolg. Aber ihm hats gutgetan. Auch gut. Rüber ins Sitzungszimmer und Hände von Leuten schütteln, deren Namen du vor der Sitzung eigentlich noch hattest nachschauen wollen. So bleibt es bei den dir nicht beliebten Floskeln wie „guten Morgen“ und „Hallo, alles klar“ und „Schön Sie wiederzusehen“, dabei hättest du so gerne ein „Herr Müller“ oder „Frau Hugentobler“ hintendrangehängt. Nach der Begrüssung der Sitzungsteilnehmer wendet sich dein Chef an dich und bittet dich, die Dossiers zu verteilen. Alle Blicken richten sich auf dich, denn du hast ausser einem Notizblock und einer Agenda für alle gut sichtbar nichts dabei, schon gar keine Dossiers…

Stopp. DAS kanns ja wohl nicht sein. Bevor du noch weiter auf „den Schalter“ klickst um eine allfällige dritte Variante zu sehen, schwingst du dich flugs aus dem Bett. Dein Lebenspartner schläft noch, es ist ziemlich genau sechs Uhr und du weisst: Die Welt wird die nächsten drei Stunden sowas von in Ordnung sein…

Veränderungen

Veränderungen können innere und äussere Ursachen haben. So steht’s geschrieben. Nun, es ist ja auch so.

Auswandern scheint zum Beispiel im Moment hoch im Kurs zu stehen. Halbjährig Ausgewanderte bleiben wo sie sind, andere wandern für anderthalb Jahre aus, andere wollen gleich ein paar Jahre bleiben und wieder andere wollen für immer bleiben. Einige kennen ihre zukünfigte Heimat von früheren Aufenthalten, andere landen mehr zufällig am Ort des künftigen Geschehens.

Auch Reorganisationen oder Firmenschliessungen sind nach wie vor und in wachsender Zahl auf der Agenda. Immer mehr Leute sind davon betroffen – auch diejenigen, die sich auf der sicheren Seite wähnen. Ein vermeintlich sicheres Unternehmen, langjährige Anstellungen, gute Beziehungen und wertvolles Know-how schützen heute nicht mehr automatisch vor Veränderungen.

Nicht zu vergessen sind Veränderungen in Beziehungen zu anderen Menschen. Ob Freundschaften, familäre Beziehungen oder Liebesbeziehungen. Da sind Menschen, die dümpeln jahrelang in der gleichen Situation vor sich hin, sind mehr oder weniger zufrieden oder mehr oder weniger unzufrieden – je nach Betrachtung. Sie halten aus. Bloss keine Veränderung. Es leidet sich anscheinend besser, wenn man weiss warum.

Es gibt Menschen, die haben das Gefühl, dass eine Veränderung in ihrem speziellen Fall gar nicht möglich ist. Es gibt aber auch Menschen, die treten irgendwann freiwillig aus ihrer Komfortzone heraus. Sie verwirklichen einen Traum, wollen einer sich abzeichnenden Veränderung zuvor kommen, stehen endlich für sich ein oder haben einfach Lust auf Veränderung. Gemeinsam ist ihnen der Mut sich zu entscheiden und die Bereitschaft sich zu einem gewissen Grad auf Unbekanntes einzulassen. Diese Menschen warten Veränderungen nicht einfach ab – sie gehen sie selber aktiv an.

Ich denke wir sind alle gut beraten, wenn wir uns darauf einstellen, dass das Leben Veränderung IST. Natürlich soll man trotzdem nicht gehetzt von Lebenssituation zu Lebenssituation hüpfen. Natürlich kann man trotzdem entspannt und optimistisch durchs Leben gehen. Und natürlich sind Konstante im Leben genau so wertvoll wie Bewegungen.

Bereit sein, Veränderungen anzunehmen ist bereichernd. Optimismus und Vertrauen in sich aber auch in andere ebenfalls. Und schlussendlich fühlt sich das Leben einfach besser an, wenn man das Glas halb voll statt halb leer sieht.

Zug statt Flug

Geplant: Flug nach Hannover. Autofahrt in den Harz. Verlängertes Wochenende zwecks Geburtstagsfeier. Autofahrt zurück nach Hannover. Rückflug nach Zürich.

Umgesetzt: Flug nach Hannover. Autofahrt in den Harz. Verlängertes Wochenende zwecks Geburtstagsfeier. Autofahrt zurück nach Hannover.

Nicht umgesetzt: Rückflug nach Zürich.

Wie jetzt? Meine Sinusitis hat die Nase gestrichen voll vom Hinflug und will nicht mehr zurückfliegen – also fahre ich. Mit dem Zug. Holdrio. Hannover-Zürich. Rund sieben Stunden Zugfahrt, insgesamt fast neun Stunden Reise. So etwas steht nicht gerade zuoberst auf meiner Wunschliste. Aber gut, Gesundheit geht vor, ab in den Zug.

Erst einmal musste ich vom Flughafen Hannover nach der Rückgabe des Mietautos zum Hauptbahnhof Hannover gelangen. Mein Koffer reist zum Glück mit Mann im Flugzeug zurück, es bringt ja herzlich wenig, zwei Leute für notabene je 220 Euro zusätzlich die lange Reise antreten zu lassen. Und so werfe ich mich nur leichtbepackt und alleine ins Vergnügen. Mann bleibt winkend zurück (ok, er winkt eigentlich nie aber die Vorstellung war grad so schön…).

Es folgen zwanzig Minuten im Vorstadtexpress mit einem sehr lustige Zugbegleiter. Hach, nach Zürich müssen Sie? Statt fliegen? Das ist aber weit! Ho-ho-ho. Sein grosser Bauch wackelt beim lachen bedenklich und es folgt eine Geschichte über eine betrunkene junge Frau, welcher von der Airline den Zutritt zum Flugzeug verweigert wurde, welche jedoch die Zugfahrt von derselben Airline bezahlt bekam. Ich bin nicht betrunken, wende ich müde ein und spüre die Blicke der Mitreisenden, ich fliege aus gesundheitlichen Gründen nicht. Aha, so so. Und ich stelle an den Blicken fest – alle glauben mir…

Hannover Hauptbahnhof. Durchsage: Am Bahnsteig vier steht nun der ICE nach Zürich zum einsteigen bereit. Sehr schön. Und die vielen Leute, wollen die alle mit? Als ich die Wagen durchstreife stelle ich fest, dass die vermutlich auch alle eine Reservation haben. Denn die meisten Sitzplätze sind besetzt oder reserviert. Gut habe ich mich für diese lange Reise für die erste Klasse entschieden. Trotzdem werde ich erst an der Zugspitze fündig. In einem Abteil sitzt nur ein gepflegter, älterer Herr mit schneeweißem Haar und Schalk in den Augen – zu dem setze ich mich.

Innert Minuten weiss ich von ihm, dass er an der Nordsee wohnt und an den Bodensee fährt. In Baden-Baden muss er umsteigen, es stehen uns also gut vier Stunden Fahrtgemeinschaft bevor. Also gut. Trotz pulsierendem Kopfschmerz lasse ich mich auf ein Gespräch ein. Seine Freundin ist Tessinerin und ihr Sohn studiert in Basel. Er mag Gotthelf, geht an Stöcken und hat anderthalb Stunden auf seine krümelige Pizza aus dem Bordrestaurant gewartet.

Durchsage: Meine Damen und Herren. Soeben ist unser Eisverkäufer zugestiegen und bedient Sie jetzt am Platz. Na Bravo – ist das mit meiner Diät zu vereinbaren? Aufgrund meines Ausnahmezustandes bin ich (geständigerweise wie schon am Geburtstagsfest…) kurz davor, einen Eisgenuss als diätverträglich durchgehen zu lassen. Die Vernunft siegt aber und ich bestelle bei unserem zuständigen Bordmitarbeiter eine Tomatensuppe.

Eine Stunde später sind wir zu dritt. Und mein Laptop bekommt Gesellschaft. Ansonsten verhält sich die Dame so wie sie aussieht – ruhig. Und sie schreibt und schreibt. Ich tippe auf IT-Fachfrau. Mein Gegenüber liest Zeitung und ich widme mich einem Hörbuch. Die Landschaft zieht deutlich schneller vorbei, als die Zeit vergeht.

Zwei Stunden später begleite ich den netten alten Herrn zum Ausgang und erfahre noch, dass er auf Sylt wohnt, jeden Morgen ein Bad in der Brandung nimmt und seit 50 Jahren ein amputiertes Bein hat. Das alleine ist kein Problem, nein, es ist das andere Knie. Der Mann ist zwölf Stunden unterwegs, muss umsteigen und hat sichtlich Schmerzen. Und doch wirkt er aufrecht, stolz und stark – ich bin wirklich beeindruckt.

Zurück im Abteil sind wir zwei Frauen alleine. Sie tippt und tippt und ich lese, höre mein Hörbuch, trinke, blicke ziellos in die Landschaft. Ab und an taucht einer der Zugbegleiter auf, bietet Schokolade und Erfrischungstücher an oder möchte ganz einfach wegen Personalschichtwechsel den Fahrschein noch einmal sehen. Schön,  mein Ticket sammelt viele bunte Stempel…

Ab Freiburg bin ich alleine im Abteil, nicht einmal die durch den Zug patrouillierenden Zöllner interessieren sich für mich. Die letzte Stunde hängt dann wirklich an. Basel-Zürich. Ich bin müde, kenne die Strecke und sehne mich einfach nur noch nach meinem Schatz, einer Dusche und meinem Bett. Ich weiss nicht mehr wie ich sitzen soll, das Hörspiel langweilt mich und lesen mag ich auch nicht mehr. Nein, ich will jetzt einfach nur nach Hause. Basta.

Kurz nach 20 Uhr ist auch das geschafft. Ich bin gefahren statt geflogen und der Sonntag, der ist gelaufen…

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Wünschen und träumen

Liebe Frau H. – du verwirklichst soeben einen Traum. Das wünschen sich viele – und träumen doch nur davon. Der inneren Freiheit, einen Traum zu verwirklichen geht voraus, dass man den Bauch über den Kopf siegen lässt. Denn der Kopf findet immer, immer, immer einen Grund, sich gegen den Traum zu entscheiden. Obwohl man sich wünscht, dass das nicht so ist.

Was war zuerst? Der Wunsch oder der Traum? Das könnte so eine Huhn-Ei-Geschichte werden. Eigentlich ist aber genau das egal. Es ist total egal. Es braucht keine philosophischen Ergüsse, um etwas zu erklären, dass eigentlich überhaupt nicht erklärt werden muss. Menschen haben Träume und Wünsche. Und je nachdem, wo sie im Leben gerade stehen, wird aus einem Traum Realität oder er bleibt ewig ein Wunsch. Wir können unmöglich alle unsere Träume und Wünsche erfüllen. Aber es ist schön, sie zu haben.

Und dann gibt es Momente im Leben, diese seltenen aber wundervollen Momente, in denen man genau an der richtigen Stelle steht, um den Mut zu finden, eine Entscheidung zu treffen. Nicht gegen andere, wie es so oft missverstanden wird – sondern für sich und nur für sich. Und diese Entscheidungen sind die Besten im Leben.

Natürlich gibt es auch andere, weniger heroische und stimmige Gründe, sich für etwas zu entscheiden, als einen Traum zu verwirklichen. Aber die lassen wir jetzt mal schön weg – mir gefällt die Traum und Wunsch-Geschichte viel besser und ich wünsche mir, dass ich immer fähig sein werde, zu träumen. Denn genau das macht das Leben (unter anderem) so lebenswert.

Dir, liebe Frau H., wünsche ich bei der Erfüllung deines Traumes, dass du ihn ein kleines Bisschen für uns alle hier lebst und es dir so richtig gut geht dabei! Good luck!

Es grüsst herzlich
Frau W.